Blick in die Wollzeile anno 1901 von Franz Poledne (1873-1932).  - © Bild: Galerie Szaal, Wien 1 (danke!). Repro: Irma Tulek
Blick in die Wollzeile anno 1901 von Franz Poledne (1873-1932).  - © Bild: Galerie Szaal, Wien 1 (danke!). Repro: Irma Tulek

Als Staatsmann Joseph v. Sonnenfels (1732/33-1817) kurz vor seinem Tod vom alten Fleischmarkt in die Wollzeile zog, hätte er im Haus schräg gegenüber "Echten alten Syrmischen Slibowitza", Zwetschkenschnaps aus dem Gebiet zwischen Save und Donau, erwerben können. Solche Angaben entnimmt man alten Ausgaben der "Wiener Zeitung". Der Spirituosenverkauf fand im Keller auf Nro. 909 statt, im ersten Stock wurden "Präziosen", also Schmuck, verkauft.

Im Nebenhaus war - allerdings erst ab Mitte der 1830er-Jahre - das Antiquariat des Marcus Greif zu finden. Sonnenfels selbst konnte, um ein Buch zu erstehen, etwa bei "Schaumburg Karl und Comp." vorbeischauen - schon fast beim Stephansdom.

Wie es heute um die Bibliophilie in der Verbindungsgasse zwischen Rotenturmstraße und Stubentor bestellt ist, dazu recherchierte die Gemeine anlässlich der Frage 1 der Nro. 380 - in der u.a. auch Sonnenfels vorkam. Zu ihm später mehr.

Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7, eröffnet den Antwortreigen mit historischen Details: Der Name Wollzeile geht auf dort arbeitende "Wollweber und Wollhändler" zurück. Im 12. Jh. lag sie
"außerhalb des Stadtgebietes . . . und bildete den Beginn der Hauptverkehrsstraße nach Ungarn." Sie wurde 1158 als "Wollstrazze" erstmals urkundlich
erwähnt. Die Bezeichnung "Wollezeil" ist ab Mitte des 13. Jh.s belegt.

Sonnenfels auf einem Frontispiz.  - © Bild: Archiv. Repro: Irma Tulek
Sonnenfels auf einem Frontispiz.  - © Bild: Archiv. Repro: Irma Tulek

Mit dem 19. Jh. begannen Buchhändler auch in diesen Stadtteil zu ziehen - heute ist die Wollzeile die letzte Bücherstraße der Wiener Innenstadt. Herbert Beer, Wolfpassing: "Als ich in meiner Gymnasialzeit (in den 1950er-Jahren) durch die Wollzeile schlenderte, war diese Straße durch den Buchhandel geprägt." Bei seinen Recherchen ist er auf "nur mehr drei größere Buchhandlungen" gestoßen. Sybille Rausch (willkommen in der Gemeine!) kam auf die gleiche Zahl. Und Dr. Karl Beck, Purkersdorf, benennt sie: "Herder Zach-GmbH, Wollzeile 33; Morawa, Wollzeile 11, Hasbach . . ., Wollzeile 29."

Sowohl Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, als auch Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, erweitern die Liste um ein Geschäft: "Buch und Kunst", auf Hausnummer 2. Brigitte Schlesinger, Wien 12, die ihre Internet-Recherchen "bei herrlichem Wetter" vor Ort überprüft hat, ergänzt "die Libro Handelsgesellschaft mbH, Wollzeile 13", sowie ein Antiquariat "in Verlängerung der Wollzeile". Mag. Luise & Ing.
Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram
, nennen den offiziellen Firmennamen: "Bücher Ernst’s Altbuchdienst . . . am Dr.-Karl-Lueger-Platz 3."