Vor kurzem feierte die Tageszeitung "Die Presse" ihr 165jähriges Jubiläum - Grund genug, der jungen Kollegin Blumen zu streuen! Und einen Blick auf ihre allererste Ausgabe vom 3. Juli 1848 zu werfen: "Gleiches Recht für Alle" prangt oben als Motto. Eine Delikatesse für Feinschmecker der Wiener Zeitungshistorie sowie der "Wiener Zeitung"-Historie ist aber die allerletzte Zeile dieser Nummer. Dazu später.

Ins Leben gerufen wurde "Die Presse" von August Zang, der zuvor in Paris sein Geld verdiente, mit Wiener Kipferln. Als 1848 in der Habsburgermonarchie die Zensur fiel, übersiedelte er in die Donaumetropole und machte Zeitung - keine ungefährliche Angelegenheit in diesen stürmischen Tagen, weder für Herausgeber, noch für Journalisten und auch nicht für Drucker.

Wer also hob "Die Presse" druckfrisch aus der Taufe? Man blättere nun zur letzten Seite der ersten "Presse". Hier steht: "Gedruckt bei den Edlen v. Ghelen’schen Erben".

Diese angesehene Offizin mit langer Tradition hatte 1721 das Privileg für das "Wiennerische Diarium" erworben. Seitdem verlegte sie das Blatt, das ab 1780 "Wiener Zeitung" hieß. Die großformatigen Bögen der 1848 gegründeten "Presse" durchliefen also für einige Zeit dieselben Druckmaschinen wie die "Wiener Zeitung". Diese hatte damals schon fast 145 Jahre auf dem Buckel und gerade turbulente Ereignisse hinter sich.

Die Druckerei hatte bereits im 17. und 18. Jh. unter ihrem Gründer Johann van Ghelen, bzw. dessen Sohn Johann Peter, auf höchstem Niveau gearbeitet. 1832 wurde in dieser Firma (inzwischen unter Nachfolgern, den sog. "Erben") die erste Schnellpresse Wiens aufgestellt. Damit konnte die Auflage gegenüber den früheren Handpressen um ein Vielfaches gesteigert werden. Ohne diese (1811 erfundene) Innovation wäre die Flut an Zeitungsneugründungen von 1848 kaum möglich gewesen. Viele waren reine Eintagsfliegen.

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Nicht nur "Wiener Zeitung" und "Presse" können im digitalen Archiv der Nationalbibliothek (anno.onb.ac.at) durchforstet werden, sondern auch ganz andere Blätter. Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, stöberte in diversen Gazetten (s. S. VIII), u.a. in der "Oesterreichischen Illustrirten Zeitung" von 1894. Sie setzte auf Geschichte(rl)n wie diese: Mann begeht furchtbares Verbrechen an Frau. Er zwingt sie, ihn zu rasieren - in einem fahrenden Zug! Fazit Dr. Zemann: "1894 muss das Zeitungsgeschäft seine eigenen Reize gehabt haben . . ." Nicht wenige mögen über dieses einstige Stückerl Boulevard gelächelt haben. Nun ja, auch heute soll es im Blätterwald Stoff zum Lächeln geben . . .

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner