Wissen ist Macht! Und daher hart umstritten. Den Wurzeln hiesiger Volksbildungsstätten und ihrem mühsamen Weg zur Anerkennung spürte die Gemeine bei ihren Recherchen zur kleinen Nuss Nro. 309 nach. MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Die Volksbildungstätigkeit geht in Wien auf das Jahr 1887 zurück, als der "Wiener Volksbildungsverein", gegründet am 22. Jänner 1887, mit seinen Sonntagsvorträgen begann."

Aus dem Gründungsaufruf zitiert Dr. Heribert Plachy, Wien 7: Ziel war, "die von der Schule in der Volksbildung gelassenen Lücken zu ergänzen und dadurch die gegenwärtige wie . . . künftige Generation zum Kampfe ums Dasein zu stärken." Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, nennen als wichtigste Aktivitäten die Einrichtung von "sogenannten Frei-Lesehallen", d.h. öffentlichen Bibliotheken, sowie "rege Vortragstätigkeit".

Filmpionierin Urania

Vor 1900 boten Kalender breiteren Zugang zu Wissen.
Vor 1900 boten Kalender breiteren Zugang zu Wissen.

Den Anfängen jenes Hauses, das nach der Muse der Sternenkunde benannt wurde, widmet sich Hildegard Rabel, Wien 1: "Dr. Wilhelm Mayer regte zuerst die Gründung eines wissenschaftlichen Theaters an, das er Urania nannte, konnte sich aber nicht durchsetzen, und erst Dr. L. Karell griff den Plan 1895 neuerlich auf, konnte ihn aber erst 1897 realisieren."

Ludo Hartmann (1865- 1924). Bilder: Archiv. Repros: St. Koch
Ludo Hartmann (1865- 1924). Bilder: Archiv. Repros: St. Koch

Mathilde Lewandowski, Payerbach: Das ""Syndikat Urania" errichtete zunächst im Rahmen der Jubiläumsausstellung im Prater einen Holzbau mit Sternwarte etc., hatte bis 1910 - inzwischen in "Verein Wiener Urania" umbenannt - seinen Sitz in der Wollzeile 34 und erhielt 1909 auf Antrag Dr. Karl Luegers den heutigen Standort (am Donaukanal, Anm.) als . . . Bauplatz zugewiesen."

Christine Sigmund, Wien 23, zu dem von Max Fabiani geplanten Haus: "Am 6. Juni 1910 konnte nach einem Jahr Bauzeit die Urania eröffnet werden." Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: "1935 wurde der Kassensaal zugebaut." Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "Bis 1938 befand sich im dritten Stock . . . die elektrische Zentraluhranlage ("Das telefonische Zeitzeichen")."

Wie Maria Thiel, Breitenfurt, anmerkt, erschloss "das Gebäude mit einem Kinosaal auch das neue Medium Film für die Volksbildung . . . Die "Selenophon Licht- und Tonbildgesellschaft", die ein eigenes Tonaufzeichnungsverfahren für Rundfunk und Film entwickelt hatte, veranstaltete . . . 1929 in der Urania die erste synchrone Tonbild-Vorführung nach ihrem System."

Platzmangel in Graz

Auch in der steirischen Landeshauptstadt existiert eine Zweigstelle der Urania. Dr. Wilhelm Richard Baier, Graz-Andritz, schickte einen Beitrag des derzeitigen Direktors der Österreichischen Urania für Steiermark, Dr. Hannes D. Galter: "Unter der Patronanz des steirischen Landeshauptmannes Anton Rintelen und des Grazer Bürgermeisters Vinzenz Muchitsch . . . fand am 14. Februar 1919 die konstituierende Sitzung des Vereins "Grazer Urania" statt . . . Der erste "hauseigene" Urania-Vortrag fand am 11. Oktober 1919 durch Karl Rosenberg zum Thema "Licht und Schatten, die Lehre vom Licht" im Rittersaal des Grazer Landhauses statt."

Direktor Dr. Galter berichtet von einstigen Platznöten: "1922 ging die Urania mit der Forderung nach einer Heimstätte an die Öffentlichkeit. Der Grazer Gemeinderat beschloss . . ., der Urania ein Grundstück an der Mur nahe der Radetzkybrücke kostenlos zur Bebauung zu überlassen . . . Doch die Inflation der folgenden Jahre dezimierte die Spendengelder auf einen Bruchteil . . . und das Projekt konnte nie realisiert werden." Heute ist die Bildungsstätte im Palais Trauttmansdorff untergebracht.

"Gründung von unten"

Damit zurück nach Wien, genauer: in den 16. Bezirk, der eine der ältesten Volksbildungsstätten Europas beheimatet. Neozeitreisender Dr. Wilhelm Filla, Wien 22 (willkommen in der Gemeine!): "Das am 24. Februar 1901 gegründete Volksheim ist eine "Gründung von unten". Hörer eines "Volkstümlichen Universitätsvortrags" des Philosophen Adolf Stöhr äußerten den Wunsch nach intensiverer Bildungstätigkeit. Stöhr riet zur Eingabe an den Akademischen Senat der Universität Wien."

Brigitte Schlesinger, Wien 12: ""An einem Mainachmittag 1900" fassten (Emil, Anm.) Reich und der mit ihm befreundete Historiker Ludo (Ludwig) Moritz Hartmann . . . den Entschluss zur Gründung einer Volkshochschule."

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: Letzterer "stammte aus Deutschland, war "mosaischer Ethnie"", wurde aber katholisch getauft. Er war "zuerst Dozent, später außerordentlicher, schlussendlich ordentlicher Professor an der Universität Wien." Fußnote von Klaus-Peter Josef, Tulln: "Hartmann war 1918-20 österreichischer Gesandter in Berlin und setzte sich für den Anschluss Österreichs an Deutschland ein."

Zur Frage der Benennung informiert Volkmar Mitterhuber, Baden, dass "am 13. Dezember 1900 bei der niederösterreichischen Statthalterei der Antrag auf Gründung eines Vereins mit dem Namen "Volkshochschule" gestellt wurde." Da die Behörden argwöhnten, "dass diese Namensgebung antiuniversitär und revolutionär inspiriert wäre, wurde sie verboten." Man einigte sich auf die Bezeichnung "Volksheim".