Tomo Chachi , der edle Häuptling, saß 1734 mit Salzburgern in einem Boot (hier mit seinem Neffen). - © Quelle: S. Urlsperger, "Ausführliche Nachricht...", Halle 1741
Tomo Chachi , der edle Häuptling, saß 1734 mit Salzburgern in einem Boot (hier mit seinem Neffen). - © Quelle: S. Urlsperger, "Ausführliche Nachricht...", Halle 1741

Ich bin ein armer Exulant, / Also muß ich mich schreiben, / Man tut mich aus dem Vaterland / Um Gottes Wort vertreiben." So beginnt ein Lied, das Salzburger Protestanten auf ihrem Weg ins Exil begleitete. Verfasser Joseph Schaitberger (1658- 1733), Bergmann aus dem salzburgischen Dürrnberg und protestantischer Glaubenskämpfer, musste seine Heimat 1686 verlassen und ging nach Nürnberg. Ergänzend zur Zeitreisen-Hauptgeschichte im Juli geht Spurensucher Helmut Wilhelm Markel, Kustos des Evangelischen Diözesanmuseums Murau/ Stmk. (Dankeschön und Kompliment!), auf diesen wichtigen Mann und sein Umfeld ein: Als unter Fürsterzbischof Firmian die Vertreibung 1731/32 einen Höhepunkt erreichte, lenkte Schaitberger "den Zug der Exulanten, der in der unmenschlich kalten Winterszeit angetreten werden musste, über Augsburg", wo Samuel Urlsberger (auch Urlsperger) protestantischer Stadtpfarrer war. Wie Kustos Markel betont, hatte Urlsberger familiäre Wurzeln in Murau. Er motivierte die Augsburger Bürgerschaft, welche "die Exulanten nur . . . vor den Stadtmauern biwakieren lassen wollte, dazu, die Glaubensflüchtlinge in die Stadt einzulassen, damit sie von Gastfamilien . . . aufgepäppelt werden konnten", bevor sie weiterzogen.

Ein hartes Los erwartete jene, die ihre Hoffnungen auf die Niederlande setzten: "Der Gesandte aus Holland", so Tüftler Markel, "versprach den Exulanten Land und Starthilfe . . . Sie wurden aber nicht gastlich aufgenommen", sondern "in Sumpfregionen . . . transportiert". So "kamen schon in den ersten Jahren angeblich über 80 Prozent an Gelbfieber um."

Besser erging es jenen, die den weiten Weg über den Atlantik antraten. "Eine Passage nach Amerika war auch damals (1734) schon kein billiges Unternehmen", so Zeitreisender Markel. Wie konnten sich die armen Exulanten das leisten? Pfarrer Urlsberger, der einige Zeit in London verbracht hatte, "nützte seine guten Beziehungen zum Adel von England dazu, Sponsoren für die Passage(n) . . . nach Savannah in Georgien" (= Georgia) zu gewinnen.

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Zum Zielhafen an der amerikanischen Ostküste ergänzt Zeitreisender Wolfgang Riemer: Die Stadt Savannah liegt an der Grenze der Südstaaten Georgia und South Carolina. Auch wenn es die Ankömmlinge besser trafen als jene, die nach Holland gingen, so war das Leben in der Neuen Welt schwierig genug: Das Gebiet, das man den Siedlern zuwies, war weitgehend sumpfig und der Gesundheit nicht zuträglich, so Geschichtsfreund Riemer.

Der erste Eindruck, den die Flüchtlinge vom fremden Kontinent bekamen, war jedoch ein freundlicher. Auf einem der Schiffe reiste eine Gruppe Indianer um Häuptling Tomo Chachi Mico, der London besucht hatte und die Auswanderer, um die er sich hilfsbereit kümmerte, nach Amerika begleitete - die Zeitreisen berichteten. Das Porträt (aus einer in den 1740ern publizierten Schrift Urlsbergers) sei hiermit ergänzt.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner