Eine Karte aus den 1850er-Jahren zur europäischen Pflanzenwelt, die in Nro. 426 in der Rubrik KARTEN GELESEN zu betrachten war, bot Anlass für Spezialfragen zu zwei Berufsgruppen. Sie betrieben ihr Handwerk teils schon seit dem Mittelalter in den Wäldern. Die Gemeine spürte den Produktionsstätten für das sogenannte Waldglas und für Holzkohle nach.

Zu den Glashütten, die meist auf Lichtungen gebaut wurden und in denen das grünliche Waldglas hergestellt wurde, kommt Herbert Beer, Wolfpassing: Zur Produktion brauchte man "aus Pflanzenasche ... gewonnenes Kaliumcarbonat (Pottasche)". Zuerst musste ein Gemenge aus "zwei Gewichtsteilen Asche" und "einem Teil Quarzsand ... bei ca. 750 Grad Celsius ... einen Tag und eine Nacht" lang erhitzt werden. Das im Sand enthaltene Eisenoxid bewirkt die typische Grünfärbung. Die Masse kam dann bei etwa 1200 Grad "in den Schmelzofen, in dem nun das Glas entstand." Schließlich goss man die glühende Mixtur in Tiegel, die "Häfen", und ließ sie so lange köcheln, bis sie "klargeschmolzen war", also keine einzelnen Teilchen mehr zu sehen waren. Nun konnte das Glas bearbeitet werden.

Etwa zehn Familien werkten "rund um die Uhr" im Schichtbetrieb, wie Helmut Erschbaumer, Linz, festhält: "Der Schmelzer ... kannte die geheimen Glasrezepte und die dazu benötigten Rohstoffe. Der Strecker war Fachmann für die Herstellung von Flachglas (Fensterglas), der Hafenmacher baute Öfen, der Schürer war für deren Beheizung zuständig. Der Pottaschesieder brannte Holz zu Asche, der Glasmüller verkleinerte das Quarzgestein. Die Holzfäller schlugen Holz ... und brachten es zum Ofen."

Dr. Alfred Komaz, Wien 19, fügt an: Aufgrund des enormen Brennstoffverbrauchs der Öfen mussten die Arbeiter von Zeit zu Zeit in neue Gebiete ziehen. Auf den "verlassenen Produktionsstätten konnten Getreide- und Viehbauern angesiedelt werden, die auf den abgeholzten Flächen Nahrung produzierten." Die Grundherrschaften profitierten davon: "Die Glashütten zahlten von ihrer Produktion Steuern und machten zugleich das Land für eine weitere Besiedlung bereit. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so im Waldviertel ... vom Weinsberger Wald über Schönau (bereits 1371, Anm.), Karlstift, Neunagelberg (Glasfabrik ab 1811, Anm.) bis Litschau und Heidenreichstein 120 Glashütten."

Von feurigen Meilern

Ein "Parallelgewerbe", das ebenfalls in den Forstgebieten angesiedelt war, erwähnt Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Seit dem Mittelalter wurde Holz in Kohlenmeilern zu Holzkohle verarbeitet, die nicht nur in der Glaserzeugung, sondern auch im Eisenhüttenwesen und in der Verarbeitung von Edelmetallen benötigt wurde."

Dr. Harald Jilke, Wien 2, führt aus: Bei dieser Handwerkstechnik der Köhler wird "Holz unter Luftabschluss erhitzt", über "eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt" und dabei in "möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt".

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, weiter: Der Beruf des Köhlers ist "durch das gesamte Mittelalter bis ins 19. Jh. als professionalisiertes Gewerbe in den Montangebieten (d.h. Bergbauregionen, Anm.) und in Nähe von industriellen Anlagen oder als bäuerliches Nebengewerbe anzutreffen." Bis heute besteht übrigens in "Rohr im Gebirge (Niederösterreich, Anm.) ... ein regionales Zentrum der Köhlerei", in dem noch immer Grillkohle hergestellt wird.

Einfache Wohnhütte einer Köhlerfamilie. Im Hintergrund raucht der Meiler (rot eingefärbt).  
- © Bild: Lesebuch für Volksschulen..., 1877 (Schmuckfarbe: Moritz Szalapek/WZ)

Einfache Wohnhütte einer Köhlerfamilie. Im Hintergrund raucht der Meiler (rot eingefärbt). 

- © Bild: Lesebuch für Volksschulen..., 1877 (Schmuckfarbe: Moritz Szalapek/WZ)

Diese Gemeinde westlich von Wiener Neustadt kennt bereits erwähnter Geschichtsfreund Dr. Jilke bestens, denn er stattete dem Ort bereits "1965 ... das erste Mal" einen Besuch ab und verbrachte dort "seither viele, viele Tage und Wochen".

Brigitte Schlesinger, Wien 12, schlug in einer Publikation des Österreichischen Forstvereins zu bekannten Köhlerei-Regionen nach: Große Betriebe "entstanden an den Flussufern", zu denen das Holz hingetrieben wurde. Beispielhaft etwa "in Hieflau und Großreifling an der Enns oder in Palfau an der Salza ... Im späten Mittelalter und in der Neuzeit wurde Köhlerei auch in der Eisenerzer Ramsau nahe des Steirischen Erzberges intensiv betrieben ... Ebenso wurden seit dem 16. Jahrhundert die ausgedehnten Wälder des Kobernaußerwaldes im oberösterreichischen Innviertel zur Holzkohlenproduktion für die eisenverarbeitende Industrie der Region genutzt". Im "Bergbau- und Eisenland Kärnten" fand man "die überaus reichen Waldbestände in den nur wenig besiedelten Karawanken" vor. In manchen Regionen waren durch die intensive Abholzung bereits im ausgehenden Mittelalter "die Wälder so stark gelichtet", dass die benötigte Kohle "aus weit entfernten Orten angeliefert werden musste."

Unehrbares Schuften

Obwohl die Holzverkohlung für viele Industriezweige wesentlich war, erhielten die Arbeiter kaum Anerkennung. Gerhard Toifl, Wien 17, fand eine Beschreibung des als schmutzig und unehrbar geltenden Berufs aus 1807: "Ein traurigeres Leben als das eines Köhlers kann man sich wohl nicht denken. Meilenweit oft entfernt, selbst von dem ärmlichen Dörfchen" lebt er "in den grausevollsten Bergschluchten, in den tiefsten Waldwüsten, ein Hüttchen von Brettern ist seine Wohnung".

Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, dazu: "Das Köhlerleben war ein einsames Leben. Sie bauten einfache Holzhütten, in denen wohnten sie mit ihrer Familie." Frauen und Kinder halfen beim "Aufbau und Inganghalten des Meilers mit". Der Köhler selbst "litt stets unter Schlafmangel, da er auch nachts den Meiler auf richtiger Temperatur halten musste. Brandnarben gehörten auch zum täglichen Leben ... War das Holz in der Umgebung aufgebraucht, zogen sie weiter und fingen mit dem Bau einer einfachen Holzhütte wieder von vorne an."

P.S. Der Buchpreis geht an Dr. Alfred Komaz. Herzlichen Glückwunsch!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky