Als Louis René Edouard Prinz von Rohan am 15. August 1785 in Versailles verhaftet wurde, richtete ganz Europa die Augen auf Paris. Dort kam in weiterer Folge ein Betrugsskandal ans Licht, der die Gazetten lange beschäftigen sollte. Auch die "Wiener Zeitung" berichtete über Monate von der verwickelten Causa um das Verschwinden eines millionenschweren Colliers, wobei Rohan als Hauptverdächtiger galt. Der Kardinal von Straßburg und Großalmosenier, also höchster Kleriker im Staat, war hierzulande kein Unbekannter. 1772-74 hatte er als Gesandter in Wien amtiert, sehr zum Unmut Maria Theresias, die den Luftikus verabscheute.

Nun verscherzte er es sich mit deren Tochter Marie Antoinette, inzwischen Königin von Frankreich. Sie kam in der "Halsbandaffäre" unschuldig zum Handkuss. Der ohnehin schlechte Ruf der prunksüchtigen "Autrichienne" wurde endgültig ruiniert. Manche meinen, dies sei ihr erster Schritt zum Schafott gewesen. Aber der Reihe nach.

Das protzige Schmuckstück wurde niemals getragen. 
- © Bild: Archiv/gemeinfrei (Schmuckfarbe: Philipp Aufner/WZ)

Das protzige Schmuckstück wurde niemals getragen.

- © Bild: Archiv/gemeinfrei (Schmuckfarbe: Philipp Aufner/WZ)

Nach einem "WZ"-Bericht vom 14. Sept. 1785 hatte Hofjuwelier Böhmer (...) vor einiger Zeit der Königinn ein diamantenes Halsband angeboten, doch Marie Antoinette winkte ab. Wegen des hohen Preises von 1600,000 Livres. Bald kam eine gewisse Dame de la Motte zu ihm, und sagte, die Königinn habe sich anders besonnen. Der Handel wurde auf Treue und Glauben eines angeblich von der Habsburgerin unterzeichneten Briefes abgemacht. Außerdem trat einer der angesehensten Herrn vom Hofe als Käufer auf: Kardinal Rohan. Gegen eine Anzahlung gab man ihm das unerhört teure Geschmeide mit. Als die nächste Rate ausblieb, fragte der Juwelier in Versailles nach. Dort wusste man von nichts, der Schmuck ward nie gesehen. So kam der Stein ins Rollen.

Cagliostro lautete der schillerndste Name, der in Zusammenhang mit der Affäre fiel. Wie Rohan und Madame de la Motte, die sich als Vertraute der Königin ausgab, wurde auch der Abenteurer und (Wunder-) Heiler Alessandro von Cagliostro in die Bastille gesperrt und verhört, da er in Kontakt mit den beiden stand.

Im Frühjahr 1786 druckte unser Blatt in mehreren Folgen ein Memoire, mit dem er der Öffentlichkeit seine Unschuld darlegen wollte. Kein leichtes Unterfangen. Der Sagenumwobene, der auch Séancen veranstaltete, galt laut eigener Aussage ("WZ", 1. April 1786) vielen als suspekt, wenn nicht als Antichrist. Seine Ungewissheit um das Schicksal seiner ebenfalls im Staatsgefängnis schmachtenden Frau Lorenza Felic(h)iani dürfte manches Herz gerührt haben.

Ihre angeblich schwer angeschlagene Gesundheit bereitete Cagliostro die größte Sorge, wie am 18. März in der Auslandsrubrik nachzulesen war - dichte Mauern, klagte er, und vielfache Riegeln trennen sie von mir; sie seufzet, und ich kann sie nicht hören! - Ich frage meine Wächter; sie schweigen. Ach! vielleicht ist sie nicht mehr!

Etliche Ausgaben später, am 15. April, konnten Leserinnen und Leser aufatmen: Da die Gräfinn Cagliostro in die Halsbandsgeschichte keineswegs verwickelt befunden worden ist, so hat man sie (...) aus der Bastille entlassen. (...) Ihr Gemahl muß aber (...) allda verbleiben, und wird noch verschiedentlich konfrontirt, und verhört.

Nach weiteren Untersuchungen wurde ein Urteil gefällt, das die "WZ" am 21. Juni 1786 mitteilte: Das Gericht spricht Cagliostro wie auch den Kardinal von Rohan von der Beschuldigung frey. Letzterem glaubte man, dass er von der Gräfin de la Motte benutzt wurde und den gefälschten Brief für echt hielt. Das Collier hatte die Betrügerin mit ihrem Mann zerteilt und Stück für Stück verkauft.

Sie wurde dazu verurteilt, mit dem Stricke am Halse, gepeitscht, auf den beyden Schultern gebrandmarkt und in das auch als Kerker dienende Hospital de la Salpetriere eingesperrt zu werden.

Die Bastille, in der die Verdächtigen der Betrugscausa einsaßen, fiel nicht lange danach in der Revolution. 
- © Bild (gemeinfrei): Druck aus 1839

Die Bastille, in der die Verdächtigen der Betrugscausa einsaßen, fiel nicht lange danach in der Revolution.

- © Bild (gemeinfrei): Druck aus 1839

Eine schaurige Schilderung der am 21. Juni vollzogenen Strafe markierte am 12. Juli den Schluss der "WZ"-Berichterstattung in der Affäre. Der Zorn gab der Delinquentin so viele Kräfte, daß man die größte Mühe hatte, sie (...) zu brandmarken. Daher traf das letzte Zeichen des glühenden Eisens den Rücken anstatt der Schulter. Dann wurde sie in ein finsteres Loch geworfen. Lebenslang.

Damit hatte die Causa gänzlich geendiget - fast. Im Juni 1787 meldete unser Blatt, die Inhaftierte habe sich durch eine Mauer eine Oefnung gescharrt und sei glücklich entkommen.

Wie die Sache für Marie Antoinette ausging, ist bekannt. Der Volkszorn, durch die Halsbandaffäre weiter angeheizt, sollte nur Jahre später in der Revolution hochkochen - und der Habsburgerin den Kopf kosten.

Kopfnuss: Wer verarbeitete 1791 den Skandal im Stück "Der Groß-Cophta"?  (Geknackte Kopfnuss auf der nächsten Seite)