Mit "großer Überraschung und Freude" las Dr. Walter Geppert, Wien 4, in den vorigen Zeitreisen den Artikel über die Schule zwischen Wolfgang-Schmälzl-Gasse und Max-Winter-Platz im Leopoldstädter Stuwerviertel, entdeckte er darin doch einstige Mitschüler sowie Lehrkräfte. Auf einem in Nro. 428 abgebildeten Foto, das Lehrerin Hilde Hauck mit Schützlingen zeigte, erkannte Dr. Geppert sich gar selbst als Jüngling.

Der spätere Sozialminister Dr. Walter Geppert (r.) begrüßte 1951 den Dichter F. K. Ginzkey (l.).  
- © Foto: privat/ Dr. Walter Geppert

Der spätere Sozialminister Dr. Walter Geppert (r.) begrüßte 1951 den Dichter F. K. Ginzkey (l.). 

- © Foto: privat/ Dr. Walter Geppert

In dem im Vormonat publizierten Beitrag fanden sich einige Reminiszenzen von Mag. Johann Eckel, Wien 22, an jene Nachkriegsjahre, in denen er dort in die Hauptschule ging. Auch der Besuch eines Dichters wurde erwähnt. Dazu erinnert sich Dr. Geppert: "Als Schüler durfte ich damals für die Schulklasse Franz Karl Ginzkey begrüßen". Von dieser Zeremonie legte Dr. Geppert auch ein Erinnerungsbild bei (siehe rechts). Dass der Literat einem späteren Minister die Hand schüttelte, wusste freilich noch niemand. Der damalige Hauptschüler Walter Geppert hat "über den zweiten Bildungsweg als Jurist (1979) promoviert und war auch Mitarbeiter der Arbeiterkammer Wien sowie zuletzt Generaldirektor des heute nicht mehr bestehenden Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger". 1989 wurde er unter Bundeskanzler Franz Vranitzky Sozialminister.

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Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, schwärmte ebenfalls von den Februar-Zeitreisen - "ein Vergnügen", nicht nur die Schulgeschichte, sondern auch das Thema Kuenringer (Nro. 428): Dass das Ministerialengeschlecht, das für Niederösterreichs Werden eine große Rolle spielte, einst "keine gute Presse" bekam, weil ihm die Zisterzienser von Zwettl kein gutes Zeugnis ausstellten, wurde schon im Vormonat erwähnt. Aber auch der "Minnesänger Ulrich von Liechtenstein" verbreitete Übles, ergänzt der Spurensucher. Einem Artikel von Historiker Dr. Peter Zawrel entnahm er Skandalöses: Im Werk "Frauendienst" berichtet Ulrich von Liechtenstein, "wie er sich weigerte, mit Hadmar von Kuenring zu kämpfen", wahrscheinlich weil es diesem bei einem Turnier "gelungen war, Ulrich zu verletzen." Es entsteht "das Gerücht, Ulrich habe abgelehnt, weil Hadmar homosexuell sei" - ein einst "unerhörter Vorwurf", den Hadmar seinem Kontrahenten bei einem Turnier mit einer List (einem "unhöfsch dinc", wie Ulrich es formulierte) heimzahlen will. Damit wirft der Minnesänger dem Kuenringer öffentlich Unritterlichkeit vor, was, so Dr. Zemann, für die damalige Zeit "starker Tobak" ist.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner