Auf den Wiener Petersplatz führte die Frage 1 der Nro. 424 den Tüftlerkreis. Dort, etwas abseits des Grabens, beeindruckt die Peterskirche mit ihrer, wie Herbert Beer, Wolfpassing, notiert, "56m hohen gewaltigen Kuppel". Der heutige Bau stammt aus dem Barock, doch die Wurzeln des Gotteshauses reichen weit zurück, bis "ins völlige Dunkel der Geschichte", wie der Tüftler anmerkt.

Im Handbuch "Dehio", so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "wird ausgeführt, dass die Kirche möglicherweise auf einen antiken Vorgängerbau (Saalkirche)" zurückgehe. Wie Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22, fortsetzt, finde man zuweilen die Information, eine ursprüngliche Kirche sei "in der zweiten Hälfte des 4. Jh.s durch den Umbau eines Kasernengebäudes" des römischen Lagers Vindobona entstanden.

Der Barockbau 1734, kurz nach der endgültigen Fertigstellung. 
- © Bild (Ausschnitt): WienMuseum/CC0

Der Barockbau 1734, kurz nach der endgültigen Fertigstellung.

- © Bild (Ausschnitt): WienMuseum/CC0

Basilika in Tiefgarage

Hinweise darauf fand man 1965 beim Bau der "Tiefgarage der Ersten Österreichischen Sparkasse", so Dr. Manfred Kremser, Wien 18, der sich auch an Vorträge von Leopold Mazakarini (1914-1990) beim Fremdenführerkurs erinnert. Der Kunsthistoriker vermittelte, "dass nicht die Ruprechtskirche, sondern die Peterskirche die älteste Kirche in Wien sei. Wehe, jemand . . . hätte widersprochen."

Der Legende nach, so Volkmar Mitterhuber, Baden, wurde sie "792 durch Karl den Großen gegründet". Daran erinnert auch ein "Monumentalrelief von Rudolf Weyr aus dem Jahr 1906 an der südöstlichen Fassade."Als "seitliche Arabeske" wirft DI Dr. Luzian Paula, Wien 6, dazu ein: "Blöderweise hat man ihm (Karl, Anm.) darin die deutsche Kaiserkrone (heute in der Schatzkammer) aufgesetzt." Diese Reichskrone "ist allerdings erst drei Jahrhunderte später hergestellt worden."

Eine so weit zurückreichende Baugeschichte "lässt sich nicht beweisen", wendet Harry Lang, Wien 12, ein. "Wahrscheinlich ist die Peterskirche um die Mitte des 11. Jh.s vom vorbabenbergischen Stadtherrn, der Beziehungen zu Salzburg (dortiges St. Peter existiert seit 696, Anm.) hatte", errichtet worden.

Die erste urkundliche Erwähnung nennt Mag. Robert Lamberger, Wien 4: Die Wiener Kirche "wurde 1137 dem Pfarrer von St. Stephan unterstellt." Christine Sigmund, Wien 23, ergänzt, dass sie Heinrich II. Jasomirgott später "an die von ihm gegründete Schottenabtei" übergab.

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: St. Peter fiel "1276 . . . dem großen Stadtbrand zum Opfer. Noch im selben Jahr erfolgte die Wiederrichtung . . . im romanischen Stil." Wenn von der "alten Kirche" die Rede ist, fasse man oft den ersten und zweiten Bau zusammen und vergesse die Zäsur von 1276.

Milch und Schnecken

"Einen besonderen Bezug" zum Thema hat Mag. Georg Schilling, Wien 18, der "mitunter in der . . . Peterskirche Orgel" spielt. Der Tüftler schildert, wie der "gotisierte Bau (eventuell bereits der romanisierte)" aussah: Es gab "einen rechteckigen Turm, der an seinen vier Kanten hohe Ecktürme aufwies"; in der Mitte ragte "ein spitzer Helm" empor. "Auf einem Plan von Jacob Hoefnagel" aus dem frühen 17. Jh. ist dies eingezeichnet (vgl. Ausschnitt unten).

Das Gotteshaus vor dem barocken Umbau auf einem Ausschnitt des Hoefnagel-Stadtplans (hier Aufl. 1617). 
- © Bild: WienMuseum/CC0

Das Gotteshaus vor dem barocken Umbau auf einem Ausschnitt des Hoefnagel-Stadtplans (hier Aufl. 1617).

- © Bild: WienMuseum/CC0

Dem die Kirche umgebenden Petersfreithof wendet sich Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, zu: Er "ist einer der ältesten Friedhöfe bzw. Plätze Wiens" und wurde "1276 erstmals genannt".

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "An die alte Peterskirche angelehnt, stand auf dem Friedhof, der auch nach seiner Auflassung im 13. Jh. (die letzten Reste verschwanden erst 1783) diesen Namen weiterführte, eine Wachstube".

"Ende des 13. Jahrhunderts befand sich an der Westseite des Platzes der Milchmarkt, an den die heutige Milchgasse" erinnert, so DI Karin Endler, Wien 23; später wurden dort der Eiermarkt, "der Geflügel- und Grünwarenmarkt" sowie der Schneckenmarkt abgehalten.

Zeitreisende DI Endler zitiert aus Wolfgang Schmelzls "Lobgedicht auf die Stadt Wien", in dem er "Mitte des 16. Jh.s das Treiben auf dem Petersplatz" schilderte: "Da steht ein altes Tempelhauss, / Ein Baum wechst zu dem Thurm heraus". Und weiter: "Dreyssig wägen mit ayer ich zelt [zählte], / Desgleichen jung und alte Hüner, / Gänss, änten, gut fayst Kapauner, / . . . Von rüben, krehn, kraut, petersil, / Salat, das gantz jar findt man vil".

Unfall auf der Baustelle

Zum Sakralbau kommt Dr. Alfred Komaz, Wien 19, zurück: Als er "im 16. Jh. baufällig" war, ließ ihn sein ""Kirchenmeister", der . . . Arzt, Hofhistoriograph und Geograph Wolfgang Lazius, zum größten Teil auf eigene Kosten renovieren".

Eine Seuche gab schließlich den Anstoß zur Errichtung des heutigen Barockjuwels, so Alice Krotky, Wien 20: "1679, anlässlich einer Pestepidemie, gelobte Leopold I. sowohl die Stiftung einer Säule am Graben als auch den Neubau" des Gotteshauses. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "Die alte, verfallene Kirche wurde 1701 abgerissen." Manfred Bermann, Wien 13: Dabei "will man . . . den Grundstein der ersten Kirche gefunden haben" und datierte ihn auf anno 800.

Geplant wurde das neue Gebäude, so Dr. Peter Autengruber, Wien 17, "von Gabriele Montani". Prof. Brigitte Sokop, Wien 17: Da Montani, der "1698 den Pfarrhof am Petersplatz restauriert hatte", dann "im Gefolge von Erzherzog Karl als Festungsarchitekt nach Spanien zog", führte "Lukas von Hildebrandt . . . den Neubau aus." Der Grundstein wurde 1702 gelegt.

Bei einer Prozession im Herbst desselben Jahres wäre die Baustelle dem Kaiser fast zum Verhängnis geworden, so Brigitte Schlesinger, Wien 12: Die hohe Gesellschaft schritt "über die Bretter, die über die neuen Fundamente gelegt worden waren", und brach ein. "50 Personen . . . stürzten in die Tiefe". Fast alle wurden "verletzt, einige . . . getötet".

Zu Baumaterialien recherchierte Dr. Harald Jilke, Wien 2: "U.a. für den umlaufenden Sockel" wurde "harter Kaiserstein" verwendet. Beim "Portalvorbau, der 1751-1753 nach Plänen von Andrea Altomonte . . . angebaut wurde", griff man zu Gutensteiner Marmor.

Wie Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, notiert, war der Rohbau 1708 fertig. Maria Thiel, Breitenfurt: Im selben Jahr wurde die Kirche "in Anwesenheit des Kaiserpaares benediziert". Gerhard Toifl, Wien 17, wirft ein, dass die Vollendung erst 1733 erfolgte.

Zur Innenausstattung erwähnt Herbert C. Eller, Mödling, u.a. Fresken von Johann Michael Rottmayr und den Hochaltar von Antonio Galli da Bibiena (Aufbau) und Martino Altomonte (Altarbild).

"Diese Kirche war der erste Kuppelbau im Barock in Wien", so Helmut Erschaumer, Linz. Und: "Der Petersdom im Vatikan in Rom diente als Vorbild."

Dass auch die Wiener Peterskirche selbst inspirierend wirkte, erwähnt schon zitierter Spurensucher DI Dr. Paula: Sie war für "Arthur Krupp bzw. seinen Baumeister Ludwig Baumann . . . Vorlage für die 1917 fertiggestellte Margaretenkirche in der Arbeitersiedlung von Berndorf (NÖ)."

P.S. Zur Orchidee rund um ein Schloss in Simmering recherchierten u.a. Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, sowie Dr. Gottfried Pixner, Wien 13; mehr dazu im Jänner 2022!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner