Das Leben der jüngsten Tochter Maria Theresias stand unter keinem guten Stern. Es war eine "schwere Geburt", eröffnet Mag. Robert Lamberger, Wien 4, den Antwortreigen zur Frage 1 der Nro. 430 rund um Erzherzogin Maria Antonia, die am 2. November 1755 in der Donaumetropole das Licht der Welt erblickte. Dass mit dem "Erdbeben von Lissabon . . . am Tag zuvor" eine gewaltige Naturkatastrophe Europa erschüttert hatte, deutete man als "schlechtes Vorzeichen".

Wie Wolfgang Straka, Kritzendorf (willkommen in der Gemeine!), anmerkt, war Maria Antonia erst 14 Jahre alt, als man sie mit dem französischen Dauphin (= Kronprinz) verlobte. Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, verweist auf die "Renversement des alliances" genannte "diplomatische Revolution" (vgl. dazu kl. Nuss Nro. 431, Einsendeschluss 27. Juni). Dabei war Mitte der 1750er ein "Defensivbündnis mit Frankreich geschlossen" worden, das durch Ehen gefestigt werden sollte.

Das Mädchen wurde "der Staatsräson ... geopfert", notiert Helmut Erschbaumer, Linz. Man wollte "die habsburgischen Besitzungen gegen . . . Friedrich II. von Preußen sichern".

"Am 19. April 1770", so Dr. Robert Porod, MMBA, Frauenhofen bei Horn, "heirateten . . . Maria Antonia und . . . Louis Auguste", und zwar, fügt Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, hinzu, "in der Wiener Augustinerkirche". Der Bräutigam war nicht anwesend, da es sich um eine Trauung "per procurationem" handelte. Wie Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, ergänzt, vertrat ihn Erzherzog Ferdinand, der Bruder der Braut.

Abschied von Wien

"Zwei Tage danach begann die lange Reise nach Frankreich", die als großes Spektakel inszeniert wurde, so Christine Sigmund, Wien 23: Marie Antoinette, wie sie nun genannt wurde, "durfte kein "altes" Kleidungsstück behalten" und musste beim Übertritt auf französischen Boden alles ablegen, was sie "am Körper trug".

Was sie jedoch mitnahm, vermutet Dr. Karl Beck, Purkersdorf, war die Vorstellung, "dass Frauen in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen dürfen, zumal ihre Mutter Regentin war." Nicht nur dafür wurde sie in Frankreich heftig kritisiert. "Keine andere Habsburgerin war jemals derartigen Anfeindungen so ausgesetzt."

Dr. Harald Jilke, Wien 2: Die "eigentliche Trauung" fand "am 16. Mai . . . in Versailles" statt. Zwei Wochen später wurde zum Abschluss der Feierlichkeiten "in Paris ein Fest für die Bevölkerung" veranstaltet. Bei einer Panik, ausgelöst durch Feuerwerkskörper, kamen zahlreiche Menschen zu Tode.

Wie Herbert C. Eller, Mödling, anmerkt, war der spätere König Ludwig XVI. nur etwas mehr als ein Jahr älter als seine Braut; die Ehe verlief "anfänglich sehr distanziert".

"Kurz nach der Hochzeit . . . begann der Briefwechsel zwischen Mutter und Tochter", so Dr. Alfred Komaz, Wien 19. Darin riet Maria Theresia der Frischvermählten vor allem dazu, "möglichst bald einen männlichen Thronerben zu gebären." Im Übrigen machte sie Marie Antoinette wegen deren "ausschweifenden Lebenswandels Vorwürfe bzw. gab ihr gute Ratschläge."

Stefan Zweigs "Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters" (1932) hat sich Dr. Manfred Kremser, Wien 18, zu Gemüte geführt und wäre darüber fast nicht zum Beantworten der Nuss gekommen, wie er augenzwinkernd anmerkt. In aller Eile liefert der Tüftler ein Zitat aus der romanhaften Biographie zur Frage des königlichen Ehelebens: "So bedarf es keines Nervenarztes, um festzustellen, daß ihre so verhängnisvolle Überlebendigkeit, dieses ewige Hin und Her und Niezufriedensein, dieses fahrige Jagen von Vergnügung zu Vergnügung, geradezu klinisch-typische Folgen jener ständigen sexuellen Aufreizung und sexuellen Unbefriedigtheit durch ihren Gatten darstellen."

Eine Tochter überlebte

"Erst 1778 kam das erste von vier Kindern des Paares, die Tochter Marie Thérèse Charlotte, die spätere Herzogin von Angoulême, zur Welt", merkt Maria Thiel, Breitenfurt, an. Und: "Sie überlebte . . . die Französische Revolution." Volkmar Mitterhuber, Baden, ergänzt, dass sie in den 1840ern nach "Katzelsdorf bei Wiener Neustadt" (vgl. Nro. 431, S. VI) zog und 1851 starb. Weiters nennt Tüftler Mitterhuber zwei Kinder Marie Antoinettes, die "schon vor dem Umsturz" ums Leben kamen: Louis-Joseph (1781-1789) und Sophie-Beatrice (1786-1787).

Zu Louis-Charles (1785- 1795) recherchierte Brigitte Schlesinger, Wien 12: Zunächst mit seiner Familie inhaftiert, wurde er 1793 unter Vormundschaft des Revolutionärs und Schuhmachers Antoine Simon gestellt. "Es wird in mehreren Quellen behauptet, dass Simon . . . brutal war", was aber "nie bewiesen" wurde. Nachdem Simon die Vormundschaft zurückgelegt hatte, sei der Bub in einem Gefängnis mehr oder weniger sich selbst überlassen gewesen. Er soll "extrem vernachlässigt", monatelang allein gelassen worden sein und starb schließlich, vermutlich an Skrofulose (heute etwa Hauttuberkulose).

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Von den Legitimisten", den Anhängern der Bourbonen, "wird er als König Ludwig XVII. gezählt."

Zum einschneidenden Jahr 1789 kommt Herbert Beer, Wolfpassing, zurück: Nach dem Beginn der Revolution wird die königliche Familie gezwungen, Versailles zu verlassen und "nach Paris in den Tuilerienpalast umzuziehen". Es ist der Anfang vom Ende.

Flucht gescheitert

Da ihr Gemahl in Lethargie verfiel, wurde Marie Antoinette aktiv. Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Sie "rechnete mit der Hilfe fremder Mächte oder einem Staatsstreich. 1791 wollte sie ihre Politik auf das treu gebliebene französische Heer stützen. Die königliche Familie sollte jedoch zuerst Paris verlassen".

Im Juni war es so weit. Hans Axel von Fersen, ein Günstling - manche meinen: Liebhaber - der Österreicherin, "organisierte federführend die Flucht . . . mit der Kutsche von Paris ostwärts", so Manfred Bermann, Wien 13, der ergänzt, dass "der König in Varennes-en-Argonne (in der Nähe von Verdun) erkannt" und zurück nach Paris gebracht wurde.

"Nach einem Prozess vor dem Nationalkonvent" wurde Ludwig XVI. "am 21. Jänner 1793 . . . hingerichtet", notiert Gerhard Toifl, Wien 17. Es scheiterten "mehrere Versuche", Marie Antoinette samt Kindern zu retten. Nachdem man ihr den "Sohn weggenommen" hatte, trennte man sie auch "von ihrer Tochter" und überstellte sie "am 1. August 1793 . . . ins Conciergerie-Gefängnis". Sie wurde am 16. Oktober guillotiniert.

"Marie Antoinettes letzte Worte galten ihrem Henker", fand Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22, heraus; "als sie das Gerüst besteigen sollte, stieg sie ihm auf den Fuß und entschuldigte sich: "Monsieur, verzeihen Sie mir, ich habe es nicht absichtlich getan.""

P.S. Gemeine-Recherchen zur Frage 2 rund um den Sturz des Ancien Régime werden in der Juli-Ausgabe präsentiert werden!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner