Soviel der Mann wert ist, soviel wert ist die Krawatte. Und, um die Wahrheit zu sagen, die Krawatte, das ist der Mann; durch sie enthüllt er sich und gibt sich kund." Zu diesem Urteil kam Honoré de Balzac (1799-1850) in einem 1830 veröffentlichten Essay über ein Accessoire, das es auch Herren erlaubt, in Sachen Mode Farbe zu bekennen.

Die Wiener Seidenhändlerin Johanna Schenk hatte sich auf edles Tuch spezialisiert, das man sich um den Hals binden kann: Schal-Krawatten (bzw. in damaliger Schreibweise Shawl-Kravaten), Schleifen, Echarpes (franz. Schal oder Schärpe) etc. Die hier wiedergegebene Anzeige erschien am 27. Februar 1853 im "Intelligenzblatt", einer Reklamebeilage der "Wiener Zeitung". Die verwitwete Unternehmerin lebte und webte am Stock-im-Eisenplatz, im sogenannten Haus zur blauen Flasche (Konskriptionsnr. 624). Es stand etwa an der Stelle, wo sich heute gegenüber dem Stephansdom das Haas-Haus befindet.

Schenk verlegte ihre Wirkungsstätte in den 1860ern in den Tiefen Graben. Dort verstarb sie 1871 im Alter von 63 Jahren an Tuberkulose. (reis)