Geduld bringt Rosen? Mag sein, aber Geduld war es sicher nicht, die den Frauen das Wahlrecht brachte. In der vorigen Ausgabe des Geschichtsfeuilletons fand sich in einer Zusammenstellung der - von der Zeitreisenredaktion in der Hektik unglücklich verkürzte - Satz: "Sie (die Frauen, Anm.) warteten . . . bis 1918."

Franz Bayer, Schuster, der ohne Schuhe durch Europa wanderte.  
- © Bild: Johann Grabner (danke!)

Franz Bayer, Schuster, der ohne Schuhe durch Europa wanderte. 

- © Bild: Johann Grabner (danke!)

Einspruch von Sylvia Trimmel (Kompliment!): "Nein, sie haben nicht darauf gewartet! Sie haben in ganz Europa dafür gekämpft. Ein wesentlicher Unterschied zum Warten", schließlich wurden die Proteste "teilweise blutig" niedergeknüppelt. Die Demonstrantinnen hatten "mitunter mit Gefängnisstrafen" zu rechnen. Es war "ein internationaler beinharter Kampf", der "großteils auf der Straße" ausgefochten wurde.

Zeitreisende Trimmel plädiert dafür, bei der Beschreibung solcher historischer Tatsachen sensibel mit der Sprache umzugehen - sonst könne es passieren, dass man Frauen zu Unrecht "in die passiv abwartende Position" dränge und damit ein falsches Geschichtsbild vermittle.

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"Holz zu verschenken", lautete ein Aushang an der Universität Wien, als Johann Grabner, Linz, "Anfang der 1980er-Jahre" dort ein und aus ging. "Während meiner Lehrertätigkeit habe ich . . . erstmals ein Sabbatical genommen, um mir . . . neue Impulse zu holen (Politologie, Ethnologie) . . . Da ich mein Zimmer mit Holz beheizte, meldete ich mich bei der angegebenen Telefonnummer . . . Holz befand sich keines in jenen zwei Kellerräumen, die mir der betreffende Herr zeigte, dafür jede Menge altes Zeugs", das auf diese Art "einfach nur billig entrümpelt" werden sollte. "In einer der Kisten befand sich ein . . . Album mit Correspondenz-Karten, chronologisch geordnet von 1899 bis 1904, adressiert an eine Frau, die einmal Hinderhüttner, dann Hinterleitner, Hünderleithner usw. geschrieben wurde . . . Das Album habe ich später einem Altwarenhändler verkauft, die interessanteren Karten habe ich mir behalten".

Etwa eine, die einen Herrn ohne Schuhe zeigt. Ein Schild informiert, dass es sich um Franz Bayer handelte, Schuhmachermeister und "Barfussgeher", der von Abbazia nach Paris (und retour) marschierte, "2000klm in 42 Tägen".

Nähere Informationen fehlen auf der Karte. Zeitungsberichte aus dem Jahr 1900 geben jedoch einige Auskünfte: Der "Schuster-Franzl", wie er auch genannt wurde, stamme aus Neutitschein in Mähren (heute Nový Jičín in Tschechien), übte seinen Beruf aber in Abbazia (nun kroat. Opatija) aus. Er wollte "durch diese That einen vom bekannten Wiener Sportsmann und Millionär Victor Silberer ausgesetzten Preis erringen", so die "Innsbrucker Nachrichten". Ob ihm dies gelang?

Das eigentliche Rätsel bleibt für Spurensucher Grabner aber, warum "ein Schuhmachermeister für das Barfußgehen wirbt" und damit Reklame "gegen seine eigenen Produkte" macht.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner