Fleischer mit Vieh und Hund. - © Bild: Archiv. Repro: M. Ziegler
Fleischer mit Vieh und Hund. - © Bild: Archiv. Repro: M. Ziegler

Die wilden Viehherden aus Ungarn, die seinerzeit durch die Landstraßer Hauptstraße in die Stadt herein getrieben wurden, wirbelten viel Staub auf. Bevor der Auftrieb losging, warnte man die Bewohner der Wiener Vorstadt, Haustore mussten schleunigst geschlossen, Marktstände abgebaut werden. Jeden Freitag lockte das Spektakel viele Schaulustige an, nicht selten kam es zu, mitunter tödlichen, Unfällen.

Ziel des Zuges war - so ergänzt Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, zum Stubentor-Artikel auf S. I der Nro. 334 - der Ochsenmarkt (auch Ochsengries), der bis ins 18. Jh. am Wienfluss, etwa in der Gegend des heutigen Heumarktes, abgehalten wurde. Dann übersiedelte er vor das Stubentor, dorthin, wo sich jetzt die Station Wien Mitte befindet. Damals erhielt er auch hölzerne Stände für das Vieh, das direkt vor Ort geschlachtet wurde. Erst als im 19. Jh. die riesigen Schlachthöfe u.a. in St. Marx entstanden und der Viehmarkt aus der Stadt hinaus wanderte, verschwand das blutige Handwerk der Fleischhauer immer mehr aus dem Blickfeld der Städter. Während Fleischesser einst regelmäßig die quicklebendigen Tiere sahen, die später auf ihren Tellern landeten, müssen menschliche Karnivoren der Gegenwart ihrem Essen selten in die Augen schauen.

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Wandelt man heute auf dem einst blutgetränkten Boden des ursprünglichen Ochsengries an der Wien ("Gries" bezeichnete abgelagerten Sand und Kies an Fließgewässern), kommt man auch zu einem Platz zwischen Lothringerstraße und Ring, auf dem seit 1880 das Denkmal eines großen Komponisten thront. Gleichzeitig ist er die Lösung zu einer von Mathilde Lewandowski, Payerbach, angeregten Spezialnuss, an der sich die Gemeine ausnahmsweise vergeblich die Zähne ausgebissen hat. Gesucht war jener Tonsetzer, der sich über "Fuchswedler" lustig machte. Wir wollen den Tüftlerkreis nicht länger auf die Folter spannen: Es war Ludwig van Beethoven.

Der Pfad zur richtigen Antwort führt über einen gut versteckten Umweg. In der Erzählung "Beethovens Gang zum Glück" des Grazer Autors Rudolf Hans Bartsch (1873-1952), tritt Beethoven nicht nur als grimmiger Wüterich, sondern auch als gut aufgelegter Scherzbold auf. In seiner Bleibe im Magdalenenhof in der Badener Frauengasse soll er anstelle einer Türglocke einen Fuchsschwanz montiert haben, der dem Schwerhörigen ein sichtbares Signal gab. Doch meist rührte sich der Meister nicht, wenn wieder einmal so ein "scheißfreundlicher" Besucher Einlass begehrte. In der Novelle (sie trägt den Untertitel "Nach einer wahren Begebenheit", schöpft aber aus dem Vollen dichterischer Freiheit) heißt es: "Nur Grillparzer . . . durfte den Mahnungsbüschel so lange und wild und bizarr beuteln, bis Beethoven lachen musste"; der Gast wurde eingelassen, Wein aufgetischt und gemeinsam über die Fuchswedler gescherzt.

Tüftlerin Lewandowski hat eine Theorie, warum niemand auf den gebürtigen Bonner kam, den die Nachwelt nur mit nach unten zeigenden Mundwinkeln kennt: "Wer kann sich schon einen lustigen, lachenden Beethoven vorstellen"?

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner

Die Ochsen aus Ungarn kommen!