Theodor Fontane (1819-1898) schrieb in hohem Alter seinen bekanntesten Roman "Effi Briest". - © Bild: Archiv
Theodor Fontane (1819-1898) schrieb in hohem Alter seinen bekanntesten Roman "Effi Briest". - © Bild: Archiv

Von einer "rätselvollen Buchstabeninschrift", die sich auf dem Portal einer Burgruine im Wienerwald befindet, ist die Rede in einem Roman von Theodor Fontane. "O.H.I.N.N." lautet das in verfallenen Stein gemeißelte Mysterium, das im Buch vorkommt. In welchem Werk des Schriftstellers die Stelle zu finden ist, weiß Mag. Susanna Michner, Wien 9: In Fontanes 1884 erschienenen Roman "Graf Petöfy". Die Inschrift steht "auf dem Portal der Ruine Merkenstein". Gelüftet wird das Geheimnis nur im Scherz: Denn, so heißt es im Roman, "nur der Wiener Witz [habe] bis dato die Deutung dafür gefunden". DI Eva Baumgartner, Gablitz, zitiert den Schmäh: "Oesterreich Hinkt Immer Noch Nach".

Mit der Frage, was hinter der Abkürzung tatsächlich stecken könnte, wandte sich Mathilde Lewandowski, Payerbach, an das Theodor-Fontane-Archiv der Universität Potsdam, dem jedoch keine Hinweise auf eine weitere Erklärung zur Bedeutung der Buchstabenreihe bekannt sind.

Tüftlerin Lewandowski zum gewählten Schauplatz: "Ich nehme an, dass Fontane während seines Wien-Besuches im September 1875 die Burg Merkenstein bei Baden besucht hat."

Eine weiteres Detail zur Topographie des k.u.k. Reichs, wie es Fontane skizziert, nennt Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Ein Palais in Wien war auch Schauplatz". Anlass zu Recherchen, u.a. ob der Schriftsteller jemals selbst Fuß in die Donaume-tropole gesetzt hat, boten die Frage 2 der Nro. 354 sowie die im QUERGELESEN versteckte Spezialnuss in derselben Ausgabe. Fontanes Vita gibt Auskunft. Im brandenburgischen Neuruppin wurde er geboren, wie Gerhard Toifl, Wien 17, herausfand, und zwar "1819 als Sohn des Apothekers Louis Henri Fontane (1796-1867) und Emilie Fontane, geb. Labry (ca. 1797-1869)", Tochter eines Seidenkaufmanns.

Lehre als Apotheker

Dieter Bittrich, Wien 2: "Das erste historische Interesse erwachte in Fontane bereits im Schulalter." Später vertiefte er diese Vorliebe u.a. in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", eine Verflechtung von "Kulturhistorie, exakter Beschreibung und persönlicher Ausdruckskraft . . . Fontane betrieb für dieses Werk intensive Forschungen der Geschichte der Mark".

Der junge Fontane arbeitete nach der entsprechenden Lehre als Apotheker. 1839 veröffentlichte er "seine erste Novelle "Geschwisterliebe"", so Ing. Helmut Penz, Hohenau/March.

Harry Lang, Wien 12: "1851 wurde Fontane von der "Centralstelle für Preßangelegenheiten" angestellt. Für diese machte er Reisen nach London, wo er auch 1855 bis 1859 lebte."

Schließlich zog es ihn nach Wien. Franz Kaiser, Wien 11: "Zwischen 1874 und 1876 unternahm Fontane mit seiner Frau diverse Reisen", auch nach Österreich. Zum bereits von Tüftler Dr. Beck genannten Palais des fiktiven Grafen Petöfy liefert Dr. Manfred Kremser, Wien 18, weitere Details: Placiert ist es "in einer der Querstraßen, die vom Graben her auf den Josefsplatz und die Augustinerstraße zuführen", wie es im Roman heißt. "Kritiker bemängeln, dass Fontane den Schauplatz Österreich-Ungarn aus eigener Anschauung viel zu wenig kannte ... In Wien war er ... nur für drei Tage".

Sensibler Preuße

Auch die gesellschaftliche Ordnung seiner Heimat spielt in Fontanes Werk eine wesentliche Rolle. Maria Thiel, Breitenfurt: "Den Hintergrund seiner großen Romane bildet das großbürgerliche Preußen." Dabei übte der Schriftsteller durchaus Kritik an diesem Land. Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, erwähnt einen Briefwechsel, in dem Fontane das "Schreckensregiment polizeilicher Willkür" in Preußen verurteilt.

Dennoch fühlte er sich, so Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, als Patriot dem Preußentum verbunden und trat in dessen Dienst. Er war u.a. "Kriegsberichterstatter im Schleswig-Holsteinischen Krieg" 1864. Dr. Alfred Komaz, Wien 19, weiter: In seinem "zweibändigen Werk "Der deutsche Krieg von 1866"" ging er "erstmals auf Österreich ein, z.B. auf dessen Kriegspläne, Rüstung und diverse Gefechte".

Sein Einsatz blieb auch dem preußischen Kanzler Otto von Bismarck (1815- 1898) nicht verborgen. MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: Während des deutsch-französischen Krieges 1870/1871 geriet Fontane "in französische Haft und wurde erst auf Bismarcks Veranlassung hin freigelassen."

Die politische Haltung Fontanes bringt Neozeitreisender Dipl.-Jur. Enno Entorf, Berlin-Wedding/Dtld. (willkommen in der Gemeine!), auf den Punkt: "Er war konservativer Gesinnung, aber nicht reaktionär."

Dazu ein Aufsatz aus 2001 von Germanist und Fontane-Experte Prof. Dr. Helmuth Nürnberger: "Fontane war, wie er sich selbst bezeichnet hat, ein in der Wolle gefärbter Preuße ... Die überragende Bedeutung von Geschichte, Kultur und Alltagswirklichkeit des Hohenzollernstaates für Fontanes Schaffen und Biographie kann nicht zweifelhaft sein. Nicht minder deutlich ist allerdings die oft berufene Ambivalenz seines Urteils auch und gerade im Hinblick auf diesen Staat und seine führenden gesellschaftlichen Kräfte."