"WZ"-Inserat 1834 (l. o.); daneben Schwerthof auf alter Ansicht aus der mit Pfeil markierten Richtung; u.: Foto aus 2001, inzwischen ohne Turm. - © Archiv/Gemeinde Himberg (2)
"WZ"-Inserat 1834 (l. o.); daneben Schwerthof auf alter Ansicht aus der mit Pfeil markierten Richtung; u.: Foto aus 2001, inzwischen ohne Turm. - © Archiv/Gemeinde Himberg (2)

Applaus den beiden Geschichtsdetektiven Mathilde Lewandowski, Payerbach, und Dr. Manfred Kremser, Wien 18! Ihre Spurensuche in einer Marktgemeinde bei Wien zeigt: Himberg ist stets eine Zeitreise wert.

Zur Erinnerung: Das Geschichtsfeuilleton präsentierte im Vormonat eine Annonce aus der "Wiener Zeitung", die 1834 einen "Dominical-Freyhof" in Himberg zum Verkauf anbot. Offen blieb jedoch, ob bzw. in welcher Form das stattliche Anwesen heute noch existiert.

Geschichtsfreund Dr. Kremser schaute in alte Urkunden und fand heraus, dass sieben "von Abgaben befreite ("zehentfreye") Freihöfe" belegbar sind: Falkenhof, Fischhof, Gutenhof, Langhof, Rumpelhof, Schwerthof und Zehenthof (zeitweise waren auch andere Namen in Gebrauch).

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Doch welcher war der gesuchte? Obertüftlerin Lewandowski fragte kurzerhand im Himberger Gemeindeamt nach - und erhielt kompetente Auskunft, samt Bildmaterial (s.u.): Beim inserierten Objekt dürfte es sich um den Schwerthof handeln, heutige Adresse: Hauptstraße 1.

Die Wurzeln des Hauses gehen bis ins frühe 16. Jh. zurück. Ein Auszug aus der detailreichen "Chronik der Marktgemeinde Himberg" (1994) von Josef Past informiert u.a. über die Besitzer des Schwerthofs. 1761- 1769 gehörte er Maria Anna Gluck. Ihr Ehemann, Komponist Christoph Willibald Gluck, erneuerte in eben jenen Jahren das Musiktheater. Seine erste Reformoper "Orfeo ed Euridice" wurde 1762 in Wien uraufgeführt, 1767 folgte "Alceste" (vgl. Nro. 319).

Doch 1769 ließ Gluck sich von einem gewissen d’Afflisio bereden und investierte ins Burgtheater. Leider. Das Unternehmen scheiterte (s. S. VI). In einem Brief klagt der Musiker: "Meine Frau hat fast ihr ganzes Vermögen dabei zugebrockt". Teil davon war wohl auch der Schwerthof, der in diesem Jahr den Besitzer wechselte.

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Dampf und Donauwasser - die Mischung hat es DI Dr. Luzian Paula, Wien 3, angetan. Zum Artikel über den Einsturz der Wiener Reichsbrücke 1976 (s. Nro. 323) ergänzt er: Das Unglück verhalf der Dampflok im Weinviertel "zu einem kurzen Revival". Denn: "Durch die Zerstörung der Oberleitung der Donauuferbahn" mussten die Weinviertler Dieselloks kurzfristig in Wien aushelfen. Und auf dem Land schnaubten noch einmal die alten Dampfrösser.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner