Einblick in ihre Familiengeschichte gewährten Zeitreisende mit den Recherchen zur Nuss Nro. 331 über Auswanderer. So berichtet etwa Maria Thiel, Breitenfurt: "Ich selbst habe Verwandte . . . (aus Gerersdorf bei Güssing, Bgld.), die nach New York ausgewandert sind; . . . man schickte uns in der schweren Nachkriegszeit . . . so manches Paket und auch Dollar-Scheine".

Doch nicht allen Exilanten war finanzielles Glück beschieden - und viele verloren den Kontakt zur Heimat, wie u.a. Dr. Alfred Komaz, Wien 19, schreibt: "Auch in meiner Familie ist ein Bruder meiner Urgroßmutter in den 1880er-Jahren . . . in die Gegend von Chicago ausgewandert." Er fand "in einem dortigen Stahlwerk Arbeit" und hatte "Kontakt mit anderen Steirern. Weiter haben wir nichts mehr von ihm gehört; sein Familienname kommt . . . in allen möglichen phonetischen Schreibweisen noch heute in den USA vor".

Auswanderer um 1850 bei der Ankunft im Hafen von New York auf einem Paketschiff. - © Bilder: Archiv. Repro: Stefan Koch
Auswanderer um 1850 bei der Ankunft im Hafen von New York auf einem Paketschiff. - © Bilder: Archiv. Repro: Stefan Koch

Auch Dr. Karl Beck, Purkersdorf, hat ein "Auswandererschicksal" in der Familie: "Eine Verwandte (ein junges Mädchen) . . . ließ sich vor dem Ersten Weltkrieg nach Amerika einschiffen. Eine Postkarte . . . besagte, dass sie auf dem Schiff sei. Dann hörte man nichts mehr von ihr."

Elisabeth Somogyi, Wien 11: "Wenn in einer burgenländischen Ortschaft die Nachricht vom Tod eines Auswanderers oder seiner Nachkommen eintrifft, dann werden auch heute noch die Glocken zum Totengedenken geläutet."

Eine Nebenbemerkung bringt Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, an: "Ich lebe hier im Mittelburgenland in einem kleinen Dorf mit zweisprachigen Ortstafeln, aus dem "schon immer" Maurer und Händler . . . in Wien ihr Auskommen suchten. Im Sprachgebrauch der älteren Generation hat das "Auswandern auf Beč (Wien)" geheißen."

Colônia Tirol

Chapeau an jene Gemeine-Mitglieder, die in alten Ausgaben der Zeitreisen bzw. der "Wiener Zeitung" zu diesem Thema fündig wurden. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, schlug nach, dass unser Blatt 2001 titelte: "Chicago, die größte Stadt des heutigen Burgenlandes". Um 1970 lebten ca. "30.000 Burgenländer in Chicago, was damals etwa der dreifachen Einwohnerzahl der Landeshauptstadt Eisenstadt entsprach".

Gerhard Toifl, Wien 17, erinnert sich richtig, dass Tiroler Auswanderer bereits "Thema in den Anfängen der Zeitreisen-Nüsse" waren - genauer gesagt in Nro. 186 im April 2004, als nach einer "österreichischen Verbindung" zu Brasilien gefragt wurde.

Brigitte Schlesinger, Wien 12, erzählte damals von Verwandten, die nach Brasilien ausgewandert waren. Zur aktuellen Exil-Nuss nennt sie Siedlungen, die von Menschen aus der damaligen Region Tirol in Südamerika (mit)begründet wurden. In Brasilien: Colônia Tirol und Dreizehnlinden; in Argentinien: Puerto Tirol; in Peru: Pozuzo; und in Chile: Punta de los Bajos. Zu diesem Dorf merkt die Tüftlerin an: In Chile suchten "nicht (nur) verarmte Wirtschaftsflüchtlinge eine neue Existenz", sondern auch mittelständische Bauern, Unternehmer und Intellektuelle, darunter von der gescheiterten Revolution 1848 "enttäuschte "Freidenker"".

Zum abgelegenen Ort Pozuzo merkt Maria Schoßmann, Wien 19, an: "Im Juli 1859, etwa zwei Jahre nach der Abreise . . ., erreichte von den 300 aufgebrochenen Europäern" gut die Hälfte ihr Ziel. "1868 folgte eine zweite Gruppe mit etwa 200 Tirolern und Bayern." Volkmar Mitterhuber, Baden, ergänzt, dass die Ankömmlinge zunächst enttäuscht wurden: "Der von Peru vertraglich zugesicherte Saumpfad . . . in die neue Kolonie Pozuzo" war noch nicht gebaut. Die Familien beschlossen, ihn selbst zu errichten. "Die versprochene Straße wurde von der peruanischen Regierung erst . . . 1976 (!) fertiggestellt".

Mathilde Lewandowski, Payerbach, recherchierte zu "Dreizehnlinden", dessen Gründer der Tiroler Andreas Thaler war: Er hatte als österreichischer Landwirtschaftsminister 1926- 29 und 1930/31 "schon oft Subventionen für seine Auswanderungspläne verlangt", um Bauern, die mit dem Preisverfall im eigenen Land kämpften, eine neue Existenz zu ermöglichen.

Religion, Fest und Milch

Einen Nebenpfad beschreitet Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: "Während des Zweiten Weltkrieges war . . . in ganz Brasilien . . . Deutsch verboten." Dadurch war "die deutsche Sprache nun zum Großteil" in Dreizehnlinden/Treze Tilias ausgestorben.

Erwin Kladiva, Wien 14, berichtet, dass in dem Ort "jährlich Mitte Oktober . . . ein Tirolerfest" gefeiert wird. Und dass sich dort "die Molkerei "Tirol", die zweitgrößte Molkerei in Brasilien" befindet.

Damit zur nächsten Teilfrage rund um Salzburger, die im 18. Jh. nach Nordamerika gingen. Herbert Beer, Wolfpassing: "Das Salzburger Emigrationspatent des Erzbischofs Leopold Anton von Firmian ordnete 1731 die Ausweisung der . . . Salzburger Protestanten an", tausende Menschen mussten fliehen. Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: Die meisten "Exulanten wurden von Preußen aufgenommen. Einige wenige hundert . . . kamen über Brandenburg-Preußen nach Nordamerika." Details liefert Manfred Korinek, Wien 14: 1734 zogen diese "den Savannah River (im heutigen US-Bundesstaat Georgia, Anm.) landeinwärts, wo sie . .. den Ort Eben-Ezer gründeten."