Humanistisch gesinnte Menschen (im Gegensatz zu den Elektrotechnikern) befreunden sich schwer mit einer neuen Erfindung", stellte Anton Kuh scharfsichtig fest. "Lange Zeit steht das technisch Neue in ihrem Dasein wie ein trojanisches Pferd, das die Götter zur Versuchung ins Leben hineinpraktiziert haben. Sie stehen am Anfang eines Wunders, wenn die anderen es bereits fingerkundig bedienen; . . . sie denken zuerst an den Weltuntergang und dann erst an die Menschheitsentwicklung." Kuh, ein wenig auf "Bruder Bastler" herabblickend, zählte sich zur Gattung der Humanisten und gab kokett zu: "Ich fürchte mich vor dem Radio."

Dieser Text erschien Ende April 1930. Manche Gefahren, die der Autor Kuh (1890-1941) darin dem neuen Medium Radio zuschreibt (Informationsflut, seichte Inhalte etc.), sieht man heute im Internet. Und sah man im 15. Jh. in Gutenbergs Druckerpressen. Für humanistisch gesinnte Menschen mag das ein Trost sein.

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HR Dr. Walther Schubert, Wien 13, Jg. 1930, erinnert sich noch gut an die per Uhrwerk eingeschalteten Gaslaternen (s. Nro. 333). Dazu ergänzt DI Ewald Pangratz, Wien 13: "Die Uhrwerke waren eine Spezialanfertigung mit sieben Tagen Laufzeit. Jede Woche kam der Laternenanzünder, zog das Uhrwerk auf und verstellte Beginn und Ende der Brennzeit gemäß dem Fortschreiten der Jahreszeiten. Diese . . . mechanischen Bauteile, deren Lebensdauer diejenige heutiger Elektronik um ein Vielfaches übertraf, wurden nach Ende der Gasbeleuchtung in . . . Radiobastelgeschäften wohlfeil angeboten."

Aus seiner Zeit als Realschüler in der Meidlinger Erlgasse erinnert sich DI Pangratz (Jg. 1940) an "Schulkameraden, die Schaltungsvorschläge der . . . Beilage der Zeitschrift "Funk und Film" (Titel des Supplements: "Der Radiopraktiker", Anm.) . . . umsetzten und solche alten Gaslaternenuhren zum Einschalten des Radios bei bestimmten Sendungen benützten". DI Pangratz hat "mit dem Selbstbau von Radios erst nach der Matura mit dem Aufkommen der Transistortechnik begonnen . . . All das ist längst zu Ende, . . . Kenntnis und Bezeichnung technischer Daten der Transistoren . . . versinken im Dämmer der Geschichte."

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Ebenfalls in der Tiefe der Zeiten versunken ist die Berufsgruppe der Gaskassiere. Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, trägt eine Rechnung der privaten "Oesterreichischen Gasbeleuchtungs-Actien-Gesellschaft" nach, ausgestellt 1917 auf den "P.T. Gaskonsumenten" Josef Horacek in Kaltenleutgeben (Anm.: "pleno titulo"=höfliche Ansprache für Personen, deren Titel man nicht kennt). Auf der Rückseite steht ein Satz, der bei vielen für Unruhe sorgte: "Wird die Gasrechnung bei der Präsentierung nicht bezahlt, so kann die weitere Gaslieferung eingestellt werden."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner