- © Faksimile: Moritz Szalapek/WZ
© Faksimile: Moritz Szalapek/WZ

Ein jugendlich glattes Gesicht war das letzte, was Männer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wollten. Die Zeichen der Bartmode standen auf "Wildwuchs". In theresianischer oder josephinischer Ära etwa spross kaum ein Härchen in den Antlitzen. Ab 1848 herrschte hierzulande Bartfreiheit. Damals kam der Vollbart als Zeichen demokratischer Gesinnung auf.

Als die hier wiedergegebene Annonce zwölf Jahre später, am 6. Juni 1860, in der "Wiener Zeitung" erschien, war der Vollbart offenbar schon derart unverzichtbar, dass es sich lohnte, verzweifelten Jünglingen mit Wundermitteln das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ob die hier angepriesene "Kräuter-Pomade für junge Leute, welche noch keinen Bart haben", hielt, was sie versprach? Abwarten war wohl das bessere, jedenfalls das günstigere Mittel.

Auch gesundheitliche Gründe wurden zum Lob der Gesichtsbehaarung angeführt. Manche Ärzte rieten zum Schnurrbart, weil er davor schütze, Keime einzuatmen. "Er filtriert die Luft und ist nicht nur eine männliche Zierde, sondern auch eine sehr hygienische Fürsorge der Natur", zitierte das "Prager Tagblatt" 1903 einen Mediziner.