Treuer Erdbegleiter. - © Bild: Archiv Repro: I. Friedenberger
Treuer Erdbegleiter. - © Bild: Archiv Repro: I. Friedenberger

Der Wiener Hofastronom Maximilian Hell (1720-1792) schüttelte den Kopf, als er in der "Mannheimer Zeitung" von einer Entdeckung zweier Kollegen las: Christian Mayer (1719-1783), Hofastronom in Mannheim und - wie Hell - Jesuit, hatte mit seinem Assistenten Johann Metzger aus der Beobachtung von hunderten Fixsterntrabanten oder Doppel(t)sternen eine Theorie abgeleitet. Doch in Hells Augen hatten sie einen groben Fehler gemacht.

Pater Hell veröffentlichte daraufhin am 8. November 1777 einen vernichtenden Aufsatz im "Wienerischen Diarium" (das erst 1780 in "Wiener Zeitung" umbenannt werden sollte). Der Grimm über diesen "Herr(n) Mayer mit seinem Herrn Adjunkten" spricht deutlich aus den Zeilen heraus. Und vielleicht auch ein bisschen Schadenfreude über den Irrtum, den Hell den Mannheimern nun öffentlich unter die Nase rieb: Bei dem, was sie gesehen hätten, handle es sich nämlich nicht um Trabanten, also Planeten umkreisende Himmelskörper, sondern um eigene kleine Fixsterne, die nahe an anderen Fixsternen wahrgenommen werden. Hells Erklärung für das Zeitungs-Publikum: "dergleichen Sterne scheinen nur beysamm zu seyn auf jene optische Art, wie Bäume in einem Walde, die doch von einander sehr weit entfernt stehen."

Neu sei das Phänomen aber keineswegs, sondern schon zu Zeiten Tycho Brahes (1546-1601) bekannt; ja er, Hell selbst, habe deswegen bereits 1759 an die Pariser Akademie der Wissenschaften geschrieben . . .

Zur Ehrenrettung Mayers notiert Weltraum-Zeitreisender DI Ewald Pangratz, Wien 13, der auf die Gelehrtenfehde aufmerksam machte, dass letztlich beide Seiten nicht völlig recht behalten sollten. "Damals, 1777, war die Astronomie eben noch viel weniger weit als heute." Tüftler DI Pangratz nennt auch die Quelle dieser Geschichte: Das kenntnisreiche und dennoch gut lesbare Werk "Die Himmelskunde" (1965) von Willy Ley.

Der 1906 in Berlin geborene Raketenforscher und Wissenschaftspublizist Ley wirkte schon 1929 in Deutschland an einem bemannten Mondflug mit, allerdings nur für die Leinwand: Er fungierte als technischer Berater für Fritz Langs "Die Frau im Mond", einem der letzten großen Stummfilme. Dort wird eine Mannschaft (samt Frau) per Rakete zum Mond geschossen. Die echte Mondlandung versäumte Ley um dreieinhalb Wochen - er starb am 24. Juni 1969 in New York an einem Herzinfarkt.

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Sind die deutschen Dichter alle mondsüchtig? Ein Lyrik-Bändchen, das Spurensucherin Gertrude Pflügler, Kamp/NÖ, dem Zeitreisenteam schickte, könnte diesen Eindruck vermitteln. Blättert man im "Hausbuch deutscher Lyrik", gesammelt von Ferdinand Avenarius (1856-1923), so lacht einem der Mond dutzendfach entgegen. Hier einige Kostproben poetischer Sicht auf den Erdtrabanten:

"Der Mond ist aufgegangen, / Die goldnen Sternlein prangen / Am Himmel hell und klar" (Matthias Claudius, 1740-1815);
"Der Mond kommt spät. Er glotzt mir tief / Durchs Unterholz entgegen; / Sein Antlitz rot, verstört und schief, / Als käm er von Trunk und Schlägen" (Hugo v. Blomberg, 1820- 1871);
"Füllest wieder Busch und Tal / Still mit Nebelglanz, / Lösest endlich auch einmal / Meine Seele ganz" (J. W. v. Goethe, 1749-1832).

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner