Si tacuisses, philosophus mansisses!" Hättest du geschwiegen, wärest du Philosoph geblieben! Oftmals passend scheinen diese schelmischen Zeilen von Boethius. Aber auf die nachfolgend angeführten Herren, deren Ideen Anlass für Tüftelein zur Frage 2 der Nro. 314 gaben, trifft Gegenteiliges zu.

Die Philosophen Kant (l.) und Hobbes. - © Bild: Archiv Repro: Stefan Koch
Die Philosophen Kant (l.) und Hobbes. - © Bild: Archiv Repro: Stefan Koch

Über einen Urvater der großen Denker berichtet Neotüftlerin Sofia Puşcarenco, Graz: Platon (428/ 427-348/347 v. Chr.) hat uns seine Ideen "in Form von 41 philosophischen Dialogen (Gesprächen) und 13 Briefen hinterlassen." Der Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead sagte über ihn, "alle Geschichte der Philosophie sei nichts anderes als Fußnoten zu Platon." Die Tüftlerin weiter: Von herausragender Bedeutung "für die Staatsphilosophie sind: "Politeia" ("Der Staat"), "Politikos" ("Der Staatsmann"), und "Nomoi" ("Die Gesetze")."

Herbert Beer, Wolfpassing: Platon sieht den Menschen "als naturgemäß politisches Wesen." Er kann sich "vervollkommnen und soziale Gemeinschaften bilden. Im Staatsmann vollendet sich der Mensch als politisches Wesen. So wie Gott für die Welt Sorge trägt, trägt der Staatsmann Sorge für die Menschen".

MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Um auf Erden die Tugenden zu verwirklichen, erhoffte Platon die Realisierung eines Idealstaates, den Philosophen leiten."

Wie Gerhard Toifl, Wien 17, notiert, sollten "Frauen soweit irgend möglich dieselben Aufgaben übernehmen ... wie Männer."

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "In seinem Alterswerk "Nomoi"" entwirft der Denker "ein realistischeres Modell." In diesem "gibt es keine Philosophenherrschaft, vielmehr räumt Platon allen Staatsbürgern die Möglichkeit zur Mitbestimmung ein, da unbeschränkte Macht jeden korrumpiere."

Der Mensch ist sozial

Platons größten Schüler erwähnt Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Aristoteles (384-322 v. Chr.), der Lehrer des jungen Alexanders (des späteren Großen)." Erwin Kladiva, Wien 14, kennt Gemeinsamkeiten: Sowohl "Platon als auch Aristoteles sahen das Glück als den höchsten ... Wert an. Gerechtigkeit war für sie die oberste Tugend, um diese Glückseligkeit zu erreichen." Daraus entwickelte Aristoteles die These vom "Zoon politikon". Dazu Maria Thiel, Breitenfurt: Es ist eine ""Wesensbestimmung" des Menschen als ein ... auf Gemeinschaft angelegtes Lebewesen."

Dieter Bittrich, Wien 2: "Für das Zoon politikon ist" der Weg zur Vervollkommnung "die Erreichung einer guten Lebensform, die ihrerseits nur in der Polis (griech. für Stadtstaat, Gesamtheit aller Vollbürger, Anm.) möglich ist."

Alle gegen alle

Etwa 1200 Jahre danach zweifelt Thomas Hobbes (1588-1679) am Guten im Menschen. Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, über den Engländer: Er "ist durch sein Hauptwerk "Leviathan" bekannt geworden" und gilt als der Vordenker des aufgeklärten Absolutismus. "Er war einer der großen Systematiker des Rationalismus, der mit der Philosophie des René Descartes (1596-1650, Anm.) vertraut war ... Hobbes’ staatstheoretische Lehren ... sind es, die ihm einen herausgehobenen Platz in der Philosophiegeschichte sichern."

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, zur Bedeutung des Titels "Leviathan": "Hebräisch "gewundenes Tier", im Alten Testament Name des Chaosdrachen der Urzeit."

Raffaels Darstellung der Philosophie am Gewölbe der Stanza della Segnatura. - © Bild: Archiv Repro: Stefan Koch
Raffaels Darstellung der Philosophie am Gewölbe der Stanza della Segnatura. - © Bild: Archiv Repro: Stefan Koch

HR Dr. Walther Schubert, Wien 13, erklärt die Betitelung nach dem Ungetüm, "vor dessen Allmacht jeglicher menschliche Widerstand zuschanden werden muss. Eine ähnliche Rolle kommt in Hobbes’ absolutistischem Politikverständnis dem Staat zu."

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, zum Inhalt des Werkes: "Die Gesellschaft wird ... als eine Vereinigung ursprünglich selbständiger Individuen verstanden." In ihrem Naturzustand gibt es "noch kein geordnetes Zusammenleben . . . Stattdessen herrscht Kriegszustand aller gegen alle." Dieser "müsse . . . überwunden werden. Das erste Gesetz lautet: Suche Frieden."

Christine Sigmund, Wien 23, weiter: "Der Staat müsse in der Lage sein, seinen Bürgern Schutz und ein menschenwürdiges Dasein zu bieten. Dafür wird dem Staat alle Macht verliehen."

Klaus-Peter Josef, Tulln: "Die bahnbrechende Wirkung von Hobbes besteht vor allem in der Begründung eines neuen Weltbildes, durch die Idee des ... säkularen Staates sowie in der Integration der Staats- und Rechtsphilosophie in ein System."

Friedvolles Regelwerk

Mit Immanuel Kant (1724- 1804) macht Hildegard Rabel, Wien 1, das gesuchte philosphische Quartett komplett: "Seine Schriften führten eine entscheidende Wende ... herbei. Er befreite das philosophische Denken von der in leerer Begrifflichkeit erstarrten Dogmatik des Rationalismus."

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, weiter: "Zu seiner praktischen Vernunft gehören auch immer Recht und Staat ... Es soll so Freiheit für das Individuum geschaffen werden."