Die Zeitreisen-Gemeine entschied sich dagegen, in ihren Antworten zur kleinen Nuss Nro. 319 das 1017. Jubiläum "Ostarrîchis" (moderne Schreibung mit Zirkumflex zur Lautkennzeichung) zu feiern. Die "älteste erhaltene Urkunde", in der dieser Name auftaucht - so Dr. Erich Schlöss, Ma. Enzersdorf - ist "eine Schenkungsurkunde, mit der Kaiser Otto III. (980-1002, Anm.) der bischöflichen Kirche zu Freising" Land übertrug umschrieben mit "regione vulgari vocabulo ostarrichi".

Porträts kann man diese Darstellungen der Gemahlinnen der ersten Babenberger-Markgrafen nicht nennen, denn sie sind Phantasiebilder, die erst im 15. Jh. für den sogenannten "Stammbaum" dieses Geschlechts, geschaffen wurden - (v.l.n.r.): Rikchard, Swanhilt, Adelhaid, Gisela. - © Bild Archiv Repro: I. Friedenberger
Porträts kann man diese Darstellungen der Gemahlinnen der ersten Babenberger-Markgrafen nicht nennen, denn sie sind Phantasiebilder, die erst im 15. Jh. für den sogenannten "Stammbaum" dieses Geschlechts, geschaffen wurden - (v.l.n.r.): Rikchard, Swanhilt, Adelhaid, Gisela. - © Bild Archiv Repro: I. Friedenberger

Dazu Brigitte Schlesinger, Wien 12: Die Formulierung ""im Volksmund" beweist, dass das Wort "Ostarrîchi" schon lange gebräuchlich war . . . Die Erwähnung des Namens . . . ist daher keineswegs ein "Tauf- oder Geburtsakt", vielmehr ist die Ostarrîchi-Urkunde eher eine Art "Meldezettel"" und "als Zufall historischer Quellenüberlieferung zu werten".

Herbert Beer, Wolfpassing: Die Bezeichnung kommt "schon im 9. Jh. in der . . . Evangelienharmonie des Otfri(e)d von Weißenburg . . . für das gesamte ostfränkische Reich" vor.

Eine der Spuren zum Namen verfolgte Dr. Günter Fostel, Wien 18: Die "von E. J. Görlich (Historiker, 1905-1973, Anm.) vertretene Theorie stellt einen Bedeutungszusammenhang zwischen "Ostarrîchi" und "Noricum" her: Im keltisch-schottischen Gälisch heißt noch heute "noir" Ost und "righ" König, Königtum".

Unter den Zeitreisenden ist Ehrfurcht vor dem "im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München" aufgehobenen Pergament zu spüren. Dessen Reprint hat einen "Ehrenplatz" bei Klaus-Peter Josef, Tulln, der mit Details aufwartet: "Datiert mit Bruchsal (nahe Karlsruhe), 1. November 996, für Bischof Kotatscalhus (=Gottschalk) von Freising".

Blankoscheck

Rudolf Freiler, Lembach/Kirchschlag, weist darauf hin, dass das "Wort Ostarrîchi . . . irgendwann nach dem 1. November 996 geschrieben" wurde, denn "in der Hofkanzlei des Kaisers ist nur das Schlussprotokoll . . . ausgefertigt worden. Danach ist die Urkunde als Blankett (quasi ein Blankoscheck) an die Kanzlei des Bischofs von Freising geschickt worden."

Mathilde Lewandowski, Payerbach, recherchierte, wie der damals erst 16-jährige Herrscher signierte: ". . . mit einem "Vollziehungsstrich": Otto III. zog ihn zwischen den . . . Balken des "M"" in seinem Monogramm. "Besonders Außergewöhnliches" fand HR Dr. Walther Schubert, Wien 13, heraus: Auch "das . . . "A" in der unteren Mitte" schrieb der Regent, "in dieser Hinsicht sehr experimentierfreudig", selbst - was unüblich war.

Den zweiten Unterzeichner nennt Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: "Bischof, Kanzler Hildibald" von Worms (um 940998).

Der erste Babenberger-Markgraf auf dem Gebiet des heutigen Österreich, Leopold I., wird 994 von einem Pfeil tödlich verwundet, der seinem Vetter galt. - © Bild Patuzzi, Gesch. Österreichs, 1861. Repro: I. Friedenberger
Der erste Babenberger-Markgraf auf dem Gebiet des heutigen Österreich, Leopold I., wird 994 von einem Pfeil tödlich verwundet, der seinem Vetter galt. - © Bild Patuzzi, Gesch. Österreichs, 1861. Repro: I. Friedenberger

Damit zum Inhalt der Urkunde, mit der "30 sogenannte Königshufen (rund 1.000ha, Anm.) nebst allem Zubehör im heutigen Neuhofen an der Ybbs" verschenkt wurden, wie Frank von Zeska, Hamburg, festhält. Er merkt außerdem an, dass die "Urkunde erst zwischen 1002 und 1014 mit dem Siegel Heinrichs II. versehen" wurde. Gemutmaßt wird, dass das ursprüngliche Siegel Ottos III. abhanden gekommen war.

Wie man sich die später "Ostarrîchi" genannte Markgrafschaft im heutigen Niederösterreich vorstellen kann, beschreibt Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Ein "entlang der Donau eher spärlich besiedeltes und vielfach von Urwald bedecktes Gebiet . . . dürfte von 20.000 bis 30.000 Personen, einem Mischvolk von Baiern, Slawen, romanisierten Kelten und . . . Langobarden bewohnt gewesen sein, die Ackerbau . . . und Viehzucht . . . betrieben".

Einige Orte der Markgrafschaft, die teilweise erst mit den Erweiterungen bis 1000 an das Gebiet fielen, nennt Volkmar Mitterhuber, Baden: Ulmerfeld, Neuhofen/Ybbs (Niuuanhova), Wieselburg, Pöchlarn, Melk, Mautern/Donau, Krems/Donau, Göttweig, St. Pölten, Tulln, Leopoldsberg (Chalwenberge), Wien.

Bis zum Wienerwald

Prof. Helmut Bouzek, Wien 13: "Die Mark an der Donau - auch Ottonische Mark genannt - umfasste das Gebiet vom Traungau (Enns) bis zur Traisen . . . ðer Kaiser ernannte 976 einen "Marchio Liutpold" zum Markgrafen . . ., der sich als Leopold I. (auch Luitpold, um 923-994, Anm.) in . . . Geschichtsbüchern findet".

Laut Dkfm. Johann Filip, Wien 17, hatten die babenbergischen Markgrafen "innerhalb des Reiches eine Sonderstellung als verlässlicher Schutzfaktor gegen die Slawen und Magyaren".

Christine Sigmund, Wien 23, hält fest, dass der erste Markgraf im Kampf gegen Völker aus dem Osten "bis in den Wienerwald vordrang" und "den "hangenden Stein", bei Greifenstein" zur Reichsgrenze machte. "Besonders wichtig war die Sicherung der Donau", dem damaligen Hauptverkehrsweg.

Hildegard Rabel, Wien 1, erläutert, dass der Wienerwald Mons Comagenus, Tullner Berg, hieß und dass die wenigen Orte "wie Enns, Ybbs, Tulln . . . armselige, durch einen einfachen Erdwall und durch Holzpalisaden gesicherte Siedlungen" waren.