Wie "wunderbar, dass es einmal einen Bericht über Simmering bzw. Kaiserebersdorf" in den Zeitreisen gab, freute sich Franziska Hertl, Wien 11, nach Lektüre der Gemeine-Recherchen zu Lustschlössern im heutigen 11. Wiener Bezirk (vgl. Nro. 427). Die fest im Bezirk verwurzelte Geschichtsfreundin ("3. Generation in Simmering, eingewandert in Kaiserebersdorf") sprudelt nur so über von Wissen über den Stadtteil und das Schloss, das heute als Gefängnis dient.

Ein schwarzes Einhorn

Bereits um das Jahr 1000 soll sich an der Stelle des späteren Prunkbaus eine "kleine Burg" befunden haben, so Spurensucherin Hertl, die auch schildert, wie die Anlage zum Sitz der Herren von Ebersdorf wurde: Im 13. Jh. wählte Conrad von Hintperg (Himberg) Ebersdorf zu seinem Wohnsitz und "wurde der Begründer des Hauses der "Herren von Ebersdorf"", wie sie sich von da an nannten.

Das Bezirkswappen Simmerings zeigt u.a. das Ebersdorfer Einhorn.  
- © Grafik: WStLA

Das Bezirkswappen Simmerings zeigt u.a. das Ebersdorfer Einhorn. 

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Tüftlerin Hertl weiter: "Sie waren als Erbkämmerer und Ministeriale ein bedeutendes Geschlecht", sowohl in der Ära der Babenberger als auch der Habsburger. Peter von Ebersdorf verwaltete ab 1354 das oberste Spielgrafenamt, eine Art Innung für Spielleute. "Er war auch als prominenter Zeuge anwesend, als Herzog Rudolf IV. am 12. März 1365 . . . den Stiftungsbrief für die Wiener Universität siegelte."

Zum Ebersdorfer (später Kaiserebersdorfer) Wappen mit schwarzem Einhorn erläutert die Zeitreisende: Es "wurde von Otto von Maissau 1435 an Hans von Ebersdorf vererbt. 1543 wurden die Ebersdorfer vom späteren Kaiser Ferdinand I. zu Grafen von Thierstein erhoben. Sie bekamen die Erlaubnis, das Wappen derer von Thierstein" (deren Geschlecht im frühen 16. Jh. erloschen war), "die Hirschkuh in Verbindung mit dem Einhorn, . . . zu übernehmen." Das Einhorn ist auch heute noch Teil des Simmeringer Bezirks-Emblems.

Die letzten Ebersdorfer starben Mitte des 16. Jahrhunderts. Geschichtsfreundin Hertl erwähnt "Reinprecht IV. von Ebersdorf", der "1554 in Mailberg" (bei Hollabrunn/NÖ) verblich. Er war Ritter "des Malteserordens und oberster Feldherr" in den Türkenkriegen 1529 und 1532.

Wehrhafte Witwe

Turbulent ging es im 15. Jahrhundert zu, so die Fährtenleserin: Die "Söldner des Königs von Ungarn Matthias Corvinus" belagerten am 17. und 18. März 1485 Ebersdorf. "Die Witwe von Veit von Ebersdorf, Margaretha von Eckartsau, übergab das Schloss nach tapferer Gegenwehr." Veit II., Sohn von Margaretha und Veit I., "war unter Kaiser Friedrich III. Feldhauptmann und Verteidiger von Wien. Als Matthias Wien eroberte, schlug Veit sich auf dessen Seite. Deshalb fiel er bei Friedrich in Ungnade." Als Maximilian die Regentschaft übernahm, wurde Veit begnadigt, musste aber "auf die Herrschaft Ebersdorf" verzichten. "Das Herrengeschlecht der Ebersdorfer erhielt dafür die Güter Mauer und Ernstbrunn. Dadurch wurde 1499 Ebersdorf landesfürstlich."

Wie Zeitreisende Hertl ergänzt, "wollte Maximilian ein Jagdgebiet in der Nähe von Wien haben, und Ebersdorf eignete sich durch seine Auwälder besonders dafür."

Damit kommt die Spurensucherin in die Ära Leopolds I. "1668 brannte die Hofburg" und der Kaiser suchte mit seiner Gemahlin Margaretha Theresia "im Jagdschloss Ebersdorf Zuflucht. Derselbe ließ um 171.000 Gulden das Schloss von 1687 bis 1689 wieder instand setzen", nachdem es von osmanischen Truppen schwer beschädigt worden war. "Zwei Flügel kamen dazu", die "dem Schöpfer der Pestsäule auf dem Graben, Lodovico Burnacini, zugeschrieben" werden. "Im Herbst 1703 residierte Leopold I. mit seinem Hofstaat in Ebersdorf, um auf die Jagd zu gehen. Die Nachricht, dass sich jenseits der Donau ungarische Rebellen, die Kuruzzen, unter der Führung von Franz II. Rákóczi gesammelt hatten, veranlassten den Kaiser und sein Gefolge, in die Hofburg zu fliehen."

Als "die große Pestepidemie 1713 in Wien und den Vororten wütete", diente das Schloss als Rückzugsort. Damals "zog die verwitwete Kaiserin Amalie, Gattin von Joseph I., mit ihrem Hofstaat nach Ebersdorf".

Obdach für Arme

Unter Maria Theresia brach in Ebersdorf eine neue Ära an. "Da die Pfarrstelle unbesetzt war", bestimmte die Erzherzogin "Domscholaster Dr. Franz Anton Marxer als Administrator". Er war ab 1746 Pfarrer von Ebersdorf. Zur Karriere des Gottesmannes merkt Zeitreisende Hertl an: "1743 wurde er Leiter der Domschule, . . . Vorsteher der Armenkasse und Mitglied der k.k. Armenkommission, 1749 wurde er zum Weihbischof und Generalvikar von Wien ernannt, 1752 Dompropst und Kanzler" der Wiener Uni.

Er hatte auch "1742 ein Waisenhaus am Rennweg erbauen" lassen. Maria Theresia übertrug mit einem "Handbillett vom 3. September 1745 Schloss Ebersdorf der Armenstiftung. "Ich schenke dem Marxer für seine Armen mein Schloß und meine Herrschaft Ebersdorf und dawider soll Niemand Etwas zu sagen haben.""

Nachdem das Gebäude zwischenzeitlich unter anderem als Kaserne gedient hatte, wurde es ab den 1920ern als Anstalt für "Erziehungsbedürftige", als Jugendgefängnis bzw. heute als Justizanstalt genutzt.

Nicht zuletzt hat Tüftlerin Hertl eine Anmerkung zu dem in den Jänner-Zeitreisen abgebildeten Gemälde eines kaiserlichen Waldspaziergangs: Es "stammt von Lucas von Valckenborg" und "zeigt im Hintergrund Schloss Neugebäude . . . Der Kaiser kann nur Rudolf II. (nicht Maximilian II., wie im Bildtext angegeben, Anm.) gewesen sein, der zu diesem Zeitpunkt gelebt hat."

Und zum Schluss ein Literaturtipp für alle, die Näheres über Kaiserebersdorf wissen wollen: "Es gibt ein kleines Büchlein über 800 Jahre Pfarrkirche St. Peter und Paul." Interessenten können sich gerne per E-Mail an Spurensucherin Hertl wenden (Franziska.Hertl@outlook.com), die Broschüre (79 S.) kann gegen eine kleine Spende von ca. 10 bezogen werden.

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner