Der 24. August des Jahres 79 versprach ein schöner und heißer Sommertag zu werden", setzt Dr. Alfred Komaz, Wien 19, zu erzählen an. "Nur die Tierwelt ließ Zeichen von Unruhe erkennen." Kleinere Erdstöße am Vormittag nahm man in der Gegend um den Vesuv wohl noch gelassen hin. Doch es sollte die schlimmste Naturkatastrophe der Antike werden - die Gemeine zeichnet sie für die Orchideenfrage der Nro. 320 nach.

Der letzte Tag von Pompeji auf einem Gemälde von Karl P. Brjullow (um 1830). - © Bild: Archiv. Repro: Moritz Ziegler
Der letzte Tag von Pompeji auf einem Gemälde von Karl P. Brjullow (um 1830). - © Bild: Archiv. Repro: Moritz Ziegler

Mathilde Lewandowski, Payerbach: "Niemand rechnete mit einem Ausbruch des Vulkans, der seit . . . dem 8. Jh. v. Chr. als erloschen galt." Dabei hatte es schon Vorboten gegeben, so Hildegard Rabel, Wien 1: Um "63 n. Chr. hatte ein Erdbeben" Pompeji "teilweise zerstört." Dazu zitiert Klaus-Peter Josef, Tulln, den römischen Philosophen Seneca: "Tempel stürzten ein, . . . die ausströmenden Dämpfe töteten eine Schafherde von 600 Tieren . . . viele Menschen wurden wahnsinnig".

Herbert Beer, Wolfpassing: "Infolge des Erdbebens lockerte sich der Pfropfen, der den Schlot des Vulkans verstopfte."

Einstürzende Neubauten

Ca. 16 Jahre später war der Wiederaufbau noch im Gange, als es zur Katastrophe kam. Prof. Helmut Bouzek, Wien 13: "Um etwa 13 Uhr explodierte . . . mit einem fürchterlichen Knall der Lavapfropfen . . . Drei Tage lang wurden . . . Lavabrocken tausende von Metern in die Höhe geschleudert und vom Wind bis zu 70km in südöstliche Richtung getrieben."

Eine schwarze Wolke "machte den Tag zur Nacht", so Ing. Helmut Penz, Hohenau/March. Bald "prasselten vulkanische Asche, Staub, Lapilli (ital. Steinchen, Anm.) und schaumige Bimssteinstücke auf Pompeji nieder . . . Die Menschen gerieten in Panik, viele . . . versuchten zu flüchten." Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Skelette, die man später im Freien fand, haben oft einen eingeschlagenen Schädel". Doch auch in ihren Heimen waren die Bedrängten nicht sicher. "Unter dem "Brüllen" des Vesuvs hörte man die ganze Nacht das Krachen einstürzender Häuser."

Robert Porod, MBA, Frauenhofen b. Horn: "Ca. zwölf Stunden dauerte die erste Phase der Eruption. Durch das anschließende kurze Nachlassen des Druckes . . . kollabierte die aufsteigende Eruptionswolke und generierte dabei pyroklastische Ströme", eine tödliche Lawine aus Gesteinsbrocken, Gasen und heißer Asche. Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: Das Küstenstädtchen Herculaneum "wurde beim ersten Ausbruch nur mit einer geringen Ascheschicht bedeckt, erst durch die pyroklastischen Ströme, welche mit einer Temperatur von über 400°C und einer Geschwindigkeit von 100 bis 300km/h auf Herculaneum zurasten, starben die dort Verbliebenen binnen Sekunden".

Dieter Bittrich, Wien 2: "Am 25. August fand ein noch verheerenderer Ausbruch statt."

Blick auf Neapel und Vesuv von Westen (Standpunkt auf Plan durch Stern markiert). - © Bild: Archiv. Repro: Moritz Ziegler
Blick auf Neapel und Vesuv von Westen (Standpunkt auf Plan durch Stern markiert). - © Bild: Archiv. Repro: Moritz Ziegler

Am Ende hatten insgesamt "10.000 bis 20.000" Menschen ihr Leben verloren, so die Vermutung. Ing. Gerhard Saxinger, Wien 15: "Die Zahl der Toten ist . . . nicht rekonstruierbar."

Franz Kaiser, Wien 11: In Pompeji wurden "von den 20.000 Einwohnern" später "etwa 2000" Opfer gefunden.

Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: In Herculaneum zählte man "nur drei Tote" und nimmt daher an, dass "der größte Teil der Bevölkerung fliehen" konnte.

18-jähriger Beobachter

Viele dieser Details sind uns aus nur einer Quelle bekannt. Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf: "Die . . . Beschreibung . . . stammt von Plinius dem Jüngeren (ca. 61-113), Neffe und Adoptivsohn des Schriftstellers Plinius des Älteren" (geb. um 23). Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: Vom Jüngeren sind "zwei Briefe betreffend den Vesuv-Ausbruch . . . an Tacitus" überliefert. Maria Thiel, Breitenfurt: Der damals ca. 18-Jährige "hat ihn als Augenzeuge miterlebt".

Erwin Kladiva, Wien 14: Mit seiner Mutter und seinem Oheim weilte er "in Misenum, ca. 40km vom Vulkan entfernt", westlich von Neapel. MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: Plötzlich stieg "eine ganz ungewöhnliche Wolke . . . über dem Vesuv auf und verbreitete sich, einer Riesenpinie gleich, über den Himmel." Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz: "Getrieben von naturwissenschaftlichem Interesse und dem Wunsch zu helfen", fuhr der Onkel "mit seiner Flotte (er war der Präfekt der römischen Flotte in Misenum)" quer über den Golf nach Stabiae (auf der Karte unten unter dem späteren Namen Castellammare).

Dort übernachtete Plinius der Ältere. Tags darauf versuchte man, über das Meer zu fliehen. Christine Sigmund, Wien 23: Doch das Wasser war "zu unruhig . . . Der Schwefelgeruch" war "für ihn, als Asthmatiker, nicht zu ertragen. Am nächsten Morgen, er wirkte schlafend, war sein Leben vorbei . . ."

Kritische Worte fand Rudolf Freiler, Lembach/ Kirchschlag: "Edelmut und Dummheit sind wohl zwei Seiten einer Medaille, zumal er . . . auch die Schiffsbesatzung in Lebensgefahr brachte."