Als kundiger "Kirchenführer der Servitenkirche" musste sich Gerfrid Newesely (willkommen in der Gemeine!) einfach zu Wort melden, nachdem er in den vorigen Zeitreisen den Artikel "Wiens Antwort auf den Petersdom" gelesen hatte. Darin stand, dass mit der 1733 geweihten Peterskirche Wiens erste Barockkuppel errichtet wurde.

Das "stimmt so nicht", hakt Spurensucher Newesely ein - "auch wenn es im "Dehio" (Dehio Wien, 2003, 1. Band, 1. Bezirk, Seite 134) steht." Denn "die erste überkuppelte Zentralbau-Kirche in Wien" ist nicht das Gotteshaus am heutigen Petersplatz, sondern die 1651ff errichtete Servitenkirche.

Aus dem Werk "Kirche und Kloster der Serviten in der Rossau . . ." (1970) von Historiker Prof. Dr. Karl Lechner zitiert der Geschichtsfreund außerdem: "Die Bedeutung der Servitenkirche liegt darin, daß sie der erste frühbarocke Zentralbau mit ovaler Kuppel in Wien ist. Was hier vorgebildet ist, erreicht . . . in der Peterskirche und der Karlskirche seinen Höhepunkt."

Wie Zeitreisender Newesely berichtet, sind "die Serviten . . . im Zusammenhang mit der Gegenreform (wie auch einige andere Orden während und nach dem 30-jährigen Krieg) in Wien ansässig geworden und es war nicht einfach für sie, einen geeigneten Platz für ein Kloster und eine Kirche zu finden. Die Stadt war voll, und außerhalb der Mauern wollte sich niemand . . . gerne ansiedeln".

"Schlussendlich", so Spurensucher Newesely weiter, wurde ihnen 1639 "ein Platz im "oberen Werd" (Vorstadt Rossau, nun Wien 9, Anm.) zugewiesen . . . Das war eine Insel in der damals noch völlig ungeregelten Donau, die jedes Jahr . . . überschwemmt wurde. Dort eine Kirche zu bauen war kein unbeträchtliches Wagnis. Aber noch viel schwieriger wurde es, weil die aus Italien kommenden Serviten auch italienische Baumeister, Architekten, Stukkateure, Maler usw., beschäftigt haben, die wiederum wussten, was im Zentrum der Kultur (und das war damals Italien) modern war. Bramante und Michelangelo in Rom, Brunelleschi in Florenz, Palladio usw. gaben die Richtung vor, die Kirche musste also ein Zentralbau mit Kuppel werden."

Doch wie sollte das "auf dem sandigen Untergrund einer Donauinsel" gelingen? "Carlo Martino Carlone (Baumeister der Servitenkirche, Anm.) stand 1651 vor einer schwierigen statischen Aufgabe." Gabriele Montani sollte es später "bei der Peterskirche auf erprobtem Wiener Stadtboden doch wesentlich leichter" haben. Außerdem verfügte er ja schon über "eine "Vorlage" in Wien".

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