Panorama der Stadt, die nun Istanbul heißt; r.: türkische Damen; beides 19. Jh. - © Bilder: Views in the Ottoman... (1810)/Archiv
Panorama der Stadt, die nun Istanbul heißt; r.: türkische Damen; beides 19. Jh. - © Bilder: Views in the Ottoman... (1810)/Archiv

Sie hätten es sich nicht träumen lassen, dass es in der ganzen Welt eine so reiche Stadt gebe, als sie die hohen Mauern, die reichen Türme und Paläste und die hohen Kirchen erblickten . . ." So beschrieb ein Augenzeuge einst das Erstaunen der Eroberer, als ihr Ziel vor ihnen auftauchte. Und ein anderer berichtete: "Unter Trompetengeschmetter und mit gezogenen Säbeln gingen sie daran, Häuser und Kirchen auszuplündern . . . Die ganze Stadt war nichts als Verzweiflung, Tränen, Geschrei und Gestöhn."

Die Rede ist von Konstantinopel, das 1203 und erneut 1204 durch Kreuzfahrer eingenommen wurde. Diesem sowie weiteren Einschnitten in der Geschichte der Metropole, die seit 1930 Istanbul heißt, ging die Gemeine anlässlich einer Spezialnuss nach (KARTEN GELESEN, Nro. 367). Eine Einführung zur "Stadt mit den vielen Namen an der Schnittstelle zwischen europäischem Balkan und Kleinasien" gibt Mag. Hermann Hayn, Maria Enzersdorf: Einst war es "eine von hunderten griechisch dominierten Städten rund um Mittelmeer, Ägäis und Schwarzes Meer". Im 4. Jh. fiel Konstantin (röm. Kaiser 306- 337) "die strategisch unschlagbare Lage . . . auf." In der Folge wurde das ehemalige Byzanz als Konstantinopel "neue Reichshauptstadt" und "massiv ausgebaut".

Christen gegen Christen

Zur bereits erwähnten Einnahme der Metropole am Beginn des 13. Jh.s kommt Dr. Harald Jilke, Wien 3: Das eigentliche Ziel des Kreuzzuges war "die Eroberung Ägyptens", damals Zentrum der islamischen Macht; stattdessen wandte man sich aber - "gänzlich dem Kreuzzugsgedanken zuwider" - gegen "das christliche Konstantinopel". Dies sollte zu einer noch stärkeren "Spaltung von griechisch-orthodoxem Osten und römisch-katholischem Westen" führen.

Eroberung Konstantinopels 1204. - © Gemälde (Ausschn.): Tintoretto, um 1600
Eroberung Konstantinopels 1204. - © Gemälde (Ausschn.): Tintoretto, um 1600

Wie konnte es dazu kommen? "Der 4. Kreuzzug sollte das 1187 . . . untergegangene Kreuzfahrerkönigreich Jerusalem wieder gewinnen, aber man hatte Probleme mit der Anreise", merkt augenzwinkernd Nussknacker Mag. Hayn an; "Treffpunkt der Teilnehmer" war Venedig. "Die Venezianer waren bereit, die Kreuzfahrer nach Ägypten zu bringen (dort wollte man eine Basis schaffen, um . . . auf Palästina vorzurücken), aber nur gegen Bares. Daran fehlte es den Rittern."