Man betrat unter Trompeten- und Paucken-Schall den hell erleuchteten Raum. Der Obersthofmeister legte das Neugeborene auf den erwähnten rotsammeten Polster, wo die Aya das prunkvolle, für die Taufe selbst aber störende Gewand des Säuglings aufband.

Der Wiener Fürstbischof Sigismund Graf Kollonitsch (auch Kollonitz) verrichtete inzwischen die sogenannten gewöhnlichen Kirchenzeremonien, und zwar in einem herrlich-blauen Vesper-Mantel. Diesen vertauschte er dann mit einem weiss Silberstuckenen. Die Aya (Aja) übergab das Kind an Eleonore Magdalena. Diese sowie Wilhelmine Amalie und der Papst, vertreten durch den Nuntius Spinola, waren Maria Theresias Paten. Sie legten Dero Finger (...) wehrend- Heiliger Tauf auf den Täufling und Kollonitsch führte die Zeremonie durch. Das Kind wurde auf die Namen Maria, Theresia, Walburga, Amalia, Christina getauft. Welche immense Rolle die Religion im Herrscherhaus spielte, zeigen unter anderem die Taufgeschenke der Patinnen: Reliquien von der Heil. Theresia bzw. von dem H. Ignatius, jeweils mit kostbarsten Diamanten besetzet.

Damit war die Zeremonie beendet, die Aya machte das Kind auf dem sammeten Polster des (...) Tisches wieder zusammen, d.h. sie zog es wieder vollständig an. Indessen hatte der Herr Bischoff (...) das Ambrosianische Lob-Gesang unter Trompeten- und Paucken-Schall angefangen / und nach dem Ende desselben das Schluß-Gebeht verrichtet sowie den Seegen ertheilet. Schließlich wurde Maria Theresia in das Kaiserliche Schlaf-Zimmer getragen und der erschöpften Mutter, die an der Zeremonie nicht teilgenommen hatte, glücklich zuruckgebracht.

Auswahl und Transkription: Andrea Reisner

P.S. Das "Extra", die Samstags-Beilage der "WZ", wird der Regentin am 29. April eine eigene Schwerpunkt-Nummer widmen.