Die Halsbandaffäre, die Frankreich Mitte der 1780er-Jahre erschütterte, war Hauptthema der April-Zeitreisen. Zur Erinnerung: 1785 ergaunerte sich eine Betrügerin ein sündhaft teures Collier und kompromittierte damit Marie Antoinette.

Schrieb Bestseller im Barock: Madeleine de Scudéry (1607-1701), Vorlage für E. T. A. Hoffmanns "Fräulein von Scuderi".  
- © Bild (gemeinfrei): ca. 1650

Schrieb Bestseller im Barock: Madeleine de Scudéry (1607-1701), Vorlage für E. T. A. Hoffmanns "Fräulein von Scuderi". 

- © Bild (gemeinfrei): ca. 1650

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, ließ die Sache "nicht ruhen". Eine Geschichte, die er "im Deutschunterricht am humanistischen Gymnasium" gelesen hatte, schien ihm viele Parallelen aufzuweisen: E. T. A. Hoffmanns "Das Fräulein von Scuderi".

Die 1819 erstmals publizierte Novelle zählt heute zu den Klassikern der Kriminalliteratur. Sie handelt von einer Mordserie in Paris, bei der ebenfalls Juwelen eine verhängnisvolle Rolle spielen. Auch der wie besessen arbeitende Goldschmied, der die prächtigsten Steine sammelt, um ein nie dagewesenes Schmuckstück zu kreieren, lässt an die Halsbandaffäre denken. Freilich, Hoffmanns Erzählung ist in einer anderen Epoche, nämlich dem späten 17. Jh., angesiedelt. Aber viele Motive erinnern an den Skandal - "Zufall?", rätselt Dr. Beck. Der Stoff der Halsbandgeschichte war einst jedenfalls weithin bekannt; etliche im Zuge des Prozesses veröffentlichte Schriften wurden damals in halb Europa verschlungen, ganz nach Art eines Krimis.

Zurück zu Hoffmanns Werk, das gut drei Jahrzehnte nach der Affäre entstand: Hauptprotagonistin ist das titelgebende Fräulein von Scuderi, eine angesehene Autorin in ihren 70ern, die sich daranmacht, den Fall zu lösen. Historisches Vorbild ist die Schriftstellerin Madeleine de Scudéry (1607-1701). Sie veröffentlichte vielgelesene Romane, zuerst unter dem Namen ihres ebenfalls literarisch tätigen Bruders Georges (1601-1667), aus dessen Schatten sie dann heraustrat. Die beliebtesten ihrer teils sehr umfangreichen Werke (sie umfassen bis zu zehn Bände) sind "Artamène ou le Grand Cyrus" und "Clélie". Das Erfolgsrezept der Autorin: Bekannte Personen traten in historischen Masken auf.

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Literarisches rund um die Halsbandaffäre beschäftigte auch Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Die "Kopfnuss" auf Seite I des Vormonats "war für mich als Goethe-Verehrerin besonders aufschlussreich. Ich kannte sein Lustspiel "Der Groß-Cophta" bisher nicht und habe mich sofort darüber informiert." Schon bei Zeitgenossen fand das 1791 uraufgeführte Stück über den in den Skandal verwickelten Hochstapler Cagliostro wenig Anklang. Heute fast vergessen, kommt es nur selten auf die Bühne. (NB. Recherchen zu Cagliostro werden im Juni Thema in den Zeitreisen sein.)

Zu dem im April abgedruckten Artikel über Osterbräuche, den Ludwig Karell 1898 für unser Blatt verfasst hatte, trägt Prof. Dr. Rath Heiteres von Eduard Mörike (1804-1875) nach: "Die Sophisten und die Pfaffen / Stritten sich mit viel Geschrei: / Was hat Gott zuerst erschaffen, / Wohl die Henne, wohl das Ei? // Wäre das so schwer zu lösen? / Erstlich ward ein Ei erdacht; / Doch weil noch kein Huhn gewesen, / Schatz, so hat’s der Has’ gebracht."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner