Auch wenn das noch junge Jahr aus derzeitiger Sicht nicht viel Gutes verspricht, schließt sich das Team des Geschichtsfeuilletons den Wünschen an die Gemeine mit Blick auf die "WZ" an, die Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, zum Jahreswechsel schickte: Möge 2023 besser werden als befürchtet . . .

Die Zeitreisenredaktion dankt allen Tüftlerinnen und Tüftlern, die aufmunternde Grußworte übermittelten! Ob ausgerechnet der heutige Freitag, der 13., der richtige Tag ist, um auf Gutes zu hoffen? Egal, ob Sie, liebe Leserinnen und Leser, an diesem Tag Unglück erwarten, oder ihn vielleicht sogar zum Glückstag erkoren haben, finden Sie passend zum Erscheinungsdatum hier einen Nachdruck aus dem "WZ"-Archiv: Eine kulturhistorische Abhandlung aus 1880 über den Aberglauben. Eines steht fest: Zeitreisen bringt Glück!

Übernatürlichen Gefilden entstammt auch jener Geselle, den Menschen des gedruckten Wortes seit jeher fürchten: Den Druckfehlerteufel. Ob er im nachfolgend geschilderten Fall die Finger im Spiel hatte oder nicht - darüber kann man spekulieren. Dr. Anton Tantner, Wien 2, stieß im Österreichischen Staatsarchiv auf einen Akt, der Aufschlussreiches zur "WZ"-Geschichte enthält. Es geht um einen Lapsus im Blatt vom 22. Dezember 1813. Damals leitete Conrad Dominik Bartsch (1759-1817) die Redaktion, die unter den Schikanen der Metternich-Behörden litt. In der konkreten Causa nahm die Polizeihofstelle der "WZ" einen Druckfehler in einem Frankreich-Artikel übel.

Halb Europa, auch das Habsburgerreich, lag zu der Zeit im Krieg mit Napoleon. War der Kampfgeist der zurückgedrängten Franzosen gebrochen oder nicht? U.a. dieser Frage widmete sich der "WZ"-Bericht, der auch diesen Satz enthält: "Das grosse Mittel, welches die (französische, Anm.) Regierung anwenden zu wollen scheint, welches aber mehr als alles andere für die gänzliche Erhaltung des kriegerischen Geistes der Nazion zeigt, ist die emsige Aussprengung von Friedensgerüchten." Bereits am nächsten Tag wurde korrigiert: Statt "Erhaltung" hätte es "Erkaltung" heißen sollen - was freilich einen etwas anderen Sinn ergibt.

Dass die Behörde in solchen Belangen keinen Spaß verstand und Blattmacher in Zeiten der Zensur mitunter über einen einzigen Buchstaben stolpern konnten, beweist der Akt, den Dr. Tantner ausgrub. Neben Bartsch, der sich noch bis 1815 auf seinem Posten halten konnte, wurden auch Setzer Anton Steininger und Korrektor Joseph Klinger gerügt. Und der Druckfehlerteufel - lachte er sich ins Fäustchen?

Depeschen

Einen Buchtipp für alle an Czernowitz und dem zeitweise dort lebenden Schriftsteller Karl Emil Franzos Interessierten (vgl. Nro. 436, S. VII) hat Ernst Wegerth, Mödling: Dietmar Griesers "Geliebte Ukraine" (Amalthea 2022), in dem auch Franzos eine Rolle spielt.