Die Titelseite des "Illustrirten Wiener Extrablattes" vom 30. Juni 1893 war Josef Ressel bzw. dessen Statue anlässlich seines 100. Geburtstages gewidmet. - © Bild: Farbgebung "WZ"/Ph. Aufner
Die Titelseite des "Illustrirten Wiener Extrablattes" vom 30. Juni 1893 war Josef Ressel bzw. dessen Statue anlässlich seines 100. Geburtstages gewidmet. - © Bild: Farbgebung "WZ"/Ph. Aufner

Dass es im Park vor der Technischen Universität Wien vor Statuen und Denkmälern nur so wimmelt, wurde vielen Geschichtsfreunden erst durch die Frage 1 der Nro. 360 so richtig bewusst.

Sehr prominent ist das Monument für Josef Ressel (auch Joseph, 1793-1857) placiert, wie Manfred Bermann, Wien 13, notiert: Es steht "in normaler . . . Achse zum Haupteingang der . . . TU Wien (früher Technische Hochschule Wien, noch früher k.k. Polytechnisches Institut)".

Den Namen der Grünfläche vor dem Gebäude nennen Erika Novak, Wien 2, und Franz Kaiser, Wien 11: Resselpark. Diese Bezeichnung ist vermutlich bereits seit der Eröffnung 1862 gängig. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, erwähnt, dass sich der Park "am Karlsplatz" befindet.

Neo-Zeitreisender Gerhard Palisek (willkommen in der Gemeine!), der "an der TU . . . Informatik studiert" hat: Das Monument steht "auf halbem Weg zwischen Haupteingang der TU und kleinerer Zugangspassage zu den U-Bahnen . . . Ressel schaut Richtung Innenstadt". Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: Man gelangt "zum Denkmal auch . . . über die Resselgasse beim Nebeneingang" des Unigebäudes.

Gießerei auf der Wieden

Eine Beschreibung des Kunstwerkes liefert MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Quaderpostament mit bronzener Inschrifttafel auf Stufensockel, darauf Bronzestandbild mit Schiffsrumpf und -schraube".

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: "Ressel ist hier stehend dargestellt, wobei seine Linke sich auf das Modell eines Schiffshecks stützt." Das Material des Sockels ist Karstgestein.

Den als Schöpfer geltenden Künstler nennt Neo-Spurensucherin Gabriele Felfernigg, Wien 2, (willkommen im Tüftlerkreis!): Anton Dominik Fernkorn. Herbert Beer, Wolfpassing, mit biographischen Details: Seit "1859 Ritter von; geboren . .. 1813 in Erfurt, gestorben . .. 1878 in Wien". Der "Bildhauer und Erzgießer" kam 1840 in die Donaumetropole und hatte "lange Zeit . . . ein Atelier Laimgrube 24". 1856 verlegte er seine Arbeitsstätte in das "Gebäude der alten Kanonengießerei". Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, liefert die Adresse: "auf der Wieden (bis 1850 Vorstadt, dann Teil des 4. Wiener Bezirks, Anm.), Gußhausstraße 25". Laut Felix Czeikes "Historischem Lexikon Wien" war der Straßenname bereits vor der offiziellen Benennung 1873 üblich.

Das Ressel-Denkmal wurde in der "k.k. Kunsterzgießerei" geschaffen, wie Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, recherchierte. Sie wurde 1861 in diesem Gebäude (1909 abgerissen) eingerichtet. Elisabeth Somogyi, Wien 11: In der Kunsterzgießerei wurden "junge Talente in verschiedenen Techniken ausgebildet".

In seinem umfassenden, privat verlegten Manuskript "Josef Ressel. Legenden und Tatsachen" stellt der Zeitreisende Prof. Ing. Friedrich Prasky, Wien 10, klar, dass das Resselbildnis in der heutigen Form nicht von Fernkorn stammt - "infolge seiner Erkrankung". Nicht näher spezifizierte gesundheitliche Probleme bescherten ihm ab 1868 Einweisungen in Irrenanstalten. In einer solchen starb er 1878 mit 65 Jahren. Prof. Ing. Prasky weiter: Fernkorns Mitarbeiter Franz Pönninger stellte Ressel, verglichen mit dem ursprünglichen Entwurf, "in einer viel konservativeren Art" dar. "Fernkorn wurde wegen seiner modernen künstlerischen Auffassung . . . oft angefeindet."

Die Forstlehranstalt in Mariabrunn anno 1851. - © Bild: BFW
Die Forstlehranstalt in Mariabrunn anno 1851. - © Bild: BFW

Enthüllt wurde das Denkmal, so DI Wolfgang Klein, Wien 21, im Jahr 1863. Maria Thiel, Breitenfurt, ergänzt: "am 18. Jänner". Neo-Tüftler Mag. Gerhard Karasek, Klosterneuburg (willkommen in der Gemeine!), rechnete genau nach: Also "fünf Jahre, drei Monate" und gut eine Woche nach dem Ableben des Erfinders. Mag. Karasek erwähnt auch Fernkorns "Reiterdenkmal von Erzherzog Karl auf dem Wiener Heldenplatz". Statisch gesehen sei es "ein Meisterwerk", weil die Figur nur von den Hinterläufen des Pferdes getragen wird. Die Miniatur des Monuments ist im Bild unten mit dem Künstler zu sehen.

Ehrung abgelehnt

Damit zurück zu "Josef Ludwig Franz Ressel", dessen vollständigen Namen Mag. Georg Schilling, Wien 18, nennt. Der Nussknacker erwähnt, dass das Denkmal "ursprünglich . . . in Triest aufgestellt werden" sollte.

Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, ortet "politische Probleme" und ergänzt, dass die Statue eigentlich bereits "1861 vollendet" war. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, vermutet, dass "schon in den 1860er-Jahren . . . die Ressentiments gegen Österreich(-Ungarn) in der Adriahafenstadt zu groß" waren, "als dass der Erfinder . . . hier zu Ehren gekommen wäre".

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, erläutert, dass der Gemeinderat von Triest der Aufstellung nicht zustimmte. "Offenbar, weil Ressel sich . . . 1848/49 gegen die italienischen Loslösungsbestrebungen gewandt hatte."

Zur Verbindung des Erfinders mit Triest ergänzt Mathilde Lewandowski, Payerbach: Nach dem Besuch der Forstlehranstalt Mariabrunn (später Akademie) wurde Ressel "Förster in Krain", ab 1821 mit Unterbrechungen in Triest. 1849 war er dort - nunmehr im Militärdienst - "Marine-Unterintendant zur Verwaltung der Forste der österreichischen Kriegsmarine". Die Tüftlerin nennt weitere Projekte Ressels: "Maschine zur Herstellung von Parkettbodenbrettern" und "Rohrpostleitung von Wien nach Triest".