"Schmieden, Gießen, zum Verzieren: Ziselieren, Punzieren, Gravieren, Ätzen ...", das sind einige der "wichtigsten Techniken" der Goldschmiedekunst, die Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, nennt. Um die Geschichte dieses Handwerks in Altösterreich sowie um den glänzenden Rohstoff drehte sich die Frage 2 der Nro. 424.

Als Ausgangspunkt dient die Goldschmiedgasse in der Wiener Innenstadt. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, hält fest: "Ab etwa 1300" findet man dort "Werkstätten der Goldschmiede". DI Karin Endler, Wien 23, geht auf eine frühe Erwähnung des Namens ein: "In dem von August(in) Hirschvogel 1547 gezeichneten Gesamtplan der Stadt Wien ist die Gasse als "Untern Goltschmid olim unt Brotleden" (siehe Kartenausschnitt unten, Anm.) bezeichnet, was ... "Unter den Goldschmieden einst Unter den Brotläden" heißt."

Stadtplan aus 1547 mit der Gasse "Untern Goltschmid olim unt Brotleden" zwischen dem Stephansdom und der Peterskirche.  
- © Archiv/gemeinfrei; Repro und Bearbeitung: Moritz Szalapek

Stadtplan aus 1547 mit der Gasse "Untern Goltschmid olim unt Brotleden" zwischen dem Stephansdom und der Peterskirche. 

- © Archiv/gemeinfrei; Repro und Bearbeitung: Moritz Szalapek

Dabei blieb es aber nicht, wie Alice Krotky, Wien 20, feststellt: Im 16. und 17. Jh. wird das Wegstück zum "Flaschnergassl, weil sich Flaschenhersteller ansiedelten". Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, weiter: 1776 zählte es "zum Schlossergassel". Ein Jahrzehnt später wird für das Teilstück zwischen Stephansplatz und heutiger Freisingergasse "wieder die Bezeichnung Goldschmiedgasse gebräuchlich, wogegen die Fortsetzung zum Petersplatz zum Eisgrüb(e)l gerechnet wurde."

"Grübel, grübel, grübel ...", diese Bezeichnung beschäftigte Dr. Manfred Kremser, Wien 18, der auf die Hausnummer 10 der Goldschmiedgasse deutet: Bis heute findet man dort "ein Ornament mit ... Frauenfigur, über deren Haarkranz und Krone in goldenen Lettern "ZUM EISGRÜBL" steht." Der Name bezieht sich auf "umliegende Keller", die "Eis kühl hielten".

Volkmar Mitterhuber, Baden, notiert: "Ihre heutige Ausdehnung besitzt die Goldschmiedgasse seit 1862." Die Bauten, die Nachgeborene nach wie vor betrachten können, "entstanden zwischen 1867 und 1896". Davon überzeugte sich Manfred Bermann, Wien 13, persönlich und stieß bei einem Spaziergang auf unterschiedliche Beschilderungen: Freilich sah er "das offizielle Straßenschild", auf dem die Gasse eben als Goldschmiedgasse ausgewiesen wird. Bei Hausnummer 5 und 7 entdeckte der Spurensucher ein Stück Stadtgeschichte: Auf den alten Plaketten fand er die Schreibweise "Goldschmid-Gasse" (ohne "e").

Erste Meister

Mit der Geschichte der Kunsthandwerker setzte sich Dr. Karl Beck, Purkersdorf, auseinander: "Der älteste namentlich bekannte Goldschmied in Wien um 1170 war ... Bruno aurifex." Der Tüftler erklärt die lateinische Wortzusammensetzung: "aurum" heißt Gold, das Verb "facere" bedeutet machen.

Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22, dazu: ""Meister Bruno" war ... nicht nur der erste nachgewiesene Meister des Faches, sondern auch der erste urkundlich erwähnte Kunsthandwerker schlechthin in Wien." Dr. Alfred Komaz, Wien 19, zählt Nachfolger auf: "Im 13. Jh. werden die Goldschmiede Engelbert, Friedrich, Heinrich, Philipp und Sintram (1226) sowie Walther und Wernhardt (1264) genannt, die in Klosterneuburg und Wien ... arbeiteten." Damit befanden sie sich "in der Nähe zu ihren Hauptauftraggebern, dem jeweiligen Landesherrn bzw. wichtigen kirchlichen Institutionen".

Reiche Berge

Der glänzende Rohstoff musste für die Verarbeitung in der Donaumetropole keine langen Produktionswege zurücklegen. Dr. Harald Jilke, Wien 2, verweist darauf, dass hierzulande "schon die Kelten und Römer ... Gold abbauten."

Eine besonders lukrative "Goldgewinnungsstätte" im Salzburgischen notiert DI Dr. Luzian Paula, Wien 6: "Rauris im Pongau".

Den dortigen Stollen kennt bereits erwähnter Geschichtsfreund Ing. Kaiser: Der Tüftler besuchte "vor vielen Jahren ... das Goldbergwerk in Gastein/Rauris", das er "mit dem "Grubenhunt", einem einfachen Stollengefährt auf Rädern, durchfuhr.

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, klärt die Gebietsverhältnisse auf: "Im babenbergischen Herrschaftsbereich gab es keinen Goldbergbau. Lediglich an der Donau wurde in verschiedenen Orten ... Gold aus dem Kies gewaschen. Die Ausbeute war bescheiden ... Im selbständigen Erzbistum Salzburg ist die Goldgewinnung seit dem 8. Jh. bezeugt ... Nach der Vereinigung Salzburgs mit Österreich wurde der Goldbergbau in Rauris bis 1875 vom Staat, dann von einem französisch-belgischen Konsortium betrieben."

Harry Lang, Wien 12, führt weiter aus: "Im 14. Jh. gab es in den Hohen Tauern ... einen Goldrausch." Das edle Metall "wurde in öffentlichen und auch illegalen Bergwerken geschürft. Zwischen 1450 und 1570 sollen dort etwa 830kg Gold gefördert worden sein, was dem Erzbistum Salzburg ... zu enormem Reichtum verhalf." Maria Thiel, Breitenfurt, fügt an: "Aber nicht nur in Rauris, auch in vielen anderen Alpentälern in Kärnten, Salzburg und Tirol findet man heute Goldstollen, die vor allem im Mittelalter ... in das Gebirge getrieben wurden. Spätestens im 19. Jh. aber schlossen die meisten Goldbergwerke".

Herbert C. Eller, Mödling, ergänzt: "Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 versuchte man nochmals den Goldbergbau im Raurisertal zu reaktivieren", gab das "Vorhaben aber schon 1940 wieder auf."

In diese dunkle Zeit führt auch eine Anmerkung von schon erwähntem Zeitreisenden Harry Lang: "Mein Vater, Albert Lang, Jahrgang 1907, war Gold- und Silberschmiedemeister." Seinem Handwerk "konnte er in den 30er-Jahren aus politischen und auch rassischen Gründen" nicht nachgehen. Als Jude wurde er 1942 ins KZ deportiert. "Nach dem Krieg hatte er keine Mittel zur selbständigen Ausübung des Gewerbes. Er war bis zu seinem Tod 1970 Angestellter und Geschäftsführer" bei verschiedenen Juwelieren in der Wiener Innenstadt. (NB: Die Zeitreisen widmeten der Familie Lang im September 2016, Nro. 363, die Sonderseite "Wenn Schweigen nicht Gold ist".)

Glänzende Zunft

Das Wappen der Wiener Gold- und Silberschmiede.  
- © Bild aus: "Der heraldische Schmuck...", 1910

Das Wappen der Wiener Gold- und Silberschmiede. 

- © Bild aus: "Der heraldische Schmuck...", 1910

Bereits am Beginn des 14. Jh.s gab es eine Innung der Goldschmiede, so Gerhard Toifl, Wien 17: Schließlich erließen die regierenden Habsburger Brüder "Albrecht III. und Leopold III. ... 1366" die erste Handwerksordnung für die Goldschmiede, die jedoch "während des 30-jährigen Kriegs verloren ging." Der Text, der als "brieff der goldsmid" bekannt ist, blieb "durch eine Eintragung ins "Eisenbuch" (= Wiener Stadtbuch, Anm.) erhalten".

1367 folgte eine selbst auferlegte Zechordnung, die Bestimmungen zur Ausübung des Berufs enthielt, so Mag. Robert Lamberger, Wien 4: "Außerdem wurde damals ein Siegel geschaffen, das ... den Heiligen Eligius, den Schutzpatron der Goldschmiede, zeigt; es ist das älteste Wiener Handwerkersiegel." Weiters findet man "in der Zunftordnung ... ein Wappen". (Eine erneuerte Version dieses Emblems ist auf dem Bild oben zu sehen).

Herbert Beer, Wolfpassing, ergänzt: Übrigens zeigen die Herkunftsorte der damaligen "Wiener Goldschmiede ..., dass diese aus weiten Teilen Mitteleuropas nach Wien gekommen sind". Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Schließlich führte die "Barockzeit mit ihrem großen Repräsentationsbedürfnis ... im 18. Jahrhundert zu einer neuen Blüte der Goldschmiedekunst".

Prunkvolles Abendmahl

Auf ein kostbares Werkstück aus dem Mittelalter verweist bereits zitierte Nussknackerin Prof. Dr. Rath: "Der Tassilokelch wurde vom Baiern-Herzog Tassilo III. und seiner Gattin Liutpirg, auch Liutpirc, ... gestiftet." Er ist der "älteste, erhaltene Abendmahlkelch des Frühmittelalters" im deutschsprachigen Raum.

Der kupferne Kelch mit silbernen und goldenen Verzierungen wurde vermutlich, so Helmut Erschbaumer, Linz, "von norditalienischen Handwerkern in Salzburg geschaffen".

"Wann und wozu das Kunstwerk in Auftrag gegeben wurde, lässt sich nur schließen", so Brigitte Schlesinger, Wien 12: Für einige Forscherinnen und Forscher deutet die Inschrift auf Salzburg und die Zahl 781 hin, die sie als Entstehungsjahr vermuten. "Der prächtige Kelch wurde wohl für die Liturgie im damals neu gebauten Salzburger Dom angefertigt ... Nach dem Sturz Tassilos ... 788" gelangte der Kelch "nach Kremsmünster an der damaligen Ostgrenze" des bayerischen Herzogtums. Dort wird er bis zum heutigen Tag aufbewahrt.

P.S. Recherchen zur Zusatzorchidee rund um das Thema "Ordinari Zeittungen" folgen in einem Monat in den Zeitreisen.

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky