Die Stunde schlägt der alten Zeit, die neue Zeit bricht jetzt an". Mit dieser Zeile aus dem Libretto zur Oper "Jonny spielt auf" beginnt Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, den Antwortreigen zur kleinen Nuss Nro. 427 rund um Ernst Krenek (auch Křenek, 1900-1991), der "gerade einmal 27 Jahre alt" war, als er damit "einen sensationellen Skandalerfolg und Verkaufsschlager erzielte".

Die Uraufführung fand "am 10. Februar 1927 im Neuen Theater zu Leipzig" statt, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf. Mit "421 Aufführungen in der ersten Spielzeit" gehörte das Stück zu den "meistgespielten Opern" dieser Ära. Sie brachte bewusst "Requisiten des technischen Fortschritts auf die Bühne".

Eine "Karikatur der Amerikabegeisterung der 1920er-Jahre" nennt Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, das Bühnenwerk mit dem Protagonisten Jonny, einem Musiker dunkler Hautfarbe. Fast ein Jahr nach der Premiere in Leipzig gab es "in Wien antisemitische Krawalle", aber auch Beifall. Die Wiener Premiere fand, so Mag. Margaretha Husek, Wien 23, "am 31. Dezember 1927 . . . in der Staatsoper" statt; "Nationalsozialisten führten eine Protestkundgebung" durch. Wie Maria Thiel, Breitenfurt, ergänzt, kam es zu Attacken mit "Stinkbomben und Niespulver". Trotzdem wurde das immer wieder als Jazzoper bezeichnete Werk ein finanzieller Erfolg und in ganz Europa vor ausverkauften Häusern gespielt.

Intrigen an Wiener Oper

Nach "Jonny" begannen, wie Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, informiert, für Krenek eine "neoromantische Phase" sowie "seine Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik Arnold Schönbergs".

Ein "besonderes Anliegen" ist es Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, Kreneks "Reisebuch aus den österreichischen Alpen" hervorzuheben. Dieser Zyklus "entstand 1929 und umfasst 20 Lieder, die im Anschluss an eine Österreich-Rundreise" komponiert wurden, wobei Krenek sowohl Musik als auch Text schrieb. "Assoziationen mit Schubert kommen auf, aber einige Lieder sind durchaus satirisch und sozialkritisch."

Zu Kreneks vielfältigem Schaffen als Tonkünstler wirft Christine Sigmund, Wien 23, ein: Er "wollte wohl alles ausprobieren" und befasste sich später unter anderem mit elektronischer Musik. So arbeitete er "in seinem Studio" mit einem "Buchla-Synthesizer aus dem Jahr 1967".

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, notiert, dass sich Krenek "erstmals 1935 Gedanken darüber" machte, "Österreich zu verlassen, nachdem klar geworden war", dass die Uraufführung seines "für die Staatsoper geschriebenen" und komplett in Zwölftontechnik verfassten Werks "Karl V." nicht in Wien stattfinden würde. Die für Februar 1934 geplante Premiere war durch "NS-nahe Heimwehr-Kreise und Intrigen" verhindert worden. "Erst im Juni 1938", als Österreich bereits von der Landkarte verschwunden war, kam das Stück in Prag erstmals auf die Bühne.

"Als Lokalhistorikerin" hat sich Dr. Ilona Gälzer, Gaaden bei Mödling (willkommen in der Gemeine!), "intensiv mit dem in Gaaden geborenen . . . Karl Rankl" beschäftigt, der die Uraufführung in Prag dirigierte. "Rankl, ein Schüler Arnold Schönbergs", war damals musikalischer Leiter am Prager Deutschen Theater. "Als Kapellmeister zeigte er stets großes Verständnis für die zeitgenössische Musik". Der Uraufführung wohnte Krenek "aus Sorge um seine Sicherheit nicht bei, was auf wenig Verständnis bei Dirigent und Regisseur stieß . . . Rankl wies Krenek schon im Mai darauf hin, dass wohl die Ausführenden am Prager Theater gefährdeter seien als der Komponist", der bereits für Ausreisemöglichkeiten gesorgt hatte. "Er konnte Krenek nicht umstimmen und meinte resignierend" ihm gegenüber: " . . obwohl Sie ja wirklich etwas wenig von sich hören ließen, nehme ich an, daß Sie einen Aufführungsbericht von mir erwarten." In diesem, so Dr. Gälzer, konnte Rankl "aber von großem Beifall" schreiben.

Unbegründet war Kreneks Angst allerdings nicht. Den Nazis galt er als "Kulturbolschewist", und er hatte Panik, auf dem Weg von seinem damaligen Aufenthaltsort London nach Prag in ihre Fänge zu geraten, zumal sein österreichischer Pass seit dem "Anschluss" ungültig und er bei der Durchreise durch Europa auf die Behörden Nazi-Deutschlands angewiesen war. Doch gegenüber den Prager Theaterleuten plagte ihn das schlechte Gewissen. Er fühlte sich als "ein Nichts, ein Verräter und elender Wicht", wie er im Tagebuch festhielt.

Schonungslos

Weniger bekannt ist Krenek als Schriftsteller. Dr. Harald Jilke, Wien 2: Sein "umfangreiches literarisches Œuvre" umfasst etwa "tausend Aufsätze". Er publizierte u.a. in der "Wiener Zeitung", für die er "von 1934 bis 1938" vor allem "Beiträge zu Kulturphänomenen, Reiseberichte und Buchrezensionen" schrieb.

Eine "Sammlung von Zeitungsartikeln und Essays Kreneks" wurde, wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, informieren, 2012 veröffentlicht (Braumüller). Der unter dem Titel "In der Zeiten Zwiespalt" erschienene Band enthält auch etliche in unserem Blatt erstmals publizierte Feuilletons.

Wie Krenek sich später in seiner Autobiographie erinnerte, hatte das von der Regierung herausgegebene, als langweilig verschriene Blatt "eine der lebendigsten und am besten geführten Feuilletonredaktionen", deren Leiter Edwin Rollett sich nicht um die Zensur kümmerte. Wie schon in Nro. 427 berichtet, konnte Krenek Themen anschneiden, die andere Blätter nicht zu drucken wagten, etwa eine Rezension des marxistischen Philosophen Ernst Bloch. "Meine Verbindung mit der "Wiener Zeitung"", so Krenek rückblickend, "war uneingeschränkt glücklich, und sie gehört zu meinen schönsten Erinnerungen aus dieser Zeit vor der Katastrophe."

Helmut Erschbaumer, Linz, erwähnt weiters "unzählige Briefe", zum Beispiel an Theodor W. Adorno, mit dem er "von 1929 bis 1964" korrespondierte.

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "Über den Schrecken und Irrsinn der Emigration berichtete er im . . . Buch "Die drei Mäntel des Anton K."" Die Novelle erschien 1938 (2020 neu herausgegeben in der Edition Memoria).

Auf Kreneks "lange . . . vergriffene" Autobiographie "Im Atem der Zeit" geht Gerhard Toifl, Wien 17, ein: Das monumentale Werk, 2012 vom Braumüller Verlag neu aufgelegt, entstand "zwischen 1942 und 1952" und behandelt "sein Leben in Europa bis 1938" sowie dessen "intellektuelle und künstlerische Elite", z.B. "Alban Berg, Hanns Eisler, Oskar Kokoschka oder Alma Mahler-Werfel". Krenek wetterte darin gegen jeden, wie Herbert Beer, Wolfpassing, berichtet - mit einer Ausnahme: Karl Kraus, den er sehr verehrte.

Institut in Krems

Dass "die moderne (atonale) Musik nicht gerade zu meinen Lieblingsthemen gehört", gesteht Dr. Alfred Komaz, Wien 19, der den Werdegang des oft "als "grantig" bezeichneten österreichischen Patrioten" als äußerst interessant bezeichnet - "abwechslungsreich, wenn auch nicht immer einfach, muss sein Leben wohl gewesen sein."

Der Frage nach dem Gesundheitszustand Kreneks, der 1991 hochbetagt im kalifornischen Palm Springs starb, nahm sich Zeitreisenmedicus Dr. Manfred Kremser, Wien 18, an und konstatiert unter anderem: "Schwerste Form der Gicht", begünstigt durch "Verzehr von Schalentieren, Geflügel, Bier . . ."

Brigitte Schlesinger, Wien 12, die Krenek im Zuge ihrer Recherchen "durchaus schätzen gelernt" hat, vor allem "als Autor", erwähnt abschließend das "an der Donau-Universität Krems angesiedelte" Ernst Krenek Institut, das derzeit von Alethea Neubauer, Martina Pröll und Clemens Zoidl geleitet wird. Es wurde mit dem Ziel gegründet, "das kompositorische und schriftstellerische Werk Kreneks bekannter und der Öffentlichkeit und Wissenschaft zugänglich zu machen. 2004 stiftete Gladys Nordenstrom-Krenek (1924-2016; die dritte Ehefrau des Komponisten, Anm.) . . . den gesamten Nachlass ihres Mannes" dem Institut. Diesem angeschlossen ist das Krenek Forum, "eine Ausstellungsfläche im Minoritenkloster Krems/Stein". Die dortige Schau gibt "einen umfassenden Einblick in sein Leben und Werk".

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner