Als Dr. Bernhard Göritzer, Wien 3, in den März-Zeitreisen vom Schicksal des jüdischen Mediziners Dr. Siegfried Mandl las, lief es ihm "kalt über den Rücken". Die Zusammenstellung über den honorigen Arbesbacher Gemeindearzt, der sich 1939 im Alter von 74 Jahren aus Angst vor den Nazis das Leben nahm, hat Dr. Göritzer "sehr berührt und nachdenklich gemacht".

Passfoto von Dr. Bruno Mandel, der gegen Antisemitismus auftrat.  
- © Quelle: Plattform CDIJUM

Passfoto von Dr. Bruno Mandel, der gegen Antisemitismus auftrat. 

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Aufgrund einer Namensähnlichkeit erinnerte sich der Geschichtsfreund dann an "ein vergilbtes, wahrscheinlich hektographiertes" Schriftstück, das ihm "vor etlichen Jahren" in die Hände gefallen war: Ein undatiertes Rundschreiben, verfasst von Dr. Bruno Mandel, Arzt im Krankenhaus Wieden und bei der Wiener freiwilligen Rettungsgesellschaft. Darin ruft er seine Kollegen zum Kampf gegen die Diskriminierung jüdischer Mediziner auf: "Es hat erst kürzlich", so Dr. Mandel, "der Gau Steiermark des Vereines deutscher Aerzte Forderungen gestellt, die direkt vom Ungeist des gleichgeschalteten Deutschland beschattet sind." Es ging um einen "Numerus clausus für Aerzte jüdischer Abstammung".

Wie Recherchen in historischen Blättern ergaben, wurde dies 1933 publik, somit lässt sich auch Dr. Mandels Schreiben datieren. Der couragierte Wiener - er war selbst Jude - zögerte nicht, "die gefährdeten Kollegen schon jetzt zur Abwehr der Gefahr aufzurufen. Wir dürfen nicht bis zum letzten Moment warten." Dr. Mandel erkannte, dass "alle jüdischen Aerzte ohne Unterschied der Herkunft" bedroht waren. Er rief zum "Zusammenschluss" über Gesinnungsgrenzen hinweg auf und bat kampfwillige Mediziner, sich zu melden.

Im Herbst 1933 taucht Dr. Mandel in einem Artikel in der Wiener Wochenschrift "Gerechtigkeit" auf. In einem Aufruf zur Gründung eines "Weltverbandes gegen Rassenhass" wird u.a. Dr. Mandel als Initiator gelistet.

Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt. Auf der Informationsplattform des jüdischen Dokumentationszentrums in Mexiko (CDIJUM) scheint auf, dass der 1896 geborene Wiener 1939 über Hamburg und Veracruz ins Land kam.

Zeitreisender Dr. Göritzer bewundert "die Zivilcourage dieses Kollegen . . . Was wohl aus ihm wurde?"