Der um 1777 geborene Wiener Uhrmacher Caspar (auch Kaspar) Kaufmann war ein Sonderling, wie er im Buche steht. Und vom Pech verfolgt: Mehrmals wurde er Opfer von Überfällen, so auch am 5. Oktober 1842, als ihn ein Unbekannter mit einem Messer angriff. Doch Kaufmann hatte einen Schutzengel und kam glimpflich davon. Anders elf Jahre später.

Im Herzen Wiens, im Haus Nr. 1034, nahe des "neuen Kärntnerthors" am heutigen Standort des Hotels Sacher, führte er seinen Laden, der schon fast an Aladins Höhle erinnerte. In seiner Werkstatt befand sich eine große Fülle an Uhren jeder Gattung: Sackuhren mit silbernen und goldenen Gehäusen aus aller Welt, Stockuhren, Bilder- und Pendeluhren. Es waren so viele, dass es kaum möglich war, durch die Räumlichkeiten zu gehen, und es schwer war, das Tageslicht durchs Fenster auszumachen. Er gehörte nicht zu den Persönlichkeiten, die durch Waren Eindruck schinden wollten. Und obwohl er viel verkaufte, trennte er sich von manchem Werk nur ungern.

Die "WZ" kündigte am 2. September 1853 die Versteigerung von Kaufmanns Nachlass an. R.: Wiener Laterndluhr aus der Werkstatt des Meisters.  - © Foto: Kunsthandlung Stephan Andréewitch. Repro: Moritz Szalapek
Die "WZ" kündigte am 2. September 1853 die Versteigerung von Kaufmanns Nachlass an. R.: Wiener Laterndluhr aus der Werkstatt des Meisters.  - © Foto: Kunsthandlung Stephan Andréewitch. Repro: Moritz Szalapek

Auf frischer Tat ertappt

An einem Frühlingstag, am 6. Mai 1853, zwischen 15 und 15 Uhr 30, hörten zwei Polizisten aus dem Gewölbe des bürgerlichen Uhrmachers Geschrei. Schnell waren die Beamten in Zivil zur Stelle und fanden den Meister blutüberströmt am Boden liegend. Ein anderer Mann, der 29-jährige Joseph Fritz, versuchte sich von ihm loszumachen.

Kaufmann hatte einen Stich in die Brust und in die rechte Hand erhalten und beschuldigte Fritz. Dieser behauptete, ein weiterer Mann, der kurz vorher im Gewölbe gewesen sein soll, wäre der Angreifer gewesen. Die Polizisten glaubten diese Aussage aber nicht und nahmen Fritz fest.

Der schwer verletzte Uhrmacher wurde daraufhin in die Wohnung von Franz Brutmann auf die alte Wieden Nr. 354, der heutigen Wiedner Hauptstraße 43, zwischen Schlüsselgasse und Mayerhofgasse, gebracht.

Brutmann war ebenfalls Uhrmacher und ein Freund von Kaufmann. Dessen Hausarzt, Dr. Kohl, sowie zwei Gerichtsärzte, Dr. Granichstädten und Dr. Raimann, behandelten ihn. Obwohl die "Wiener Zeitung" am 10. Mai 1853 verkündete, dass sich der Gesundheitszustand des Uhrmachers erheblich verbessert hatte, erlag er am 21. Mai 1853 um 10 Uhr abends im Alter von 76 Jahren seinen Verletzungen.

Noch vor seinem Tode konnte er eine detaillierte Aussage machen: Joseph Fritz war an jenem Tag zu ihm allein ins Gewölbe gekommen, um eine Uhr zu kaufen. Als er dem potenziellen Kunden die Uhr zeigen wollte, stach dieser mit einem Küchenmesser auf ihn ein.

Die gerichtliche Obduktion der Leiche ergab, dass der Stich in den Brustkorb zwischen dem sechsten und siebten Rippenknorpel in die Lunge und den Herzbeutel eingedrungen war und zum Tod führte.