In der März-Ausgabe der Zeitreisen (Nro. 369) lud eine abgedruckte Wanderkarte des Wienerwald-Gebiets aus 1930 zu Erzählungen und historischen Ausflügen ein.

Dem kam u.a. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, nach. Der Tüftler erinnert sich an einen Spaziergang, der "durch die Wildgrube ... Richtung Kahlenberg" führte. Den Weg beschritt er nicht zuletzt, um Vorfahren, die auf dem Heiligenstädter Friedhof begraben sind, zu besuchen. Dorthin fährt "auch heute noch ... kein öffentliches Verkehrsmittel ..., man muss sich also - falls nicht motorisiert - den Weg ... erwandern. Und da gab es für einen aufgeweckten Buben wie mich ... allerhand zu bewundern ...: Dort, wo die Kahlenberger Straße bei der Kreuzung mit der Langackergasse einen scharfen Knick nach rechts macht (Richtung Friedhof), ist sie ein kurzes Stück eng eingepresst zwischen hohen Ziegelmauern, die einst ein Viadukt für die ... Zahnradbahn" bildeten. "Meine Mutter hat mir viel von dieser ehemaligen Attraktion erzählt, als Kind hatte sie selbst noch Gelegenheit" die Bahn "zu erleben."

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Zum Kahlenberg, "der einst Sauberg hieß", recherchierte Christine Sigmund, Wien 23: Im 17. Jh. nannte man den heutigen Leopoldsberg noch Kahlenberg. Daneben stand der Sauberg, der Wildschweine beheimatete. Die Errichtung einer Kirche auf dem damaligen Kahlenberg (ab 1679), die man dem Hl. Leopold weihte, brachte den Namen Leopoldsberg. Der Sauberg wurde in Josefsberg umgetauft. Damit war der Begriff Kahlenberg vorerst verschwunden, aber "die Wiener wollten ihren geliebten Kahlenberg nicht verlieren" und so wurde "aus dem Sauberg/Josefsberg dann der Kahlenberg".

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"Den Wienerwald direkt vor der Haustüre" hat Herbert Beer in seinem Wohnort Wolfpassing. Der Tüftler empfiehlt daher gleich zwei Touren: "Man geht durch die Hagenbachklamm in St. Andrä-Wördern, die sehr romantisch sein kann, ... vorbei an einer Greifvogelstation nach Unterkirchbach." Dort ragt aus einem steilen Hang "ein klotziger, haushoher Sandsteinblock hervor, wie er in der gesamten Flyschzone kein zweites Mal zu finden ist: der Hängende Stein. Angeblich war er eine Opferstätte".

Der zweite Weg "führt vom Bahnhof St. Andrä-Wördern über den nordöstlichsten Alpenbogen" nach Kritzendorf. "Nahe Hadersfeld steht auf einer kleinen Erhebung ein Obelisk, der an einen Naturpark erinnert, den Fürst Johann I. von und zu Liechtenstein (1760-1836, Anm.) rund ums Schloss anlegen ließ. Dieses letzte Relikt wurde 1954" der Bevölkerung und Ausflüglern "zur Ruhe und Erholung gewidmet".

All jenen, die sich aufmachen, um diesen (oder anderen) Routen zu folgen, wünscht das Zeitreisen-team gute Kondition und prächtiges herbstliches Wanderwetter.

Ausgewählt & arrangiert von Christina Krakovsky