Der Waldviertler Ferdinand Braun (1875-1957) war Protagonist der Zeitreisen-Hauptgeschichte im Dezember 2021. Ab 1911 war er Gendarmeriepostenkommandant in Arbesbach. Durfte er seit 1907 wählen? So lautete eine Teilfrage der Zusatzorchidee der Nro. 426, die die Gemeine in rechtsgeschichtliche Gefilde führte.

Im genannten Jahr 1907 kam es zur "Beck’schen Wahlrechtsreform", merkt Harry Lang, Wien 12, an. Sie führte, so Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, zur Abschaffung des Kurien- und Zensuswahlrechts für das Abgeordnetenhaus des Reichsrats (für Landtags- und Gemeinderatswahlen galt das aber nicht!), das de facto nur einer kleinen Elite Mitbestimmung ermöglichte.

Bei der Reichsratswahl 1907, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, wurde erstmals nach dem "allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten" Wahlrecht abgestimmt. Das galt, wirft Leopold Weinwurm, Obritz/NÖ, ein, aber nur für "männliche Staatsbürger ab 24 Jahren". Die Altersgrenze für das passive Wahlrecht lag, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, gar bei 30 Jahren.

Helmut Erschbaumer, Linz: 1907ff mussten Wahlberechtigte "die österreichische Staatsbürgerschaft seit mindestens drei Jahren besitzen". Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.- Wagram, mit einem weiteren Erfordernis: Sesshaftigkeit in einer Gemeinde "seit mindestens einem Jahr".

Durfte Ferdinand Braun also wählen? "Vermutlich nein", meint Brigitte Schlesinger, Wien 12: Zwar war er "vom Alter her . . . berechtigt", aber "seine Zugehörigkeit zum Militär" stellte ein Hindernis dar.

Auf Paragraph 7 der Reichswahlordnung (RGBl. Nr. 17/1907) verweist Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22: Demnach waren Angehörige des Militärs, also auch Gendarmen, vom Wahlrecht ausgeschlossen.

Um den Grund zu erfahren, schlug Dr. Alfred Komaz, Wien 19, im Kelsen-Kommentar zur Reichswahlordnung nach - doch: "Er weist lediglich auf das aktive Wahlrecht der Militärbeamten hin", die "von der Personaleinkommensteuer nicht befreit seien", im Gegensatz zu anderen Militärpersonen. War es also "ein Überbleibsel der früheren Wahlordnungen", die eine "Steuermindestleistung . . . vorsahen"? Oder spielten eher "verwaltungstechnische Probleme" eine Rolle, die aus der "häufigen Verschiebung von Truppenteilen" bei Wahlen entstanden wären?

Dr. Harald Jilke, Wien 2, weist neben den Militärs auf eine weitere Gruppe hin, der man kein Stimmrecht zubilligte: Menschen, die auf Armenversorgung angewiesen waren.

Nicht zu vergessen die Frauen. Sie warteten bekanntlich, so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, bis 1918.