Wie aus dem Nichts tauchte die k.k. Flotte unter Admiral Tegetthoff aus dem Nebel auf, kurz bevor sie mit Volldampf auf Italiens Kriegsschiffe zusteuerte . . . Der Triumph Österreichs über den überlegenen Feind in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866 ist legendär.

Doch was brachte der Sieg (außer Dutzende Tote auf österreichischer und über 600 auf italienischer Seite)? Nicht viel, wie in Nro. 426 (S. VI) - aus Platzgründen in aller Kürze - erwähnt wurde: Schließlich musste das Habsburgerreich, nach der Niederlage gegen Preußen in Königgrätz, Venetien an Italien abtreten. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, bescheinigt dem Satz "faktische inhaltliche Gültigkeit, die Begleitumstände waren aber doch etwas komplexer".

Zu den Hintergründen holt der Tüftler aus: "In der angespannten Situation zwischen Wien, Berlin und Florenz (damals Hauptstadt des Königreichs Italien) im Frühjahr/Sommer 1866 suchte Österreich . . . Verbündete. In erster Linie bot sich Frankreich an", das sich aber nur "auf einen Neutralitätsvertrag (12. Juni 1866) mit Österreich" einließ. Dieses verpflichtete sich, gegebenenfalls "Venetien an den Kaiser der Franzosen (Napoleon III., Anm.) abzutreten. Nach dem Sieg der Österreicher . . . bei Custoza (24. Juni), der Niederlage bei Königgrätz (3. Juli) und der (vorläufigen) Ablehnung des österreichischen Friedensangebots an Preußen (4. Juli) trat . . . Franz Joseph Venetien an Napoleon III. ab, der es . . . an Italien übergeben sollte . . . Napoleon bat Italien, seinen am 20. Juni an Österreich erklärten Krieg zu beenden", dafür würde es Venetien von ihm erhalten.

Das "wies Florenz als unehrenhaft zurück. (So schlitterte es . . . in die Niederlage vor Lissa.) Im österreichisch-preußischen Friedensvertrag von Prag (23. Aug.)" legte man "die Abtretung Venetiens an Italien unter Einhaltung der skizzierten Prozedur" fest. "Im österreichisch-italienischen Friedensvertrag von Wien (3. Okt.) wird Venetien an Italien abgetreten. Letzteres erhält es nun aber aus der Hand Napoleons nach Abhaltung eines Plebiszits in Venetien selbst. Mit dieser gesichtswahrenden Vorgangsweise . . . vermeinte man in Wien, leichter über den schweren Verlust hinwegzukommen".

Depeschen

Reflexionen zum Sprachwandel fanden in Nro. 427 (S. V) Eingang, u.a. zum mittlerweile meist als beleidigend empfundenen Wort "Indianer". Dazu verweist Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, auf den "Indian Summer". Den Begriff kennt der Spurensucher seit der AHS, wo er den Roman "The Indian Summer of a Forsyte" von John Galsworthy (1867- 1933) las. Selbst bewundern konnte der Tüftler die Jahreszeit "Ende September, Anfang Oktober 2017 in Ost-Kanada". Als Zweck des Aufenthalts hatte Dr. Jungmayer bei der Einreise den "Indian Summer" erwähnt. Die Beamtin "gab zu verstehen, dass sie ein Mitglied der . . . First Nations sei und diese Bezeichnung nicht gern höre." Aber als der (Zeit-)Reisende "Altweibersommer" übersetzte, "lächelte sie" und "wünschte einen schönen Aufenthalt". - An Franziska Hertl, Wien 11 (Applaus!): Kaiserebersdorf-Aperçus sind reserviert!

P.S. Im ZEITREISENLOTTO gewann Dr. Robert Porod MMBA, Frauenhofen; Gratulation!