Die Revolution von 1848 beendete jäh das "System Metternich". Bilder: Archiv
Die Revolution von 1848 beendete jäh das "System Metternich". Bilder: Archiv

Fiaker haben dem Klischee nach einen gemütlichen Arbeitsalltag. Dass das für den Protagonisten der Frage 1 der Nuss Nro. 300 nicht unbedingt gilt, zeigt schon der Spitzname des Staatsmannes, den Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, notiert: Der "Kutscher Europas".

Manfred Bermann, Wien 13, und Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, sowie DI Wolfgang Klein, Wien 21, nennen mit Clemens Wenzel Metternich den Namen des Gesuchten. Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Metternich hat die außenpolitischen Geschicke Österreichs nach dem Wiener Kongress über Jahrzehnte gelenkt."

Vom Rhein an die Donau

Clemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859) etablierte den berüchtigten Polizeistaat. Repros: Karo Fleck
Clemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859) etablierte den berüchtigten Polizeistaat. Repros: Karo Fleck

MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, mit Details: "Graf Clemens Wenzel Lothar Metternich, eigentlich Metternich-Winneburg-Ochsenhausen, .. . geboren am 15. Mai 1773 in Koblenz, gestorben am 11. Juni 1859 in Wien." Karl Meywald, Wien 20: Er stammte "aus rheinischem Uradelsgeschlecht."

Mathilde Lewandowski, Payerbach: Metternich "studierte . .. in Straßburg und in Mainz, heiratete am 27. September 1795 Maria Eleonora Gräfin Kaunitz", die Enkelin von Wenzel Anton Graf Kaunitz (1711- 1794, gefürstet 1764). HR Dr. Walther Schubert, Wien 13: "Metternich war dreimal verheiratet."

Gerhard Toifl, Wien 17: Sein Vater "war zunächst Diplomat der Kurfürsten von Trier. Im Jahre 1791 wurde er Minister der Österreichischen Niederlande." Der Junior sollte in seine Fußstapfen treten, wie Brigitte Schlesinger, Wien 12, berichtet: "Vermittelt durch seinen Vater begleitete er ohne diplomatische Funktion eine Gesandtschaft nach London, wo er das diplomatische Handwerk in der Praxis erlernte." Bald darauf, so Klaus-Peter Josef, Tulln, verließ Metternich "seine Heimat an Rhein und Mosel vor den französischen Revolutionstruppen und trat in den österreichischen diplomatischen Dienst" ein.

Herbert Beer, Wolfpassing: "Den eigentlichen Beginn der politischen Karriere verdankte er vor allem der Protektion von Eleonore von Liechtenstein", die am Hof Einfluss hatte. 1801 wurde Metternich Gesandter in Dresden.

Volkmar Mitterhuber, Baden: Ab 1806 war er "österreichischer Botschafter in Paris". Dr. Wilhelm Richard Baier, Graz-Andritz, knüpft an: "Im Jahr 1809 wurde Metternich Außenminister."

Wie einst Kaunitz . . .

Und amtierte er 1811 bereits als Staatskanzler? "Jein", beantwortet Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf, die knifflige Frage, und führt aus: "Ende Jänner 1810 wurde Metternich . . . Staatskanzler. Offenbar aber ohne förmliche Ernennung, denn diese ist erst per 25. Mai 1821 dokumentiert."

Dr. Peter Schilling, Wien 18, informiert zu den Würden eines "Haus-, Hof-, und Staatskanzlers": Er "trug damit einen Titel, der seit . . . Kaunitz . . . nicht mehr verliehen worden war".

Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: "Metternich wurde 1813 Fürst." Dr. Hans Peter Nowak, Wien 20: Diesen erblichen Titel erhielt er "als Kompensation für das von seinem Vater verlorene, .. . linksrheinische Land".

Franz Kaiser, Wien 11, setzt fort: "Für dreieinhalb Jahrzehnte prägte er danach die Politik in Österreich und auch in Europa."

Maria Thiel, Breitenfurt: Er "gilt als Mitarchitekt der siegreichen Koalition gegen Napoleon (1813)" und war Vorsitzender des Wiener Kongresses (1814/ 1815). "Er hatte entscheidenden Anteil an der politischen und sozialen Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen."

Dr. Josef Litschauer erläutert, dass Metternich "ab dem Wiener Kongress eine typische "Status quo"-Politik ("Nur keine Veränderungen!") im Rahmen der Heiligen Allianz" betrieb. Richter i. R. DDr. Faust Wresounig, Graz: Seine Linie "war gerichtet auf Stabilität". Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Metternich wurde Hauptträger der Restauration."

Spitzelwesen & Zensur

Erwin Kladiva, Wien 14: "Als Gegner der Demokratie und des Liberalismus errichtete er einen Polizeistaat, zu dem Zensur und Spitzelwesen gehörten (das sogenannte Metternich’sche System)." Das erbitterte von Jahr zu Jahr mehr Menschen. Hildegard Rabel, Wien 1, zum Beginn der 1848er-Revolution: "Am 12. März wurde dem Kaiser eine Volksadresse mit 10.000 Unterschriften überreicht, in der um eine gänzliche Umänderung des ... Regierungssystems gebeten wurde." Harry Lang, Wien 12, erläutert: Metternich war für die Revolutionäre von 1848 eine "Symbolfigur reaktionärer Politik". Eine Folge der Proteste: "Die Erzherzöge Johann und Ludwig verlangten eine Demission Metternichs, dieser schrieb an den Kaiser ein Entlassungsgesuch ("Allergnädigster Herr! Ich sehe mich zu einem Schritte gezwungen. .. ")."

Hon.-Prof. Dr. Heinrich Geuder, Mistelbach: "Am 13. März 1848 wurde Metternich gestürzt und floh ins Ausland." (N.B. Als erstes Blatt meldete am 14. März die "Wiener Zeitung" Metternichs Abdankung.)

Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Über Deutschland, Brüssel, Den Haag kam er nach London, wo ihm am 20. April 1848 Asyl gewährt wurde. Nur mithilfe des (abgelaufenen) Reisepasses eines Kaufmannes mit dem Namen Friedrich von Mayern . . . war ihm die abenteuerliche Flucht gelungen. Im Londoner Exil war er keineswegs untätig."