Eine Inschrift am Geburtshaus von Don Juan de Austria (auch Johann von Österreich, 1547-1578) in Regensburg verrät einiges über die zweifelhafte Liebesgeschichte seiner Eltern: "In disem hauß vonn alter art, / Hat offt geruet nach langer fahrdt, / Herr Keyser Carl der fünfft genandt, / In aller Welt gar wohl bekhannt, / Der hat auch hie zue gueter stundt, / Geküsset einer Jungkfraw mundt, / Dieselb die hiess bey fern und nah, / Man nur die scheene Barbara, / Ihr Stamm war pieder, schlicht und recht, / Plumberger schrieb sich das geschlecht, / Dem bracht deß Keysers Lieb vil leid, / doch trost und Heyl der Christennhait (...)".

Ebendiese "scheene Barbara" und ihr ältester Sohn beschäftigten den Tüftlerkreis anlässlich der Spezialfragen in der Rubrik KARTEN GELESEN der Nro. 425.

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, führt aus: "Don Juans Eltern waren Kaiser Karl V. (= König Karl I. von Spanien, 1500- 1558) und die ... Bürgertochter Barbara Blomberg (auch Plumberger, 1527- 1597, Anm.), die dem damals schon verwitweten Kaiser während des Reichstags von Regensburg (1546) "zugeführt" wurde." Der illegitime Nachkomme sollte geheim bleiben. Deshalb ließ Karl seinen Sohn im Alter von gerade einmal drei Jahren zu Pflegeeltern "nach Madrid bringen ... Erst in seinem Testament bekannte" sich der Kaiser zur Vaterschaft.

Rudernde Sklaven

So kam es 1561, dass Juan vom Sohn und Nachfolger Karls V., Philipp II. (1527- 1598), bei Hof anerkannt wurde. Das Verhältnis der Halbbrüder war gut. Der 20 Jahre ältere Philipp ließ Juan gemeinsam mit seinem eigenen Buben erziehen.

Bald entwickelte Juan eine Vorliebe für das Kriegshandwerk, wie Dr. Alfred Komaz, Wien 19, schildert: "Schon im Alter von 23 Jahren ernannte ihn Philipp zum Befehlshaber eines Geschwaders von Galeeren".

Nur ein Jahr später sollte Juan das Oberkommando über die Flotte der "Heiligen Liga" übernehmen. Ing. Wilhelm Scharfen, Wien 18, führt aus: "Auf Betreiben von Papst Pius V. wurde am 20. Mai 1571 die sogenannte Heilige Liga zwischen Spanien, Venedig und Genua geschlossen, der sich noch Savoyen, Florenz, Parma, Urbino und der Malteserritter-Orden anschlossen."

Bob Quigley (willkommen in der Gemeine!): "Die Mitglieder hatten das Ziel, die Kontrolle" über das "zentrale Mittelmeer" vom osmanischen "Sultan Selim ... zu übernehmen" und damit dessen Reich zu begrenzen. Denn 1570 war es seinem Heer gelungen, die Insel Zypern, die unter dem "Schutz" Venedigs stand, zu erobern. Daraufhin sollte die Liga gegründet werden.

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, zitiert aus dem jüngst erschienen Werk "Die Habsburger" (2021) des britischen Historikers Martyn Rady: Philipp II. trug "die Hauptlast bei der Finanzierung der Flotte" und stellte "ein Viertel der Schiffe ... Daher hatte er das Recht, den Oberkommandanten zu ernennen". Er wählte Juan.

Das Gemetzel ließ nicht lange auf sich warten. Wolfgang Riemer dazu: "Die Seeschlacht 1571 fand bei der Meerenge von Lepanto (nördlich der Peloponnes, Anm.) ... statt." Herbert Beer, Wolfpassing, weiter: Das Gefecht dauerte "fünfeinhalb Stunden", bevor die Liga, die etwa "8.000 Tote ... zählte", ihren Sieg erklärte. Bis zu "30.000 gegnerische Soldaten" waren gefallen. "Damit war der Nimbus" der unbesiegbaren Osmanen "gebrochen".

Deren Oberbefehlshaber, Ali Pascha, starb im Kampf, so Prof. Dr.-Ing. Klaus Schlabbach, Hamburg/D: "Seine Kundschafter" hatten die Stärke "der Liga unterschätzt". Ihr Triumph war aber "nicht nur dem jungen Kommandanten Don Juan d’Austria zu verdanken, sondern auch ... den vielen Zwangsarbeitern an den Rudern (türkische Sklaven und gewöhnliche Kriminelle)". Ihnen hatte man "die Freiheit versprochen, wenn die Flotte siegreich wäre."

Als einfacher Soldat nahm übrigens auch der 24-jährige Miguel de Cervantes an der Schlacht teil, so Gerhard Toifl, Wien 17: "Seine Erlebnisse sind in seinen Roman "Don Quijote" eingeflossen".

Die Söhne Ali Paschas

Die knifflige Teilfrage zu den beiden Sprösslingen Ali Paschas, die an der Seite ihres Vaters kämpften, beschäftigte Brigitte Schlesinger, Wien 12. Die Spezialtüftlerin fasst augenzwinkernd zusammen: "Nichts Genaues weiß man nicht", nachdem sie insgesamt vier unterschiedliche Versionen über deren Werdegang gefunden hatte: Erstens habe man beide Söhne festgenommen, "der ältere ... starb schon sehr bald in der Gefangenschaft, während der zweite auf Bitten seiner Mutter von Don Juan zurück nach Konstantinopel geschickt wurde." Eine andere Fassung meint, dass beide "gefangenen Söhne ... zum Christentum bekehrt" wurden. Die dritte historische Fährte - ebenfalls aus Europa - hebt hervor, Juan habe sich "der beiden Söhne angenommen und sich ... rührend um diese gekümmert". Und was sagt ein türkischer Historiker? Prof. Dr. Onur Yildirim hielt 2007 in einer Abhandlung fest, "dass beide Söhne nach der Schlacht getötet worden seien."

Hinter Klostermauern

Zurück zu Don Juan: 1576 betraute ihn Philipp II. mit der Statthalterschaft der Spanischen Niederlande. Dieses Gebiet stand damals unter habsburgischer Herrschaft und umfasste Teile der heutigen Niederlande, Belgiens und Luxemburgs.

Allerdings sollte vor Amtsantritt ein Problem aus der Welt geschafft werden, das Barbara Blomberg betraf. Bereits erwähnter Zeitreisender Dr. Beck notiert dazu: Nach der Geburt Don Juans war sie "mit einem Beamten ins Exil nach Brüssel verheiratet" worden. Zu diesem Zeitpunkt galt noch Geheimhaltung über die Identität des Vaters, daher sollte Don Juan keinen Kontakt zur Mutter haben.

DI Karin Endler, Wien 23, weiter: Etwa 20 Jahre später verstarb Barbaras Gatte und ließ sie "mit den drei gemeinsamen Kindern in unsicheren Verhältnissen zurück." Philipp II. hätte ihr Unterhalt bezahlt, aber nur unter der Bedingung, dass sie ins Kloster übersiedelte. Die Regensburgerin lehnte jedoch ein Leben hinter dicken Klostermauern entschieden ab.

Also stattete Don Juan ihr auf dem Weg in die Niederlande 1576 einen Besuch ab. Es war seit der Trennung das erste und letzte Mal, dass Mutter und Sohn einander trafen. Helmut Erschbaumer, Linz, merkt an: "Den Inhalt ihres Gespräches kennt man nicht." Allerdings erklärte sich Blomberg "danach bereit, nach Spanien zu reisen". Volkmar Mitterhuber, Baden, fügt an: "Sie ging in ein Dominikanerinnenkloster in Kastilien".

Wenig später starb Don Juan im Alter von nur 31 Jahren an Typhus. Sein Schicksal bedeutete für seine Mutter wiedergewonnene Freiheiten. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, dazu: "Nach dem frühen Tod ihres Sohnes ... gestattete ihr Philipp II., ihren Wohnsitz frei zu wählen". Sie zog nach "Ambrosero, einem Dorf in der ... heutigen Region Kantabrien. Dort bewirtschaftete sie zusammen mit ihren Kindern und einigen Bediensteten einen Bauernhof und führte ein unabhängiges Leben. In diesem Ort starb sie am 18. Dezember 1597."

P.S. Der Buchpreis geht an Helmut Erschbaumer. Wir gratulieren herzlich!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky