Am 18. Dezember 1744 unterzeichnete sie, ohne vorher die Meinung der böhmischen Statthalterei gehört zu haben, das Dekret: "Wir haben aus mehrerlei uns bewegenden höchst triftigen Ursachen den Allerhöchsten Beschluss gefasst, dass künftighin kein Jude mehr in Unserem Erbkönigreich Böheimb geduldet werden sollte.""

Hass und Vertreibung

Spurensucher Prof. Bouzek weiter: "Binnen eines Monats hatten alle Juden Prag zu verlassen . . . und - bis Ende Juni 1745 sie und alle übrigen Juden Böhmens das Land für immer. Drei Jahre lang irrten die böhmischen Juden durch das Land . . . Inzwischen hatte auch die Juden in Mähren die von Maria Theresia 1745 verfügte Ausweisung erreicht. Erst durch die Interventionen Englands und der Niederlande erneuerte die "gute Landesmutter" den Vertriebenen für Böhmen und Mähren das Aufenthaltsrecht - allerdings nur für zehn Jahre.

In Wien, wo 1752 amtlich nur 542 Anhänger des mosaischen Glaubens gezählt wurden, machte sie 1753 und 1764 ihrem Ärger durch eine neue "Judenorder" Luft, deren Verbote an die Zeiten des tiefsten Mittelalters erinnern. Jeder Jude musste ein gelbes Stoffband am Hut tragen, kein Verheirateter durfte sich den Bart scheren . . . "Ich kenn keine ärgere Pest im Staatt als dise Nation . . ." schrieb Maria Theresia 1777 . . ."

Den Protestanten erging es unter Maria Theresia nicht besser. Aber auch der Großteil der katholischen Bevölkerung, auf dem Land wie in der Stadt, hatte kein leichtes Schicksal in ihrer Herrschaftszeit. Tüftler Prof. Bouzek betont abschließend: "Nichts wurde von der "guten Landesmutter" gegen die Massenarmut, Kinder- und Frauenarbeit und alle Formen wirtschaftlicher Ausbeutung unternommen."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner