Eine "spezielle Form von Lokalpatriotismus" attestiert Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf (danke für Ansichtskarten!), den Bewohnerinnen und Bewohnern der äußeren Bezirke Wiens. Ein Beispiel: "Meine spätere Ehegesponsin hat in Gersthof gelebt und hätte strikt abgelehnt, sich in Währing verorten zu lassen." Wie aus einer Gersthoferin dennoch eine - zumindest den Bezirksgrenzen nach - Währingerin werden konnte, war Gegenstand der Frage 1 der Nro. 354.

Die Eckdaten nennt MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Mit Inkrafttreten des Eingemeindungsgesetzes" vom "Dezember 1890" wurden ca. 40 außerhalb des Linienwalls gelegene Vororte sowie Teile von Gemeinden angegliedert. "Am 1. Jänner 1892 nahmen die neuen magistratischen Bezirksämter ihre Tätigkeit auf."

Doch was so einfach klingt, war ein mühsamer Prozess. Nachdem 1850 bereits die Vorstädte mit der Donaumetropole verschmolzen worden waren, "begann in den 1870ern die Diskussion um die Eingemeindung der Vororte", so Herbert Beer, Wolfpassing.

Einen Anlass nennt Brigitte Schlesinger, Wien 12: Durch die "1829 eingeführte Verzehrungssteuer, eine Abgabe . . . v.a. auf Lebensmittel" waren die Preise in der Stadt "wesentlich höher" als im Umland. Durch das unterschiedliche Preisniveau kam es "zu einer für Wien nachteiligen Entwicklung."

Brandrede des Kaisers

Der letzte Weinhauser Bürgermeister Sebastian Mayer wurde 1888 Ehrenbürger der Gemeinde. - © Foto: DI Jörg Mayer (danke!)
Der letzte Weinhauser Bürgermeister Sebastian Mayer wurde 1888 Ehrenbürger der Gemeinde. - © Foto: DI Jörg Mayer (danke!)

Eine treibende Kraft der Stadterweiterung nennt Dr. Manfred Kremser, "seit mehr als 43 Jahren" in Wien 18 zu Hause: Dr. Leopold Florian Meissner, Polizeibeamter, später Rechtsanwalt und Erzähler. Er "war als Kommunalpolitiker in Währing . . . und Hernals tätig" und ein "unermüdlicher Kämpfer für Groß-Wien".

Doch von der Idee waren weder die liberale Stadtverwaltung (wegen befürchteter Kosten) noch die meisten Vororte begeistert. Dr. Alfred Komaz, Wien 19 (von "der Volksschule bis zum Abschluss der Universität" in Wien 18 daheim): "Nur in Währing (und Untermeidling) gab es eine Mehrheit für die Eingemeindung! So geschah erst einmal nicht viel." Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.- Wagram, weiter: Anlässlich der Eröffnung des Türkenschanzparks 1888 "hielt Kaiser Franz Joseph eine Rede. Er sprach darin seine Hoffnung aus, dass die Vororte . . . mit der Reichshauptstadt vereinigt würden."

Manfred Bermann, Wien 13, weist darauf hin, dass eine Gedenktafel im Park an die allerhöchste "Brandrede" erinnert. U.a. ist darauf die Formulierung des Kaisers zu lesen, dass die Vororte "keine physische Grenze von der alten Mutterstadt scheiden soll".

Andere Fossilien der Grünanlage im 18. Bezirk führt Christine Sigmund, Wien 23, an: Man fand hier Reste vom Milchgebiss eines Wollnashorns.

Ganz in der Nähe befindet sich das Cottageviertel, so Dr. Friedrich Zeinler, Wien 2, eine Siedlung von Privatvillen mit Gärten.

Hartnäckige Heilige

Die Orte, die den Bezirk bildeten, nennen Gerhard Toifl, Wien 17, sowie DI Wolfgang Klein, Wien 21: Währing, Weinhaus, Gersthof, Pötzleinsdorf, Neustift am Walde und ein Teil von Salmannsdorf. Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, ergänzt, dass die beiden zuletzt genannten Bezirksteile 1938 großteils "Döbling zugeschlagen wurden."

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: "Die hintereinanderliegenden Orte" Währing, Weinhaus, Gersthof und Pötzleinsdorf "stellen quasi eine Kette dar."

Die "Leitlinie" bildet (wie in Ottakring und Hernals) "das Bett eines . . . zur Donau eilenden Baches" (vgl. dazu auch Karte in Nro. 337), stellt Mathilde Lewandowski, Payerbach, fest. Neustift am Walde und Salmannsdorf liegen hingegen "schon im benachbarten Tal".

Neotüftler und seit kurzem Präsident des Museumsvereins Währing Dr. Michael Pronay, Wien 18 (willkommen in der Gemeine!), widmete sich der verkehrstechnischen Anbindung Neustifts und Salmannsdorfs an die Stadt Wien. Sie erfolgte durch die Einwölbung des Krottenbachs und die Schaffung der Krottenbachstraße, die bis in die Zwischenkriegszeit dauerte.

Auf einen verkehrshistorischen Nebenpfad begibt sich auch Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: "Die erste Wiener Obuslinie (damals nannte man sie "Gleislose Bahn") fuhr vom 14. Oktober 1908 bis 30. Oktober 1938 von Pötzleinsdorf nach Salmannsdorf."

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10 ("über 50 Jahre in Döbling beheimatet"), wirft ein, "dass das Währinger Bezirkswappen erst 1986 (!) der unfreiwilligen Gebietsminderung "angepasst" wurde": Der Hl. Sebastian (Salmannsdorf) und der Hl. Rochus (Neustift) verschwanden daraus. Es blieben "Laurentius (Währing), Ägydius (Pötzleinsdorf), Nepomuk (Gersthof)". Die Patrone von Weinhaus sind Josua und Kaleb.

Elisabeth Somogyi, Wien 11: Knapp "90% der über 68.800 Einwohner lebten im Bezirksteil Währing; es war daher logisch, dass der neue Bezirk diesen Namen erhielt".

"Währing wird erstmals im Zuge eines Rechtsstreits erwähnt", so Dieter Bittrich, Wien 2: "Abt Walther vom Kloster Michaelbeuern (Sbg., Anm.) kaufte einen Weingarten "sitam in possessione nostra Warich"" (= in unserer Besitzung Warich gelegen). Es kam zum Streit, den Heinrich II. Jasomirgott schlichtete. Da dieser 1177 starb, muss die Erwähnung vorher erfolgt sein.