Sesselträger, Lohnkutscher, Tramways - mitten hinein ins wilde Getümmel auf den Straßen Alt-Wiens stürzte sich die Gemeine, um für die Frage 2 der Nuss Nro. 318 zu recherchieren. Mit einem bis in die 1880er existierenden Verkehrsmittel startet Robert Porod, MBA, Frauenhofen bei Horn: "1703 gab es in Wien ein öffentliches Verkehrsmittel in der Form des "Sesseltragers"." Dieses Fortbewegungsmittel war vor allem deshalb verbreitet, so Maria Thiel, Breitenfurt, "da die Platzverhältnisse in den Straßen Wiens und auch die Enge der Stadttore einen ausgedehnten Wagenverkehr nicht zuließen."

1834 in England erfunden, kamen die "Cabs" 1852 in die Donaumetropole. - © Bild: Archiv Repro: Iris Friedenberger
1834 in England erfunden, kamen die "Cabs" 1852 in die Donaumetropole. - © Bild: Archiv Repro: Iris Friedenberger

Hildegard Rabel, Wien 1: "Durch den Stellwagen entwickelte sich ein innerstädtischer Verkehr, womit endgültig das Ende der Sesselträger gekommen war."

HR Dr. Walther Schubert, Wien 13: "Der erste planmäßige Innenstadtverkehr mittels Stellwagen lässt sich auf das Jahr 1815 zurückführen."

Erwin Kladiva, Wien 14, erklärt: "Die Stellwagen waren Pferdewagen, die an festgelegten Standorten warteten, bis mehrere Fahrgäste zum vorgesehenen Fahrtziel beisammen waren, und erst dann losfuhren."

Mag. Robert Lamberger, Wien 4: "Ab 1815 fuhr ein Stellwagen regelmäßig von den Vororten zum Dommayer nach Hietzing."

"Jemandem mit dem Stellwagen ins G’sicht fahren" - diesen Ausdruck gibt es, so Dieter Bittrich, Wien 2, heute noch. "Er bedeutet, jemanden grob anfahren."

DI Herbert Wöber, Wien 14: In den 1840ern "versahen die Stellwagen unter der Bezeichnung "Omnibus" den Dienst. Außerhalb der Linie (= Linienwall; heute verläuft dort in etwa der Gürtel, Anm.) traten sie an die Stelle der Zeiselwagen."

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, dazu: "Mitte des 18. Jh.s waren die Zeiselwagen . . . aufgekommen." Ihnen war es "nur gestattet, außerhalb des Linienwalls zu fahren!" Der "Leiterwagen . . . mit quer gelegten Sitzbrettern" war "das Massenverkehrsmittel im 18. und beginnenden 19. Jh."

Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Gegen Ende des 18. Jh.s und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh.s dominierten in Wien noch die Lohnwagen, von denen die . . . "Janschky-Wagen" als besonders komfortabel bekannt geworden sind." Der Unternehmer Joseph Janschky (1759-1839) war für eine große Anzahl an teilweise luxuriösen Gefährten bekannt.

"Grobe" Cabskutscher

Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "1852 wurden die 1834 in England erfundenen "Cabs", einspännige, zweirädrige Wagen, auch für den Personentransport in Wien eingeführt, bei denen der Kutscher hinter den Fahrgästen auf einem erhöhten Bock saß . . . Cabs etwas anderer Bauart wurden allerdings vor allem für den Warentransport benützt - legendär und sprichwörtlich war die Grobheit der "Cabskutscher" in Wien . . . Den Personencabs folgten wenig später die vierrädrigen "Comfortables"".

Glöckerlbahn

DI Wolfgang Klein, Wien 21: "Die Wiener Straßenbahn hat ihren Ursprung in einer von 1865 an betriebenen Pferdetramwaylinie." Zu einem Vorläufer merkt Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, an: "Die erste Tramway fuhr . . . als "Brigittenauer (Pferde-)Eisenbahn" ab 2. Juli 1840."

Erste Fahrt der Pferde-Tramway vor der Baustelle der Votivkirche. - © Bild: Archiv Repro: Iris Friedenberger
Erste Fahrt der Pferde-Tramway vor der Baustelle der Votivkirche. - © Bild: Archiv Repro: Iris Friedenberger

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Sie führte "von der Augartenbrücke zu einem Vergnügungslokal in der Nähe des Augartens", wurde 1842 "aber wieder abgetragen . . . Erst die Beseitigung von Stadtmauer und Graben . . . 1857-1865 und die Anlage der Ringstraße brachte Wien die erste dem öffentlichen Verkehr dienende Pferdebahnlinie."

Maria Schoßmann, Wien 19: "Schon 1862 hatte sich Ferdinand Stiasny aus der Leopoldstadt um eine Bewilligung für eine Pferdestraßenbahn bemüht . . . Nach einem jahrelangen Hin und Her wurde schließlich die Firma C. Schaeck-Jaquet & Comp. (aus Genf, Anm.) . . . beim Wiener Handelsgericht am 20. August 1865 protokolliert."

Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7: "Die Wiener Stadtverwaltung versuchte in den folgenden Jahren, auch andere Unternehmen zum Bau von Straßenbahnstrecken zu bewegen. Wegen der rigiden Bedingungen schlossen sich alle Bewerber zusammen, sodass die nun gebildete Wiener Tramwaygesellschaft als alleinige Unternehmung übrig blieb. Diese erhielt . . . 1868 die Konzession. Sie baute den größten Teil des Straßenbahnnetzes in Wien."

Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf: "Eine besondere "Herausforderung" (würde man heute sagen) war die Konstruktion der Schienen, die ja den übrigen Verkehr nicht beeinträchtigen durften. Die damals bereits entwickelten Eisenbahnschienen kamen also nicht in Frage."

Am 4. Oktober 1865 erfolgte die "Eröffnung der ersten Pferdestraßenbahnlinie in Wien", wie Mathilde Lewandowski, Payerbach, festhält. Die Fahrt ging "vom Schottentor nach Hernals" und "dauerte 20 min."

Christine Sigmund, Wien 23, fährt fort: "In Hernals angekommen, fand in der Wagenhalle ein Festbankett statt, bei dem auch der Statthalter eine Rede hielt. Darin dachte er unter anderem an einen Weiterbau nach Dornbach" und wünschte dafür einen "dornenlosen Weg".