Grottenolm auf Briefmarke; covjecja ribica (kroat. für Grottenolm) heißt eigentlich Menschenfischlein.
Grottenolm auf Briefmarke; covjecja ribica (kroat. für Grottenolm) heißt eigentlich Menschenfischlein.

Auf ein wundersames Wesen ist Gerhard Toifl, Wien 17, bei Recherchen zur Zusatzorchidee der Nro. 370 gestoßen: den Grottenolm, Bewohner der Adelsberger Grotte (nun Postojna/Slowenien; mehr dazu im Juli). Die fast blinde Amphibie haust in der Finsternis unterirdischer Karstgewässer, bestens ans Leben im Dunkeln angepasst. Der schlangenartige Körper, die roten Kiemen und die kleinen Beinchen ließen die Menschen einst glauben, "dass Grottenolme Drachenjunge seien", so Tüftler Toifl. Bemerkenswert ist weiters, dass das Tier "bis zu 100 Jahre alt werden und mehrere Jahre ohne Futter auskommen" kann.

Auch Dr. Manfred Kremser, Wien 18, fasziniert der proteus anguinus, so die wissenschaftliche Bezeichnung. Das "farblose Geschöpf", das "in Dauerlarvenstadium eines Schwanzlurches sein Leben . . . fristet", ist heute "vom Aussterben bedroht" und gilt den Slowenen als "Nationalheiligtum". Eine Sensation war es, als 2016 erstmals das Schlüpfen junger Olme gefilmt wurde.

Auch in Wien konnte man einst die kuriosen Lindwürmchen bestaunen - auf der "Ersten Internationalen Jagd-Ausstellung" 1910 im Prater. Dort widmete man sich auch der Adelsberger Grotte; lebende Olme inklusive. Schon ab dem folgenden Jahr, 1911, bot sich laut "WZ"-Bericht in Linz ebenfalls die Möglichkeit, die lichtscheuen Lurche zu Gesicht zu bekommen: Im Kellergewölbe am Pöstlingberg waren einige Exemplare ausgestellt. Waren etwa die Tiere damals vom Wiener Prater auf den Linzer Pöstlingberg übersiedelt?

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Etliche Jahre vor der Jagdschau, nämlich 1892, eröffnete im Prater die Theaterausstellung mit dem nachgebauten barocken Hohen Markt als Kulisse - die Zeitreisen berichteten im Mai. Was geschah mit den aufwendigen Attrappen, nachdem die Schau ihre Pforten schloss? Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, weiß Näheres: Man verschiffte sie nach Übersee und baute sie bei der Weltausstellung in Chicago wieder auf. 1893 konnten Besucherinnen und Besucher der "World’s Columbian Exposition", so der offizielle Titel, durch ein Stück Alt-Wien wandern. Und: "Für das leibliche Wohl sorgten Gasthäuser und Weinstuben" (in denen "österreichische Weine von echten Wienerinnen kredenzt" wurden, so ein Original-Ausstellungsprospekt aus Dr. Jungmayers Archiv).

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So gemütlich wie 1893 in Chicago war das alte Wien in Wirklichkeit freilich nicht. Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, versetzte sich drei Jahrhunderte zurück und zeichnet ein gar nicht beschauliches Bild der Stadt. Um ein Ausbreiten der Pest zu vermeiden, wurden Maßnahmen gesetzt, die auf damalige Hygienezustände schließen lassen: ". . . sich auch niemandt unterstehen, . . . die Unsauberkeyten, sie seyen nun von Blut, Eingewaid, Bainern von getödten Viech, Scherben, Krautpletschen oder ander Unfladt, . . . auff die Gassen auszuschütten, weniger todtes Viech als Hund, Katzen, Hüener oder anders dahin zu werffen".

Chicago, so hätte sich mancher US-Amerikaner denken können, darf nicht Alt-Wien werden!

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner