Das tragische Ende eines Mannes, der beim "Großen Sturm" 1703 mitsamt seinem Leuchtturm in den Fluten versank, weckte die Neugier von Erwin Katholitzky, Sieghartskirchen (willkommen in der Gemeine!). Der Spurensucher wandte sich mit der Bitte um Details ans Geschichtsfeuilleton.

Feuer auf dem Eddystone-Leuchtturm 1755. 
- © Bild: Archiv/gemeinfrei

Feuer auf dem Eddystone-Leuchtturm 1755.

- © Bild: Archiv/gemeinfrei

Zur Erinnerung: Im Oktober (S. III) wurde u.a. über Henry Winstanley (1644-1703) berichtet, der den ersten Leuchtturm auf den Eddystone Rocks, ca. 20km vor Plymouth an Englands Südwestküste, erbauen ließ. Der 1696- 1698 errichtete Turm wurde in der Nacht auf den 8. Dezember 1703 bei einem Orkan zerschmettert. Dabei fanden der Erbauer sowie weitere gerade anwesende Personen den Tod.

Angereist war die Gruppe, weil Reparaturen anstanden. Bereits 1699 waren umfangreiche Adaptionen vorgenommen worden. Damals hatte man unter anderem das Mauerwerk verstärkt, damit es den gewaltigen Wellen trotzen konnte.

Vier Jahre später mussten wieder Schäden ausgebessert werden. Winstanley fuhr mit einigen Arbeitern hinaus. Wetterwarnungen schlug er in den Wind. Angst hatte er keine, im Gegenteil: Er war, wie in den Zeitreisen berichtet, sogar darauf erpicht, ein großes Unwetter in seinem Leuchtturm miterleben zu können.

In einem Artikel, deranno 1825 in einem Leipziger Blatt erschien, wurde ein alter Leuchtturmwächter zitiert, der den Tag nach der Katastrophe 1703 schilderte: "Am Morgen, als der Sturm sich legte und die Sonne glanzlos aufging, suchten die Einwohner von Plymouth mit Staunen und Schrecken den gewaltigen Farus (= Leuchtturm, Anm.) - und suchten umsonst. Die Fluthen hatten ihn sammt seinem Erbauer verschlungen; und so gänzlich war er verschwunden, daß nur einige eiserne Strebefeiler (sic!) den Ort bezeichneten, wo er gestanden hatte. Kein Stein war mehr zu sehn". Auch eine nach Seemannsgarn klingende Anekdote durfte in der Geschichte nicht fehlen: "Ein sonderbarer Zufall wollte, daß in derselben Nacht . . . auch das in seinem (Winstanleys, Anm.) Hause aufbewahrte Modell zu Boden fiel und in Stücke ging."

Das Ende des 1703 zerstörten Leuchtturms kannte der zitierte Mann - er hatte selbst ab 1751 als Wächter im Nachfolgebau gearbeitet - nur aus Erzählungen. Doch auch er erlebte Furchtbares auf den Eddystone Rocks. Nämlich als der 1709 errichtete Turm vernichtet wurde. Diesmal nicht durch Wind und Wellen, sondern durch ein Feuer, das 1755 in der Kuppel der Laterne ausgebrochen war und innerhalb von Stunden das Gebäude vernichtete. Die völlig verstörten Wächter suchten in einer Felshöhle Schutz. Einer wurde durch geschmolzenes Blei tödlich verletzt. Dichter Rauch und die steigende Flut versetzten die Männer in höchste Not.

In letzter Minute kam ein rettendes Boot. Und sorgte dafür, dass diesmal, anders als 1703, Augenzeugen überlebten.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner