An verschiedene historische Stellen des zweiten Wiener Bezirkes begab sich die Gemeine anlässlich der kleinen Nuss Nro. 421 rund um den heutigen Max-Winter-Platz. Volkmar Mitterhuber, Baden, hält fest, dass die jetzt noch gültige Benennung "am 15. Februar 1949 nach dem . . . Journalisten (1895-1934 bei der "Arbeiterzeitung") und Sozialreformer Max Winter" erfolgte.

Maria Thiel, Breitenfurt: Laut "Winters Credo sollten Journalisten "auf den Straßen, in den Fabriken und Werkstätten, in den öffentlichen Gaststätten, in den Häusern und Wohnungen" etc. recherchieren."

Orden für Rammstoß

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Winter (1870-1937) war Abgeordneter der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Mitarbeiter Victor Adlers und u.a. auch "Mitbegründer der "Kinderfreunde"". Zu Nachfahren des ursprünglichen Namensgebers für den Platz, "Maximilian Daublebsky von Sterneck (Klagenfurt 1829 - Wien 1897)", notiert der Tüftler Persönliches: Dr. Klas Daublebsky (1940- 2013) "war vor rund 20 Jahren österreichischer Botschafter in Prag - und davor . . . "mein" sehr geschätzter Abteilungsleiter im Außenministerium."

Näheres zu dem in der Nuss gesuchten Daublebsky von Sterneck liefert Helmut Erschbaumer, Linz: 1866 erhielt er das Kommando über die Panzerfregatte "Erzherzog Ferdinand Max". Dort diente er unter Admiral Wilhelm von Tegetthoff "in der Seeschlacht bei Lissa" (= die nun kroatische Insel Vis). Sterneck gelang, so Manfred Bermann, Wien 13, "der "entscheidende Rammstoß am italienischen Flaggschiff "Re d’Italia" . . . Da ließen die Orden nicht mehr lange auf sich warten, wie auch Beförderungen."

Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram: Tegetthoff schrieb Sterneck "das Hauptverdienst am Sieg bei Lissa zu". Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, gibt jedoch zu bedenken, dass der Erfolg der k.k. Marine auf weite Sicht "politisch . . . bedeutungslos" war. "Nach der Niederlage gegen Preußen in der Schlacht bei Königgrätz mussten die Österreicher Venetien an das Königreich Italien abtreten."

Die Rammtechnik Sternecks wurde, wie Alice Krotky, Wien 20, betont, danach "europaweit . . . eingesetzt, erwies sich allerdings als doch nicht so wirkungsvoll wie bei der Seeschlacht von Lissa".

Gerhard Toifl, Wien 17, zum Werdegang des Offiziers: "1869 bis 1873" war er "Hafenkommandant von Pola", einem wichtigen Militärstützpunkt im heutigen Kroatien. 1872 wurde er Kontreadmiral (sic, alte Schreibung). Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, weiter: "Elf Jahre danach" stieg er zum Vizeadmiral und 1888 zum Admiral auf.

Eisige Andenken

Dr. Harald Jilke, Wien 2: 1872 "unternahm er mit Hans Graf Wilczek die Erkundungsfahrt nach Nowaja Semlja zur Unterstützung der österreichischen Nordpolexpedition."

Wie Mag. Georg Schilling, Wien 18, dazu anmerkt, war es das Ziel, "ein Proviant-Depot für das Schiff "Admiral Tegetthoff"" anzulegen. Mit diesem waren die beiden Entdecker Julius Payer und Carl Weyprecht am 13. Juni 1872 von Bremerhaven ins Eismeer aufgebrochen. Bereits eine Woche später, so Rudolf Freiler, Kirchschlag, verließ Sterneck auf der "Isbjörn" den norwegischen Hafen Tromsø. Dieses Gefährt "war nur 17,38m lang und 5,37m breit, eigentlich eine Nussschale für eine Polarfahrt." Zwei Monate später trafen "die "Isbjörn" und die "Tegetthoff"" aufeinander. Es wurde "eine Champagnerflasche geköpft und am 18. August der Geburtstag des Kaisers mit einem üppigen Festmahl gefeiert."

Diese Fahrt bescherte Daublebsky von Sterneck einige eisige Andenken, zu denen Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, fündig wurde: In der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen befindet sich ein Eiland "namens Sterneckøya." Außerdem gibt es auf "Jan Mayen (etwa 550km nordöstlich von Island und rund 500km östlich von Grönland) . . . einen Berg, der die Bezeichnung "Sternecktoppen" trägt." Dr. Karl Beck, Purkersdorf, nennt darüber hinaus den zum (heute russischen) Archipel Franz-Josef-Land gehörenden "Sternecksund".

Einen Blick auf den Mann abseits der militärischen Heldentaten warf Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Zwischen 1855 und 1863" legte Sterneck "ein Algenherbar auf wissenschaftlicher Basis an." Darin wurden getrocknete "Meeresalgen fein säuberlich aufgeklebt". Exemplare wurden auch getauscht. Die Kollektion ist heute ein "Schmuckstück im Landesmuseum in Klagenfurt".

Schwimmen und Bier

Eine knifflige Teilfrage der kleinen Nuss betraf die Restauration Jahudka, die in den Juli-Zeitreisen als Treffpunkt für Radfahrfreunde erwähnt wurde. Das Lokal lag in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben der Rennbahn, die sich in etwa auf dem Gelände der 1898ff "Sterneckplatz" genannten Fläche befand.

Die genaue Lage des Gebäudes ist nicht gesichert. U.a. kann es sein, dass sich der Standort über die Jahrzehnte verändert hat, zumal das Bestehen der Restauration in die Zeit der Donauregulierung fällt. Darüber hinaus umfasste das Gelände rundherum nicht nur eine Radrennbahn, sondern auch einen Eislaufplatz und war vermutlich größer als der heutige Max-Winter-Platz.

Auf der noch unregulierten Donau trieben einst u.a. Offiziere Wassersport, aber auch Zivilisten durften in der Militärschwimmschule baden.  
- © Bild: WienMuseum/Jakob Alt, 1815

Auf der noch unregulierten Donau trieben einst u.a. Offiziere Wassersport, aber auch Zivilisten durften in der Militärschwimmschule baden. 

- © Bild: WienMuseum/Jakob Alt, 1815

Einen Hinweis fand Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Jahudkas Gasthaus trug den Beinamen "Zur alten Schwimmschule" und wurde "von den durstigen Soldaten frequentiert, die entweder in der ebenfalls nahen Militärschießstätte geübt" oder "die Schwimmschule benützt hatten". Letztere wurde "durch die Donauregulierung 1874 trockengelegt".

Details zur Institution notiert Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Sie lag "am Ende der Schwimmschul- Allee (seit 1919 Lassallestraße, Anm.)" und wurde "1813 errichtet". Dazu befestigte man "floßartige Schiffe . . . mit hölzernen Aufbauten als Umkleidekabinen am Ufer . . . Geschwommen wurde in aus Metallgittern gefertigten Badekörben, durch die das Donauwasser floss."

Auf eine weitere Schwierigkeit in der Recherche zur Restauration Jahudka stieß Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf (Aperçus zur Schule am Sterneckplatz sind reserviert!): "Jahudka ist in der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt ein recht häufiger Familienname und kommt so wie Jahoda aus dem Tschechischen (Erdbeere)." In diversen Wiener Adressverzeichnissen fand der Zeitreisende einen Eintrag zu "Carl Jahudka" (auch Jahutka) mit "Schwimmschulstraße 82". Dort hielten nicht nur Radfahrende und Fußballer Clubabende ab. 1897 trafen sich hier die Tramwaybediensteten zu Beratungen über etwaige Kampfmaßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen.

Auch Brigitte Schlesinger, Wien 12, stieß bei ihren Recherchen auf diverse "Jahudkas". Bereits in einem Verzeichnis der Praterhütten aus 1853 scheint die Notiz "Nr. 82 Josef und Anna Jahudka" auf. Im "Handels- und Gewerbs-Schematismus von Wien" aus 1867 findet sich "eine nähere Bezeichnung" mit "Hütte 82, "zur Schwimmschule"". Grundbesitz der Familie in dieser Gegend konnte die Tüftlerin bis zum Beginn des 20. Jh.s belegen.

Zusammenstellung dieser Rubrik: Barbara Ottawa