"Mit Herz und Hand fürs Alpenland" - so der Leitspruch des Österreichischen Touristen-Clubs (ÖTC, ab 1903 schrieb sich der "Klub" mit "K"), den Herbert Beer, Wolfpassing, zitiert.

Diesen Verein nahm die Gemeine anlässlich der Spezialfragen in der Rubrik KARTEN GELESEN (Nro. 423) genauer unter die Lupe. Der im September 2021 abgebildete Plan aus 1892 zeigt u.a. Einkehrmöglichkeiten in den Alpen.

Einen Einblick in die Bedeutung des Clubs liefert Volkmar Mitterhuber, Baden: Dessen Geschichte "ist geprägt von Pioniergeist". Mit Übernahme des Baumgartner-Hauses 1872 richtete er das älteste Schutzhaus auf dem Schneeberg ein. Es folgte die erste Schutzhütte auf der Rax (1876). 1896 war er an der Gründung der weltweit ersten organisierten Bergrettung beteiligt. 

Kraxler mit Vision

Die Idee zur Schaffung eines alpinen Vereins wurde 1868 "bei einer Bergtour in der Steiermark" geboren, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: Gustav Jäger (1815-1875) gründete "nach dem Vorbild des 1857 in London gebildeten Alpine Club" gemeinsam mit weiteren Gipfelstürmern 1869 "den Österreichischen Touristen-Club." (Das Wort Tour wurde damals im Sinne von Bergwandern verwendet). Als Vereinszweck dienten die Vorsätze, "die Schönheit der Alpen einer breiten Gesellschaft zugänglich zu machen und die Bergsportarten zu fördern. Bisher hatte nur die bürgerliche vermögende Oberschicht Zeit und Geld, ... die Alpen zu besteigen."

Der "Vater des ÖTC", Gustav Jäger.  
- © Bild: Neue Zeitung, 1919/gemeinfrei

Der "Vater des ÖTC", Gustav Jäger. 

- © Bild: Neue Zeitung, 1919/gemeinfrei

Eingangs erwähnter Zeitreisender Beer fügt zum "Vater des ÖTC" an: Der "Sohn eines Hammerschmiedebesitzers" aus der Steiermark war "Unternehmer, Schriftsteller und Alpinist". Er studierte "am k.k. Polytechnischen Institut (heute TU-Wien) ... Mineralogie."

Die Idee des ambitionierten Abenteurers, der in der Presse auch "Touristenapostel" genannt wurde, stieß allerdings auch auf Spott - man witzelte über den "Verein der Bergkraxler".

Zum Glück stand Unterstützung bereit. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, dazu: Der Club "erfreute sich ab 1877 höchstrangiger Protektoren: Bis 1918 waren dies stets Angehörige des habsburgischen Erzhauses, einer davon der spätere Kaiser Karl I." Nach dem Zerfall der Monarchie schloss sich der ÖTK 1931 dem Alpenverein an.

Der sogenannte "Arierparagraph" hatte für einen merkbaren Rückgang der Vereinsangehörigen gesorgt. Derartige Bestimmungen verboten in diversen Institutionen die Mitgliedschaft von "Nichtariern", sprich: Juden und Jüdinnen, Sinti, Roma und einigen weiteren Gruppen. Im NS-Regime gipfelte dies 1935 in den "Nürnberger Rassengesetzen".

Tüftler Dr. Litschauer weiter: 1945 kam es zur Neukonstituierung. Heute zählt man dutzende ÖTK-Hütten und etliche ÖTK-Aussichtswarten.

Hosen als Hindernis

Zurück ins 19. Jahrhundert. Auf den touristischen Wanderrouten waren jedoch nicht alle willkommen. Frauen beäugten viele kritisch, wie Brigitte Schlesinger, Wien 12, festhält: "Ärzte fürchteten, Bergsteigen würde dem weiblichen Körper schaden und die Frauen zu sehr "vermännlichen" ... Bergsteigerinnen wurden als "Mannsweiber" beschimpft und ihre alpinen Erfolge ignoriert". Doch die "größte Befürchtung bestand darin, dass das Wandern die Frauen von ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau abbringen würde."

Ein praktisches Hindernis, so Tüftlerin Schlesinger weiter, war die "Frauenmode des 19. Jh.s ... Feine Schuhe, das Korsett, lange Röcke und Krinolinen (= durch Gestelle abstehende Kleider, Anm.) eigneten sich nicht fürs Bergsteigen. Hosen galten als unschicklich und waren für Frauen teilweise verboten."

Kampflustiger Präsident

Julius Meurer war 1891 bis 1896 Präsident des ÖTC.  
- © Bild (1886): Archiv/gemeinfrei

Julius Meurer war 1891 bis 1896 Präsident des ÖTC. 

- © Bild (1886): Archiv/gemeinfrei

Für die Frau am Berg trat ein Unterstützer hohen Ranges im ÖTC, Julius Meurer (1838-1923), ein. Zu diesem erklärt Gerhard Toifl, Wien 17: "Nachdem er 1876 Mitglied des Österreichischen Touristen-Clubs geworden war, gründete er 1878 mit anderen streng eingestellten Bergsteigern den "Alpenklub Österreich"", später "Österreichischer Alpenklub". Die Mitglieder glühten für die hohen Berge und hatten wenig Interesse an für Laien zugänglichen Wanderrouten. Meurers Idee, sich wie der ÖTC um den Bau von Schutzhütten zu bemühen, stieß daher auf Widerstand. Man sah die "strenge alpine Ausrichtung ... gefährdet".

Damit landete Meurer 1887 wieder beim ÖTC. Dr. Harald Jilke, Wien 2: Er verantwortete als Schriftleiter die "Österreichische Touristen-Zeitung" und fungierte ab 1892 als Präsident des Clubs. Meurer war "als Kenner der Ortleralpen (im heutigen Südtirol und in der Schweiz, Anm.) bekannt. ... In seinen theoretischen Werken vertrat er die Ansicht, Bergsteiger müssten sich mehr durch Ausdauer und Zähigkeit als durch Kraft auszeichnen und verteidigte mit dieser Begründung auch das ... Frauenbergsteigen". Schließlich zog er sich 1896 "aus dem Vereinsleben zurück".

Touren in der Monarchie

Dem ÖTC sollten noch in Zeiten der Monarchie ähnliche Clubs folgen. Auf einen Vorreiter unter den Verbänden verweist Dr. Karl Beck, Purkersdorf ("staatlich geprüfter Lehrwart für Wandern", der diese Leidenschaft jedoch "infolge einer Oberschenkelamputation" aufgeben musste): "Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 gegründet". Dieser Bergsteigerverband ist "der zweitälteste der Welt".

Nussknacker Dr. Beck erwähnt überdies die 1895 in Wien als Touristenverein initiierten "Naturfreunde" sowie den "Gebirgsverein, der aber eine Sektion des Alpenvereins ist."

Auf die "ausführliche zweibändige Publikation "150 Jahre Österreichischer Touristenklub 1869-2019" von Walter Wenzel und Ludwig Fischhuber" machte Dr. Helmut Zemann, Kaiserdorf, aufmerksam (vgl. Nro. 424). Diese vom Archiv des ÖTK herausgegebene Jubiläumsschrift erschien 2020 in winziger Auflage.

P.S. Ein Buchpreis geht an das Zeitreisenpaar Gerstendorfer; Gratulation!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky