Eine Zeitung, bei der aktives Mitmachen gefragt ist, in der Leserinnen und Leser ihre Ideen einbringen können und Preise verlost werden? Die Rede ist ausnahmsweise nicht vom Geschichtsfeuilleton der "Wiener Zeitung" und Ihnen, liebe Gemeine-Mitglieder.

Anno 1905 erschien in Pfaffstätten in Niederösterreich die erste Ausgabe eines Blattes, das vor allem Kinder ansprechen sollte: Die "Matador-Zeitung". Die bis 1939 publizierte Heftreihe bot auf meist 16 Seiten Dutzende Anleitungen für Konstruktionen aus den Holzbestandteilen der Baukästen. Im Rahmen von Preisausschreiben konnten eigene Ideen für Modelle eingesandt werden. Diese wurden mit Namen, aber meist ohne Altersangabe abgedruckt.

Österreichs "Edelraum" auf Gewerbeschau 1922. 
- © MAK

Österreichs "Edelraum" auf Gewerbeschau 1922.

- © MAK

"Liebe Matadorfreunde!" Unter dieser Überschrift entschuldigte sich Johann Korbuly junior (1892-1985) in Heft 17, Jahrgang 1921, persönlich dafür, dass nicht alle Kreationen sofort als Vorlagen abgedruckt werden können. "Es möge sich daher keiner zurückgesetzt fühlen, wenn seine Einsendung noch nicht . . . erschienen ist."

Sein Vater Ing. Johann Korbuly senior (1860- 1919) stand mit drei Söhnen um die Wende zum 20. Jh. vor einem Problem, wie er in Heft 4 seiner Publikation erzählte: Er wollte den Buben keinen Steinbaukasten schenken, weil er befürchtete, dass sie sich mit den Teilen eher bewerfen würden, als damit zu bauen.

Der Bauingenieur ließ von einem Tischler Teile anfertigen, die mit Stäben bzw. Draht verbunden werden konnten. Da niemand das Patent zu einem guten Preis erstehen wollte, wurde Korbuly selbst zum Produzenten und Vertreter. 1903 verkaufte er den ersten Baukasten unter dem Namen "Matador". In seiner Familie stand das Wort für das Hervorragende, das Beste.

Als Geschäftslokal diente zunächst die Privatwohnung der Korbulys in der Schleifmühlgasse 11, Wien 4. Diese Adresse fand sich auch in einer Anzeige, die der Konstrukteur u.a. am 4. Dezember 1904 in der "Wiener Zeitung" schalten ließ. Betitelt war sie: "Papa! sag’, was ist Matador?"

Die Antwort, die die Anzeige gab: "Ein Holzbaukasten mit Rädern, Brettern und Stäben, mit denen man Möbel, bewegliche Wagen, Maschinen und tausend niedliche Dinge zusammensetzen kann."

Der "Matador-Zeitung" ist zu entnehmen, dass Eltern Korbuly dankbar für das Spielzeug waren. Aufgrund der steigenden Nachfrage zog die Produktion bald in den Werkstättenhof in der Mollardgasse, Wien 6, ab 1915 in eine alte Mühle in Pfaffstätten. Bereits 1906 war eine Verkaufsstelle am Graben eröffnet worden, darauf folgte das "Matador-Haus" in der Mariahilfer Straße 62, Wien 7, das bis in die 1980er-Jahre kleine und große Kinder begeisterte.

Nach dem Tod ihres Vaters 1919 übernahmen die Söhne Johann und Rudolf (1894-1979) die Firma. Für sie und ihren Bruder Anton waren die Baukästen ursprünglich erfunden worden. Letzterer (geboren 1893) war 1917 verstorben.

Vom Aufschwung der Reformpädagogik in den 1920er-Jahren profitierte auch "Matador". 1923 wurde es als Lehrmittel für Schulen zugelassen.

International fanden die Baukästen ebenfalls großen Anklang. 1922 vertrat das Unternehmen gemeinsam mit den Vereinigten Werkstätten für Spielwaren in Lochau (Vorarlberg) Österreichs Spielzeugindustrie auf der Deutschen Gewerbeschau in München.

Beide Firmen zeichneten sich durch Erfindungsreichtum aus, so "WZ"-Feuilletonist Dr. Hans Ankwicz-Kleehoven (1883- 1962) in unserem Blatt vom 4. November 1922.

Voller Lob für heimische Firmen, die auf der Gewerbeschau in München vertreten waren, zeigte sich das Feuilleton der "Wiener Zeitung" vom 4. November 1922.  
- © WZ-Faksimile: M. Szalapek

Voller Lob für heimische Firmen, die auf der Gewerbeschau in München vertreten waren, zeigte sich das Feuilleton der "Wiener Zeitung" vom 4. November 1922. 

- © WZ-Faksimile: M. Szalapek

Die Räumlichkeiten der Schau wurden zum Teil von heimischen Künstlerinnen und Künstlern ausgestattet. So ist es etwa Architekt Oskar Strnad (1879-1935) zu verdanken, dass der "Österreichische Edelraum" (siehe Bild l. u.) allgemein als die künstlerisch bedeutendste Raumschöpfung der Ausstellung anerkannt wurde.

Über den Vitrinen zeigten bunte (...) Papiermacheereliefs, die von Absolventinnen der Wiener Kunstgewerbeschule gefertigt wurden, die zwölf Monate. Für den Boden wurde von der Firma Wienerberger ein aus glasierten Ziegeln hergestelltes Mosaik beigesteuert, das (...) die Landkarte Österreichs darstellte - nach einer Skizze der Künstlerin Stella Weißenberg (1901-1986). Ausgestellt waren hier unter anderem Arbeiten der Wiener Werkstätte und des Glaserzeugers J. & L. Lobmeyr. Spielzeug war wohl eher in einem eigenen Raum mit anderen Werken aus Holz zu sehen.

Wir wissen nicht, welche "Matador"-Kreationen in München gezeigt wurden. Das auf der "Matador-Zeitung" Nr. 17 abgebildete Riesenrad hätte jedenfalls einen Platz verdient. Gebaut wurde es mit "Matador 6". Das war damals der umfassendste Baukasten der Produktserie.

Kopfnuss: Verbindet Ing. Johann Korbuly etwas mit dem Grazer Schlossberg? (Geknackte Kopfnuss auf der nächsten Seite)