Dass das "Wien(n)erische Diarium", wie die "Wiener Zeitung" bis 1779/1780 hieß, eine reiche Quelle für Geschichte(n) des 18. Jahrhunderts ist, muss man der Gemeine nicht erzählen, machte sie doch mit dem Geschichtsfeuilleton schon zahlreiche Zeitreisen in diese Epoche.

Aber auch für die Wissenschaft ist unser Blatt eine wahre Fundgrube: Vor allem für das 18. Jh. Ein Blick ins volle Auditorium einer Veranstaltung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit dem Titel "Wien(n)erisches Diaium digital" zeigte: Das Interesse vonseiten der Forschung am "Diarium" ist groß. Auf Einladung der ÖAW fanden sich vergangenen Dienstag Vertreter zahlreicher Disziplinen und Institutionen ein. Präsentiert und diskutiert wurden die Ergebnisse einer Pilotstudie von ÖAW und Universität Innsbruck. In deren Rahmen wurden die Möglichkeiten sondiert, die eine digitale Erschließung der historischen Ausgaben eröffnen würden.

Auf der ANNO-Plattform der Österreichischen Nationalbibliothek sind die meisten Nummern des "Diariums" 1703ff bereits verfügbar, die automatische Texterkennung - so hilfreich sie ist - stößt aber bei schlechtem Zeitungsdruck rasch an ihre Grenzen. Eine verlässliche Volltext-Erfassung würde die Recherche immens erleichtern.

Weiters wäre denkbar, gewisse Informationen aus dem Blatt, z.B. Personen oder Gebäude, zu kennzeichnen. So könnten Musikhistoriker Uraufführungen verfolgen, Linguisten sprachliche Strukturen analysieren, Denkmalpfleger Aufschlüsse zu Gebäuden erhalten oder Familienforscher Namen recherchieren (s. auch Rubrik "Nota bene") etc.

Die Möglichkeiten, so zeigte sich, sind schier unbegrenzt. Ob und in welchem Umfang ein solches Projekt zustande kommt, wird nicht zuletzt von der Finanzierung abhängen.