Als "Canaletto-Blick" ging das um 1760 entstandene Gemälde "Wien, vom Belvedere aus gesehen" in die Geschichte ein. Es stammt von Bernardo Bellotto (1720-1780), bekannter unter seinem Künstlernamen Canaletto. - © Bild: wikipedia
Als "Canaletto-Blick" ging das um 1760 entstandene Gemälde "Wien, vom Belvedere aus gesehen" in die Geschichte ein. Es stammt von Bernardo Bellotto (1720-1780), bekannter unter seinem Künstlernamen Canaletto. - © Bild: wikipedia

Etwa ab den 1680er-Jahren ergriff Wien die Baulust im Stile des Barock, die das Stadtbild bis heute prägt. An die Tore zweier Meisterwerke aus dieser Zeit klopfte die Gemeine anlässlich der Frage 2 der Nuss Nro. 368 und trat in die Historie von Karlskirche und Belvedere ein.

Zunächst zum Gotteshaus im heutigen vierten Wiener Bezirk. Franz Kaiser, Wien 11: "1716 war die Grundsteinlegung für die prachtvolle barocke Karlskirche". Zur Errichtung notiert DI Wolfgang Klein, Wien 21: "Es wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723, Anm.) durchsetzen konnte."

"Eine besondere Bedeutung" hat dieser sakrale Bau für Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: "Meine Frau und ich haben vor vielen Jahren dort geheiratet."

Volkmar Mitterhuber, Baden: "Zur Zeit ihres Baues stand die Kirche noch jenseits des kaum regulierten Wienflusses mit Auwäldchen an den Ufern, dahinter Weingärten."

Maler Bernardo Bellotto (l. im Vordergrund) und Barockbaumeister Johann L. Hildebrandt (1668-1745, kl. Bild). - © Bilder: Archiv
Maler Bernardo Bellotto (l. im Vordergrund) und Barockbaumeister Johann L. Hildebrandt (1668-1745, kl. Bild). - © Bilder: Archiv

Die Kirche, so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, wurde "zum Gedenken an den Pestheiligen Karl Borromäus" gestiftet. Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz: "Das kaiserliche Versprechen" zur Errichtung dieser Votivgabe "sollte die Pest von der Stadt" abwenden, die in Wien 1713/14 tobte.

Alice Krotky, Wien 20, merkt zu Borromäus an: Er war bekannt für seinen "unermüdlichen Einsatz für Pestkranke in den Jahren 1576-78." Abgesehen davon war er "entschlossener Kämpfer gegen den Protestantismus ... Man kann davon ausgehen, dass Karl VI. bewusst zeigen wollte, dass er sich ganz in der Nachfolge des Heiligen fühlte."

Unter den Architekten, die sich um den Bau der Kirche bewarben, war u.a. Johann Lukas von Hildebrandt (1668-1745). Herbert Beer, Wolfpassing: Um 1700 trat Hildebrandt "in Wien das Amt des Kaiserlichen Hofingenieurs an", ein Meilenstein in seiner Karriere. Sein größter Konkurrent: "Erster Hofbaumeister Johann Bernhard Fischer von Erlach". Als dieser starb, wurde Hildebrandt sein Nachfolger.

Die beiden "beherrschen die Wiener Architektur der Barockzeit", recherchiert Manfred Bermann, Wien 13. Doch das Stadtbild prägten auch andere. Der Tüftler zitiert dazu aus einer Wien-Chronik: "Vor allem bei den ... Bürgerhäusern der Vorstädte sind viele gute Architekten tätig gewesen, deren Namen heute längst vergessen sind."

Feldherr und Mäzen

Einer der Auftraggeber für Prunkbauten war Prinz Eugen von Savoyen (1663- 1736). Er war "einer der reichsten Bauherren des Reiches", so Mathilde Lewandowski, Payerbach; sein Vermögen vermehrte er u.a. durch siegreiche Feldzüge sowie "Einnahmen aus seiner Statthalterschaft in den österreichischen Niederlanden".

Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) als Feldherr. - © Bild: Archiv
Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) als Feldherr. - © Bild: Archiv

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, weiter: Er hatte sich um "1697 in der Himmelpfortgasse in der ummauerten Stadt Wien von ... Fischer von Erlach sein Stadtpalais (heute ... als Winterpalais beworben) errichten lassen, bei dem ... Hildebrandt 1702 Entwurf und Leitung der weiteren Ausbauarbeiten offenbar zur Zufriedenheit des Bauherrn übernahm. Das Winterpalais war erst teilweise fertiggestellt, als Prinz Eugen ... Hildebrandt beauftragte, für ihn zusätzlich ein Gartenpalais außerhalb der ... Stadt zu errichten" - später Unteres Belvedere benannt. Gerhard Toifl, Wien 17: "Die Bauarbeiten ... dauerten von 1712 bis 1716".

Als also der "Grundstein für die Karlskirche" gelegt wurde, hält Eva Stümpfl, Wien 1, fest, "stand das Untere Belvedere schon". Dort, so Dr. Heribert Plachy, Wien 7, residierte "Prinz Eugen ... im Sommer".

1717 begannen die Bauarbeiten am Oberen Belvedere, wobei die Jahreszahl je nach Quellen variiert. Bereits erwähnte Zeitreisende Lewandowski dazu: "Die Baugeschichte ist durch den Verlust des eugenianischen Bauarchivs ... nicht lückenlos zu erforschen."

Zur Gartenanlage recherchierte Christine Sigmund, Wien 23: "Der französische Fachmann des Wasserbaues, Dominique Girard, wurde für die Installierung der Fontänen und Kaskaden herbeigeholt ... Zur selben Zeit entstanden auch der weitläufige Marstall, die beiden Glashäuser und die Orangerie."

Zum "kleinen Geschwisterchen des Oberen Belvedere", dem Palais Schönburg (heute: Rainergasse 11, Wien 4), kommentiert Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf: "Erste Erinnerungen aus den 1950ern: recht desolat ... Hat aber zum Flair des Hauses gepasst ... Später ist das Palais fast zu Tode renoviert worden."

Kühnstes Manöver

Zu Prinz Eugens größtem Triumph kommt Brigitte Schlesinger, Wien 12: Der Venezianisch-Österreichische Türkenkrieg, "auch 6. Österreichischer Türkenkrieg, 1. Türkenkrieg Karls VI. oder 8. Venezianischer Türkenkrieg" genannt, "dauerte von 1714 bis 1718". Das Osmanische Reich wollte "seine wankende Stellung in Osteuropa ... festigen. 250 Jahre lang beherrschten" die Osmanen "fast den gesamten Balkan. Erst Ende des 17. Jahrhunderts setzte eine europäische Gegenbewegung ein ... Doch Belgrad, die stärkste Festung des Balkans, blieb in ihren Händen." Prinz Eugen wagte zur Eroberung der Stadt "eines der kühnsten kriegerischen Manöver".