Aus "Stillleben mit Frosch" (auf Münze). Bild: G. Flegel, 17.Jh.
Aus "Stillleben mit Frosch" (auf Münze). Bild: G. Flegel, 17.Jh.

Was ist das: Ein "Ding, erst harmlos erdacht zur Bequemlichkeit der Menschen (...) - dann (...) Dinge und Völker mischend in steigendem Verkehr, der feinste Nervengeist der Volksverbindungen - endlich ein Dämon, seine Farbe wechselnd, statt Bild der Dinge selbst Ding werdend, ja einzig Ding, das all die andern verschlang, ein blendend Gespenst, dem wir, als wäre es Glück, nachjagen"?

Was Adalbert Stifter (1805-1868) um 1840 so treffend charakterisierte, ist das Geld. Seine Mechanismen, die der Schriftsteller, Maler und Pädagoge klarsichtig formulierte, sind nach wie vor dieselben: Sein "leichter Verkehr (...) reizt zur Anhäufung, sein Allwert lockt zum Erwerb, dieser, der saure, zum Genuß als Lohn; und dieser (...) reizt zur Steigerung, weil keiner dem lechzenden Herzen hält, was er versprach, und so geht es fort; wieder Erwerb, wieder Genuß, immer steigend, immerzu - größerer Gewinn, größerer Genuß (...) Und so in toller Verkehrtheit des Begriffes "Glück" jagen Völker, jagt fast die Menschheit in zitternder Hast nach der Wechselmarter: Erwerben und Verzehren".

Zum Schmökern in Stifters Werk "Aus dem alten Wien" (auch unter dem Titel "Wien und die Wiener" erschienen), aus dem die zitierten Passagen stammen, verlockte ein Fingerzeig von Dr. Luitgard Knoll, Wien 19. Das Kapitel "Warenauslagen und Ankündigungen" führt durch das biedermeierliche Shoppingparadies Wien, wo "an gewissen Plätzen (...) streckenlang kein einziges Mauerstückchen des Erdgeschosses zu sehen ist, sondern lauter aneinandergereihte elegante, hohe Gläserkästen, in denen das Ausgesuchteste funkelt und lockt."

Komplizen dieser "Mittel des Luxus und der Eitelkeit" sind - so Stifter - die Medien mit ihren Ankündigungen. Allen voran "die Wiener Zeitung, wo hinter dem politischen und dem Amtsblatte die bunte Schar der Anzeigen folgt." Hier buhlen "in drolliger Nachbarschaft" zum Beispiel Blutegel, Grazer Zwieback und unendlich billige Hemdknöpfe um Aufmerksamkeit (Kostproben dieser Annoncen füllen monatlich die Zeitreisen-Rubrik ZERLESEN, siehe gegenüberliegende Seite). Danke an Spurensucherin Dr. Knoll für diesen erstaunlichen Fund!

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Gemeine-Mitglied Brigitte Weiser, Wien 8, berichtete dem Zeitreisenteam von der Lektüre des 1882 erschienenen Romans "L’Adultera" (d.h. "Ehebrecherin") von Theodor Fontane (1819- 1898) und empfiehlt das Werk mit den Worten: "wunderbar geschrieben, schöne Sprache, spannend"!

Das Grundthema ähnelt dem der "Effie Briest" (erstmals ab 1894 als Fortsetzungsroman erschienen): Eine junge Frau geht eine ruinöse Zweckehe mit einem älteren, aber wohlhabenden Mann ein.

Mit düsteren Worten bedachte Fontane den Mammon: "Wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um", schrieb er in einem Brief, "je älter ich werde, je tiefer empfinde ich . . . den Fluch des Goldes." Adalbert Stifter hoffte sogar, dass das "blendend Gespenst" einst überflüssig werden würde - "und somit rolle das Geld seinem Zwecke und seiner Bestimmung entgegen." Pragmatischere Ansichten hatte Heinrich Heine (1797-1856): "Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner