An der Kreuzung Wollzeile und Riemergasse im heutigen ersten Wiener Bezirk gibt es gleich mehrere Häuser, die in früheren Zeiten die Bezeichnung "Zum scharfen Eck" getragen haben sollen. In jenem mit der Konskriptionsnummer 793 (heute Wollzeile 28) befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein Geschäft, in dem der Handelsmann Franz Graßl unter anderem verschiedene Alkoholika zum Verkauf anbot. Die hier wiedergegebene Annonce erschien am 31. Dezember 1853 im "Intelligenzblatt", der Reklame-Beilage der "Wiener Zeitung", und lockte mit Slivowitz aus Syrmien (Gegend zwischen Donau und Save, nordwestlich von Belgrad), Rum aus Jamaika, "Ausbrüchen" aus Ungarn (süße Weine aus den reifsten, aus der Traube "ausgebrochenen" Beeren) sowie anderen geistigen Getränken. Eine Spezialität des Hauses war offenbar eine "Ananas-Punsch-Essenz".

- © Faksimile: Moritz Szalapek/WZ
© Faksimile: Moritz Szalapek/WZ

Mit Spirituosen hat der Hausname "Zum scharfen Eck" aber nichts zu tun. Er kommt wohl eher daher, dass sich hier an der Kreuzung einst eine spitzwinkelige Ecke befand. Vor 1740 trug der an dieser Stelle stehende Vorgängerbau den kuriosen Namen "Wo der Hahn den Hühnern predigt".