Der Waldviertler Markt Arbesbach im Bezirk Zwettl/NÖ in den letzten Jahren der Monarchie - das war der Schauplatz der Hauptgeschichte in der Dezember-Ausgabe des Geschichtsfeuilletons. Die Orchidee der Nro. 426 lud die Gemeine zu einer Zeitreise dorthin ein - und zwar auf Normal- und Schmalspurschienen sowie zu Fuß. Zunächst galt es, folgende Fragen zu klären: Wo lag 1913 die Arbesbach nächste Bahnstation und wie lange musste man dorthin gehen?

"Um 1913", schickt Mag. Robert Lamberger, Wien 4, voraus, "hatte . . . Arbesbach 1768 Einwohner" (Volkszählung 1910; Stand 2020, allerdings als Großgemeinde: 1617 Einwohner, zuzüglich 257 mit Zweitwohnsitz).

Als "nächste Bahnstation" nennt Stefan Huber, Arbesbach (willkommen im Tüftlerkreis!), "Groß Gerungs, Kopfbahnhof der Waldviertler Schmalspurbahn". Es liegt 11km bzw. "zwei Stunden Fußmarsch" von Arbesbach entfernt - bei flottem Tempo.

"Als eher langsamer Wanderer" würde Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, mehr Zeit für diese Strecke einrechnen - "ich habe sie 2019 zurückgelegt", so der Tüftler, der auch "mit großem Interesse" das Museum besuchte, das "in einem größeren ehemaligen Holzschuppen auf dem Gelände des Bahnhofs Groß Gerungs" eingerichtet wurde. Auf der Schmalspurbahn findet seit "2001 . . . nur mehr ein Nostalgiebetrieb" statt.

Was das jetzige öffentliche Verkehrsnetz angeht, verweist Maria Thiel, Breitenfurt, auf "die Waldviertler Busverbindungen".

Gen Norden dampfte die Waldviertler Schmalspurbahn von Gmünd nach Litschau bzw. Heidenreichstein, Richtung Süden nach Groß Gerungs.  
- © Karte (1905, Ausschnitt): Archiv/gemeinfrei

Gen Norden dampfte die Waldviertler Schmalspurbahn von Gmünd nach Litschau bzw. Heidenreichstein, Richtung Süden nach Groß Gerungs. 

- © Karte (1905, Ausschnitt): Archiv/gemeinfrei

Zum Reisen anno dazumal ergänzt Mag. Thomas Krug, Wien 1: "In Gmünd stieg man auf die Franz-Josefs-Bahn" um, die eine Verbindung nach Wien, Budweis oder Prag bot.

Wie Dr. Herbert Peherstorfer, Wien 3, anmerkt, handelt es sich bei der Umstiegsstelle heute um den "Bahnhof České Velenice, da der Gmünder Bahnhof nach 1918" an die Tschechoslowakei "abgetreten werden musste und erst dann durch einen neuen Bahnhof . . . ersetzt wurde".

Zur Lokalbahn informiert Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: In Gmünd zweigt "von der normalspurigen Franz-Josefs-Bahn (1435mm, Anm.) die in bosnischer Spurweite errichtete . . . Schmalspurbahn (760mm) nach Groß Gerungs (Südast), Litschau und Heidenreichstein (Nordast) ab."

Siegeszug der Reihe U

Die "Niederösterreichische Waldviertelbahn" wurde 1899 als Aktiengesellschaft gegründet, wie Herbert Beer, Wolfpassing, recherchierte. In diesem Jahr begann der "Bau der nördlichen Strecken nach Litschau und Heidenreichstein". Der "planmäßige Verkehr" wurde "am 4. Juli 1900" aufgenommen. Auf der längeren und teils steilen Südstrecke fuhr "am 9. August 1902 . . . der Eröffnungszug auf dem ersten Teilstück" bis Großpertholz. "Die Fortsetzung nach Groß Gerungs" folgte "im März 1903".

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, nennt "Loks der Reihe U", die als Triebfahrzeuge gewählt wurden. Auf der gebirgigeren Südstrecke wurde mit "der Reihe Uv" eine "leistungsstärkere Weiterentwicklung" eingesetzt. (Übrigens: "U" steht für Unzmarkt, den Ausgangspunkt der Murtalbahn, für die die Maschinenserie von der Linzer Fabrik Krauss & Co entworfen worden war. Danach kam sie auf vielen Schmalspurstrecken zum Einsatz.)

Leopold Weinwurm, Obritz/NÖ, weist darauf hin, dass "die Bahnlinie höchst wertvoll für die wirtschaftliche Entwicklung" der Region war.

Wie Helmut Erschbaumer, Linz, ergänzt, soll es Pläne gegeben haben, die "Schmalspurbahn nach Süden . . . zu verlängern". Routen "über Ottenschlag nach Krems und über Arbesbach und Königswiesen nach Grein" wurden in Erwägung gezogen. Doch dazu sollte es nicht kommen, zunächst "aus finanziellen Gründen". Schließlich verhinderte der "Ausbruch des Ersten Weltkrieges" den Ausbau.

Ochs & Marmeladebrot

"Ich glaube die Gegend recht gut zu kennen", so Dr. Alfred Komaz, Wien 19, "denn in meiner Volksschulzeit Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre habe ich mit Onkel und Tante mehrere Ferien dort bei einem befreundeten Bauern verbracht", in Watzmanns, "von Groß Gerungs etwa so weit wie Arbesbach entfernt", aber "auf der anderen, nördlichen Seite" der Bahn Gmünd-Groß Gerungs. Dabei sind auch wir damals mit der Franz-Josefs-Bahn . . . nach Gmünd gefahren und dort in die von einer Dampflok gezogene Schmalspurbahn . . . umgestiegen. In Steinbach hat uns dann der Bauer mit einem von einem Pferd gezogenen Leiterwagen abgeholt; Autos hat es damals fast noch keine gegeben . . . und der Bauer hat . . . seine Äcker mit Ochsengespannen gepflügt und geeggt." Besonders in Erinnerung geblieben sind dem Zeitreisenden kulinarische Genüsse, unter anderem "dick mit selbst gemachter Butter und Heidelbeermarmelade bestrichene Brote".

Sorgenfreie Fahrt

Damit zur Franz-Josefs-Bahn, die schon 1870 das Waldviertel mit der Donaumetropole und Europa verband. DI Dr. Luzian Paula, Wien 6: Sie "war in der Monarchie die Hauptstrecke von Wien nach Prag und Berlin und daher auch zweigleisig ausgebaut." Nun "fährt man zwischen Absdorf-Hippersdorf und Gmünd nur mehr auf einem Gleis. Leider, denn die . . . Erreichbarkeit des Waldviertels im öffentlichen Schienenverkehr wird dadurch stark eingeschränkt." Jetzt wird an der "Zulegung eines zweiten Gleises in einzelnen Abschnitten" samt "Anbindung von Horn gearbeitet".

Auf einen "legendären Schnelltriebwagen der Baureihe 175", der in der zweiten Hälfte des 20. Jh.s auch das Waldviertel durchquerte, verweist Dr. Robert Porod MMBA, Frauenhofen: Der "Vindobona" verkehrte auf der Franz-Josefs-Bahn. Dazu Univ.-Prof. Dr. Georg Schmid, Saint-Oradoux-près-Crocq/F: Die auf der Strecke Wien-Prag-Berlin fahrenden Dieseltriebzüge wurden "im Turnus von ÖBB ("Blauer Blitz"), DR (Deutsche Reichsbahn der DDR, Anm.) und ČSD (Tschechoslowakische Staatsbahnen, Anm.)" betrieben.Wie Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, ergänzt, "verkehrte der Expresszug" bis in die 1990er "über die Franz-Josefs-Bahn, dann wurde er auf die Nordbahn verlegt."

Aktuelles notiert Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Ab Dezember 2022" soll laut einem ORF-Bericht von April 2021 wieder eine Verbindung von Wien über Gmünd nach Prag geplant sein.

Mit dem "Sanssouci" - benannt nach dem Schloss Friedrichs II. in Potsdam, dessen Name "Ohne Sorge" bedeutet - erinnert Manfred Bermann, Wien 13, an einen weiteren berühmten Zug auf dieser Strecke. Er war "als Nachtverbindung" unterwegs.

Einem Fahrplan aus 1970 entnahmen Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, die Abfahrtszeit 16.26 h am Berliner Ostbahnhof, Ankunft 8.30 h am Wiener Franz-Josefs-Bahnhof.

Der D-Zug (Durchgangszug) "gehört in den Komplex "Meridian"", so Dr. Harald Jilke, Wien 2: Dies "war ein internationaler Reisezug", der zeitweise zwischen Schweden und Jugoslawien "über die DDR" verkehrte. "Ich bin selbst 1976 damit von Wien nach Dresden und wieder zurück" gereist und "habe die Fahrt - bis auf die Grenzkontrollen - in guter Erinnerung."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner